Urodynamische Untersuchung bei Blasenschwäche

Gynäkologin Britta Rethemeier und die medizinische Fachangestellte Cornelia Grüning-Paepke von der „Praxis für Frauen“. Die Praxis bietet seit diesem Jahr die urodynamische Untersuchung bei Blasenschwäche an.

Blasen- und Harnröhrendruckmessung ist seit Anfang des Jahres auch in der „Praxis für Frauen“ in Seesen möglich

„Bei der Blasenschwäche beziehungsweise Harninkontinenz“, so erklären der Seesener Frauenarzt Dr. Axel Schneider und die Gynäkologin Britta Rethemeier, handelt es sich um eine chronische Erkrankung, von der mehr als 13 Prozent der über 35-jährigen Frauen betroffen sind, wobei der Anteil der Erkrankten in höherem Alter zunimmt. Trotz ihrer hohen gesundheitspolitischen Bedeutung wird das Thema „Inkontinenz“ noch immer tabuisiert.
Die Harninkontinenz tritt mit unterschiedlichen Symptomen auf. Bei der Belastungsinkontinenz kommt es zu unwillkürlichem Urinabgang bei körperlicher Anstrengung, Husten, Niesen oder Lachen. Die überaktive Harnblase, früher oft auch Reizblase genannt, zeichnet sich durch einen schwer oder nicht unterdrückbaren Harndrang mit oder ohne Urinverlust aus. Häufig treten auch Mischformen auf. Die Erfassung der Symptome, so Britta Rethemeier, beginnen mit einer ausführlichen Anamnese, gefolgt von einer gynäkologischen Untersuchung und einem Ultraschall.
Dr. Axel Schneider: „Um das subjektiv geäußerte Beschwerdebild der Patientin objektiv zu erfassen, legen wir ein Protokoll an, welches die Häufigkeit und die Menge des Wasserlassens erfasst, sowie die Urinmengen und das Trinkverhalten über mehrere Tage unter häuslichen Bedingungen.“
Als erweiterte Diagnostik, besonders auch vor einer operativen Therapie, führt die Praxis für Frauen Dr. Schneider und Britta Rethemeier, seit Anfang des Jahres die urodynamische Untersuchung, das heißt eine Blasen- und Harnröhrendruckmessung, durch.
Es handelt sich hierbei um eine Funktionsdiagnostik von Harnröhre und Harnblase. „Diese wird im Allgemeinen sonst nur in größeren medizinischen Zentren durchgeführt“, berichten die beiden Fachärzte für Frauenheilkunde. Dabei werden Angaben des Gefühls der ersten Blasenfüllung, des normalen und starken Harndrangs erhoben. Es wird die Blasenkapazität gemessen, die Aktivität des Blasenmuskels und die Dehnbarkeit der Harnblase aufgezeichnet und die gemessenen Werte in Form von Kurvenverläufen an einen Computer übertragen und ausgewertet. Nur durch diese Untersuchung kann zum Beispiel bei einem Urinverlust bei Belastung eine Beteiligung des Blasenmuskels ausgeschlossen werden.
„Diese spezielle Untersuchung“, erklärt Britta Rethemeier, „nimmt etwas Zeit in Anspruch.“ Im Anschluss wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, bei der die Patientin am Monitor mitverfolgen kann, ob sie die Muskeln ihres Beckenbodens gut zusammenziehen kann.
Am Anfang der Therapie stehen in den meisten Fällen konservative Maßnahmen im Vordergrund. Dazu gehören Miktionstraining, (Toilettentraining), Physiotherapie unter Anleitung, gegebenenfalls intensiviert durch Biofeedback- und Elektrostimulationsgeräte, die zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur verordnet werden können. Zusätzlich erfolgt die lokale Oestrogenisierung der Scheide mittels Creme oder Ovula, wodurch bereits eine Verbesserung der Inkontinenz erzielt werden kann, sowie durch Medikamente, weiß Britta Rethemeier.
Letztendlich stehen minimal-invasive Eingriffe zur Verfügung, wenn nach konservativer Therapie das Leiden bestehen bleibt, zum Beispiel das Legen spannungsfreier Bänder unter die mittlere Harnröhre über verschiedene Zugangswege. Die genannten Ansätze zur Behandlung der Harninkontinenz ermöglichen gute Behandlungserfolge.
Da es sich – wie bereits erwähnt – um ein chronisches Leiden handelt, ist die enge Zusammenarbeit mit Urologen und Hausärzten von großer Bedeutung. Ziel der Diagnostik und der Therapie ist es, die Lebensqualität der Betroffenen mit Heil- und Hilfsmitteln zu verbessern und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben wieder zu ermöglichen.
Die beiden Frauenärzte berichten, dass betroffene Patientinnen oft jahrelang keine Freizeitaktivitäten wie zum Beispiel Kino, Theater oder Busreisen mehr planen. Die Vereinsamung, bedingt durch einen Rückzug aus dem Freundes- und Familienkreis muss Vermieden werden, wobei der individuelle Leidensdruck den Therapieumfang bestimmt.