Unterschiedliche Charaktere am Klavier

An der Posaune: Elisa Pilgermann.
 
Verbeugung nach dem Auftritt.

Zum elften Mal hat die Stadt Seesen zum Klavierabend „Steinway in Concert“ eingeladen

Zum elften Mal in Folge hatte die Stadt Seesen am vergangenen Freitag zum besonderen jährlichen Klavierabend „Steinway in Concert“ mit Seesener Jugendlichen in die Aula des Schulzentrums eingeladen. Das Publikum füllte zwar nicht den ganzen Saal, brachte jedoch eine spürbare Portion Neugier, Sympathie und Empathie zu den jungen Künstlern mit.

Bürgermeister Homann dankte vorab in seinem Grußwort allen Verantwortlichen, die bei der Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung aktiv waren, aber auch allen (Musik)lehrerinnen und -lehrern, die zum musikalischen Werden und Wachsen der Jugendlichen beigetragen haben.
In besonderem Maße dankte er auch den Jugendlichen selber, die sich nicht nur auf die Herausforderung ein Instrument zu erlernen einließen, sondern sich auch noch mit ihrem Können auf die Bühne wagten. Er freue sich auf ein buntes Programm, wie er es aus den Vorjahren gewohnt sei. Auch Claudia Schaare, auf deren Initiative diese Konzertreihe 2004 gestartet wurde, begrüßte das Publikum herzlich, denn „gerade das Publikum ist für die jungen Künstler wichtig, denn dadurch erfährt das eigene musikalische Tun eine wichtige Wertschätzung“.
Im ersten Teil des Programms erklang Klaviermusik für zwei und vier Hände von G. Ph. Telemann und P. I. Tschaikowski sowie moderneren Komponisten wie Jürgen Moser und Daniel Hellbach, dargeboten von Christopher Mertens, Jelka Oberbeck, Sarah Linnekuhle, Paula Meyer, Michel Voß, Zoe Steinmann, Yasmin Kuwer und Carlo Zechmann. Teilweise wurden sie am Klavier unterstützt von den beiden Klavierpädagoginnen Tatjana Tisenhausen und Claudia Schaare, die ebenfalls kräftig in die Tasten griffen. Eine besondere Klangfarbe brachte Elise Pilgermann ins Programm, die – begleitet von Jelka Oberbeck am Klavier– mit ihrer Posaune virtuose Klänge hervorzauberte.
Eine kleine Show-Einlage boten Philip und Simon Götze, Kevin Kuwer sowie Johann und Samuel Scheerer, die nach zwei- und vierhändigen Stücken eine Komposition für fünf rechte Hände zu Gehör brachten. Mit einem humorvollen Ende (einer der Spieler verließ vorzeitig mit den Noten das Klavier...) läutete der „Marsch“ von Gavrilin die Pause ein.
Der Freundeskreis des Städtischen Museums verwöhnte Publikum und Mitwirkende in der Pause mit Getränken und eine angenehm entspannte Plauderstimmung breitete sich aus – so konnte man mit frischen Kräften in die zweite Hälfte starten.
Kari Ann Kuprat spielte mit dem Violoncello die Élégie op. 24 von Gabriel Fauré (am Klavier Claudia Schaare), wobei sie ihr gesamtes Können wunderbar in Dynamik und ausmusizierten Melodiebögen zeigte. Manja Schmidt, Marie Ahrens, Anja Bockfeld, Alena Rose, Johanna von Papen und Laurin Neubert boten überwiegend zwei- und vierhändige Klaviermusik des 21. Jahrhunderts dar, die unter anderen aus Filmen stammte.
Es folgten zwei Lieder aus den Musicals „Phantom der Oper“ und „Les Misérables“, zunächst von Hannah Geef allein, dann im Duett mit Marius Weigel vorgetragen (jeweils begleitet von Claudia Schaare), die vom Publikum mit sehr viel Beifall bedacht wurden (nachdem die Augen wieder getrocknet waren). Laura Priesmeier spielte eine herrliche Persiflage auf Mozarts berühmten „Türkischen Marsch“, Daria Tappe beeindruckte vor allem wieder durch ein selber komponiertes Klavierstück. Den Schluss des Programms gestaltete Nicole Barnert zunächst mit einem Rachmaninoff-Prélude, das klangvoll und souverän vorgetragen wurde, dass anschließende Rondo von Schubert spielte sie gemeinsam mit Tatjana Tisenhausen.
Reichlich Beifall belohnte die jungen Künstler, die allesamt gemeinsam auf die Bühne gebeten wurden und jeweils eine kleine Blume überreicht bekamen.
Claudia Schaare wies abschließend noch einmal darauf hin, welches Potenzial in Seesen vorhanden sei und wie wichtig diese Bühne für die jungen Menschen ist. Erik Homann ließ es sich nicht nehmen, auch Claudia Schaare einen Blumenstrauß zu überreichen, denn „neben der Arbeit der Organisation und Durchführung der Veranstaltung sei es ihr zu verdanken, dass dieses Potenzial auch in das richtige Licht gerückt würde“.
Natürlich wurde an diesem Abend nicht nur Perfektion geboten, aber auch die kleinen oder großen Aufgeregtheiten störten das Publikum nicht. Es wurde teilweise mitgefiebert oder aber einfach auch nur mit Faszination beobachtet, welch unterschiedliche Charaktere am Klavier saßen.