„Unglaubliche Brutalität ist kaum zu überbieten!“

Seesener Trio wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu Jugend- und Freiheitsstrafen verurteilt

Ordentlich angezogen und mit einem gutmütigen Gesichtsausdruck saßen sie da, die drei Angeklagten im Alter von 19 bis 21 Jahren, die den Eindruck erweckten, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Der Geruch von kräftigem Herrenparfum erfüllte den Verhandlungssaal – aber allein der Duft macht wohl noch lange keinen Mann. Das mussten auch die Angeklagten selbst feststellen. Zwei von ihnen wurden nach dem Jugendstrafrecht zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt, der dritte im Bunde erhielt eine sechsmonatige Freiheitsstrafe nach dem Erwachsenenstrafrecht, die jedoch ebenfalls zur Bewährung auf drei Jahre ausgesetzt wurde. Verurteilt wurden die Seesener Hobbysportler, die unter anderem in einem Bornhäuser Fußballverein spielen, wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung.
Der Besuch der Discothek „Fun Factory“ in Harlingerode im Mai letzten Jahres sollte für einen jungen Mann aus Kanada mit schweren Verletzungen und einem sechstägigen Krankenhausaufenthalt enden. Bereits auf der Tanzfläche wurde der Kanadier von dem 19-jährigen Seesener angesprochen und provoziert, bevor er gleich mehrere Faustschläge ins Gesicht erhielt. Nachdem der junge Mann zu Boden fiel und seinen Angreifer mit sich zog, um weitere Schläge ins Gesicht zu vermeiden, wurden die beiden gemeinsam mit ihren Freunden der Disco verwiesen. Und obwohl das Sicherheitspersonal versucht hatte, die beiden Gruppen getrennt voneinander vor die Tür zu setzen, begegneten sie sich ein weiteres Mal. Nun in Begleitung seiner Freunde prügelte der 19-Jährige erneut auf den Mann aus Kanada ein, bis dieser wieder zu Boden ging. Inzwischen zu dritt, schlugen und traten die Angeklagten gemeinsam auf den Oberkörper und das Gesicht des wehrlosen Mannes ein. Erst als die Türsteher den Vorfall auf dem Parkplatz der Discothek mitbekamen, ließen die drei Seesener von dem Kanadier ab.
Selbst dem erfahrenen Türsteher wurde beim Anblick des Geschädigten ein wenig flau, als er ihm aufhalf: Der junge Mann blutete stark im Gesicht, die beiden Vorderzähne waren nach hinten gedrückt, ein weiterer Zahn fehlte komplett und, wie sich später herausstellte, waren sowohl das Jochbein als auch der Oberkiefer gebrochen.
Während der Hauptverhandlung am Dienstag zeigten sich die drei Angeklagten reuig – dass sie ihr Opfer so schlimm zugerichtet hatten, entnahmen sie erst wesentlich später den polizeilichen Akten. Der 21-jährige Angeklagte erklärte, dass er, nachdem er die Fotos des Geschädigten gesehen hätte, unter starken Schlafstörungen leide. Alle drei räumten die Tat ein und zeigten sich geständig, was vom Vorsitzenden Richter Rolf Stratmann als einzig positiv gewertet wurde. Er verurteilte die beiden 19-Jährigen zu einer sechsmonatigen Jugendstrafe; der 21-Jährige wurde zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt. Alle drei dürfen sich während der Bewährungszeit von drei Jahren nun nichts weiter zuschulden kommen lassen. Weitere Bewährungsbeschlüsse sind die Bereitstellung eines Bewäh­rungshelfers und ein Anti-Aggressions-Training. Des Weiteren haben die drei Seesener jeweils 500 Euro Schmerzensgeld an den Geschädigten, der sich inzwischen wieder in Kanada aufhält, zu zahlen.
Die Tat sei in keinster Weise eine jugendtypische Schlägerei gewesen, und das brutale Vorgehen sei nicht zu entschuldigen, so Stratmann in seiner Urteilsbegründung. „Wer so auf andere Menschen einwirkt, müsste eigentlich eingesperrt werden“