Unterschriftenaktion für zweiten Kinderarzt

Seesener Familie hofft auf Unterstützung / Ende des Monats soll Entscheidung fallen

Braucht Seesen einen zweiten Kinderarzt beziehungsweise eine zweite Kinderärztin? Nun, wenn es nach Silvia und Michael Thiele aus Seesen geht, dann lautet die Antwort klar und eindeutig „Ja“. Auch wenn die Mitsprachemöglichkeiten denkbar eingeschränkt sind, einfach eine Entscheidung abwarten und aussitzen wollen die Eltern einer viereinhalbjährigen Tochter nicht. Sie haben daher eine Unterschriftenaktion gestartet. „Die Idee dazu entstand, nachdem wir erfahren hatten, dass es wohl eine Kinderärztin gibt, die gern in Seesen praktizieren würde, dies aber wohl am Veto der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) scheitert“, erklärt Silvia Thiele. Gemäß einer Umfrage bei den Kinderärzten in Seesen, Goslar und Osterode reichten die Kapazitäten für Kinder aus Seesen angeblich aus, hieß es da.

„Das Problem ist nur, dass es ja durchaus Eltern gibt, denen kein Auto zur Verfügung steht oder denen das nötige Kleingeld fehlt, um mit dem Taxi zu fahren, oder die vielleicht einfach nur gern die Möglichkeit hätten, zwischen zwei Ärzten am Wohnort frei wählen zu können“, so Silvia Thiele weiter.
Und was passiere, so fragt sie weiter, wenn der einzige Kinderarzt vor Ort, Detlef Langer, in einigen Jahren nicht mehr praktiziere. Habe man dann gar keinen Kinderarzt mehr in Seesen? Jetzt bestehe die Möglichkeit, einen weiteren Kinderarzt für Seesen zu gewinnen, und man sollte diese Chance nutzen.
„Als damals die Praxis von Frau Dr. Schlemminger ihre Türen schloss, ergab eine Nachfrage bei der Kassenärztlichen Vereinigung, dass man sich auf die Suche nach einem Nachfolger machen würde“, erinnerte sich Silvia Thiele. Die sei damals nicht erfolgreich gewesen. Umso weniger vertändlich sei es, dass man sich ausgerechnet jetzt gegen einen weiteren Kinderarzt sperre, wo es offenbar eine Interessentin gebe.
Für die Kinder könne es nur positiv sein, wenn sie bei Krankheit nicht stundenlang durch die Gegend kutschiert werden müssten. „Es soll hier bestimmt nicht darum gehen, Herrn Langer oder einen seiner Kollegen in seinen Kompetenzen in Frage zu stellen, sondern lediglich darum, dass die Kinder von einem zweiten Kinderarzt nur profitieren würden, beispielsweise zur Urlaubszeit“, betonte Silvia Thiele noch einmal ausdrücklich. Außerdem würde mit einem zweiten Kinderarzt die freie Arztwahl in Seesen definitiv gefördert. Genau diesen Wunsch der Eltern vor Ort wolle man mittels einer Unterschriftenliste an die Adresse der Kassenärztlichen Vereinigung aufzeigen und vor allem ins Bewusstsein bringen, dass die Möglichkeit besteht, wieder zwei Kinderärzte in Seesen zu haben. „Nackte Zahlen zu Kapazitäten sind schließlich nicht immer alles“, so die engagierte Seesenerin.
Allerdings: Die Zeit drängt ein wenig. Schon Ende des laufenden Monats März soll die Entscheidung fallen, ob die zweite Kinderärztin in Seesen dauerhaft praktizieren darf oder nicht. Silvia Thiele: „Wir denken, wenn der Kassenärztlichen Vereinigung ein paar Unterschriften dazu vorliegen, wird diese Entscheidung vielleicht nicht nur von Zahlen auf Papier abhängen, die von Ärzten, aber nicht von Eltern gemacht wurden, sondern vielleicht auch ein Stück von dem Wunsch der Eltern nach einem zweiten Kinderarzt“.
Nun hoffen Familie Thiele und weitere Mitstreiter(innen), dass die Seesener dieses Ansinnen mit ihrer Unterschrift unterstützen. Entsprechende Listen liegen in den Kindergärten im Stadtgebiet, in der Hebammenpraxisgemeinschaft „Der Bauchladen“ im Markthaus (Praxis Dr. Schneider), bei Ungers Spiel- und Lernparadies in der Bahnhofstraße, bei Holland-Blumen-Discount und auch im Rathaus der Stadt aus. Doch wie gesagt: Wer sich eintragen möchte, sollte sich sputen. Nur noch bis Ende kommender Woche, 27. März, liegen die Listen aus.