...und am Ende brennt die ganze Stadt

Gefahr droht, denn Brandstifter sind in der Stadt. Äußerste Wachsamkeit ist geboten, um Gefahr von Leib, Leben und Eigentum fernzuhalten. Da ist es schon ein wenig leichtsinnig, dass Gottlieb Biedermann (Mitte) den aufdringlichen Hausierer Schmitz (links) ins Haus lässt und ihm, obwohl dessen Verhalten durchaus verdächtig scheint, sogar Obdach auf dem Dachboden gewährt.
 
Schlusssezene: Die Biedermanns stehen in Flammen.

Biedermann und die Brandstifter in Seesen aufgeführt / Martin Semmelrogge in der Paraderolle des Eisenrings

Theater in Seesen: Max Frischs 1958 in Zürich uraufgeführte Tragikomödie „Biedermann und die Brandstifter“ schildert die absichtliche Blindheit seines Protagonisten gegenüber einer sich zusammenbrauenden Gefahr und die grausamen Folgen.

Am Ende knallen in der Aula am Schulzentrum die Gasometer in die Luft, alles brennt und Biedermann hat das alles nicht für möglich halten wollen, obwohl ihm die Brandstifter ja fortwährend über all ihre Pläne in Kenntnis setzen. Ein bisschen zuviel Wahrheit – die beste Tarnung eben. Obwohl Brandstiftungen in diesen Zeiten allgegenwärtig sind, glaubt Gottlieb Biedermann, eitler Fabrikant von Haarwasser, sich sicher und nimmt zwei mehr als fragwürdige Gestalten in sein Haus auf.
Der Anfang des Stückes: Der reiche Haarwasserfabrikant Gottlieb Biedermann schimpft bei der Zeitungslektüre über die in der Gegend sich häufenden Brandstiftungen. Vor nahezu ausverkauftem Haus in der Aula am Schulzentrum präsentierte das kleine Theater Bad Godesberg einen der bekanntesten deutschen Klassiker. Mit dabei: Schauspieler Martin Semmelrogge in der Rolle des Brandstifters Eisenring. Seine aufgeschlossene, unkonventionelle Art und sein entwaffnendes Lächeln sind zu seinem Markenzeichen geworden und prädestinierten ihn zugleich zum Typus des liebenswerten Gauners.
Die Geschichte, die in Seesen vor vollem Haus gezeigt wird, ist bekannter Stoff und der ist schnell erzählt. Dem aufdringlichen Hausierer Schmitz überlässt Biedermann einen Schlafplatz auf dem Dachboden und unternimmt auch nichts, als dieser seinen Freund Willi Eisenring mitbringt. Es bahnt sich Schlimmes an.
Schmitz berichtet Biedermann, er sei mit dem Feuer von klein auf vertraut, weil sein Vater Köhler war. Aus Freude an den Flammen habe er bereits einen Zirkus angezündet. Und der ehemalige Kellner Eisenring gibt offen zu, dass er bereits eine Haftstrafe wegen Brandstiftung verbüßen musste. Wie bitte? Biedermann wird mulmig, aber er bleibt tatenlos.
Als Schmitz und Eisenring plötzlich Benzinfässer anschleppen, protestiert Biedermann zunächst, lässt sich aber von den beiden beschwichtigen, weil sie ganz offen erzählen, was sie vorhaben, und Biedermann sich sagt, das würden sie nicht tun, wenn sie wirklich Feuer legen wollten. Das kann nicht stimmen, sie wollen nur seinen Humor auf die Probe stellen, oder?
Vor der argwöhnischen Polizei behauptet er, dass die Fässer Haarwasser enthalten. Damit macht er sich gewissermaßen selsbst zum Komplizen der beiden Brandstifter. Aus der Nummer kommt der Biedermann halt nicht raus.
Aus Furcht vor den beiden Gästen lädt er sie zum Essen ein, serviert ihnen Wein und duzt sich mit ihnen, denn einem Freund – so überlegt er – werden sie doch nicht schaden wollen. Am Ende gibt er ihnen auch noch Streichhölzer, wobei er sich einredet, dass sie selbst welche hätten, wenn es sich wirklich um Brandstifter handeln würde. Falsch gedacht! In der Nacht legen die beiden Männer dann wie mehrfach angekündigt Feuer. Gottlieb Biedermann und seine Frau Babette sterben in den Flammen...
Am Dienstagabend erlebten die Seesener Theaterfreunde dabei eine recht moderne, aber durchaus gelungene Fassung dieses „Lehrstückes ohne Lehre“. Allen voran die Schauspieler wussten vollends zu überzeugen. In der Rolle des Eisenrings brillierte der Bösewicht-Darsteller Martin Semmelrogge. Der wendige Kellner Eisenring, Hauptbrandstifter, ließ das Vorharzer Publikum entzücken. Die wenigen kritischen Stimmen der erten Hälfte waren im Keim erstickt.
Nach der Pause kam die Frisch-Parabel in Fahrt. Sehr gelungen: die unterschiedlichen Handlungsorte wurden durch einen Projektor sehr gut dargestellt – die Feuersbrunst am Ende augenscheinlich.
Weiter im Theaterprogramm der Stadt Seesen geht es am 17. Januar mit dem Kultstück „Die Feuerzangenbowle” mit Johannes Pfeiffer – Sie wissen schon, der mit den drei F...