ver.di warnt vor Lohnabbau

Ortsvereinsvorsitzender Gottschalk: Skandalöse Baustellen im Einzelhandel gibt es schon genug

Beschäftigte im Seesener Einzelhandel sind laut ver.di ob ihrer weiteren beruflichen Zukunft beunruhigt. Einige, so teilt Ortsvereins- vorstandsvorsitzender Charly Gottschalk jetzt dem „Beobachter“ mit, hätten über ihre Betriebsräte erfahren, dass ihre Arbeitgeber im Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) alle Entgelt- und Manteltarifverträge mit der Gewerkschaft ver.di gekündigt haben.
Eigentlich war für dieses Frühjahr die Lohn- und Gehaltsrunde zur Verhandlung vorgesehen. Ver.di verlangt einen Euro mehr in der Stunde. Charly Gottschalk: „Doch plötzlich stellen die Unternehmer auch wichtige Schutz- und Zuschlagsregelungen bei Mehrarbeit, Überstunden, Freistellungen und Urlaub weiter infrage“.
Das ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger bewertet dies als „Generalangriff, mit dem die Konzerne den Vernichtungswettbewerb im Handel auf Kosten des Personals verschärfen wollen“.
Der ver.di-Ortsvereinsvorstand sieht hier einen beabsichtigten Trend zu Lohndumping und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für 300.000 Beschäftigte allein in Niedersachsen.
In Seesen seien Beschäftigte bei Edeka, Netto, Penny, Rewe, Aldi und Marktkauf betroffen. Die Verträge sind zum 30. April gekündigt worden. Die gute Nachricht für ver.di-Mitglieder ist, so erläutert der Vorsitzende Charly Gottschalk, dass die bestehenden Tarifverträge über den 30. April hinaus Geltung haben.
Wer kein Mitglied ist, habe lediglich Anspruch auf die gesetzlichen Regelungen. Da gibt es zum Beispiel keine Zuschläge ab 18.30 Uhr und an Sonntagen. Der Urlaub beträgt vier statt sechs Wochen, pro Woche 48 Stunden Arbeit und eine 6-Tage statt 37,5 Stunden und eine 5-Tage-Woche. Einzige Alternative zum Erhalt der bisherigen Errungenschaften sei es, vor dem 30. April Mitglied bei ver.di zu werden.
Skandalöse Baustellen im Einzelhandel, so heißt es weiter, gebe es schon genug. Rund 300.000 Beschäftigte und damit 12 Prozent in Deutschland müssen dort schon für weniger als fünf Euro pro Stunde arbeiten, zum Leben für viele zu wenig. So zählen sie zum Vorteil der Unternehmen auf Kosten des Staates zu den sogenannten Aufstockern nach Hartz IV. Einige an Tarifverträge gebundene Betriebe beziehungsweise Konzerne hätten sogar einen besonderen Trick drauf: sie lagern laut ver.di originäre Handelstätigkeiten wie das Auffüllen der Regale an Fremdfirmen aus. Diese externen Kräfte arbeiten für einen Hungerlohn nach einem Billiglohntarifvertrag, den die Scheingewerkschaft DHV möglich gemacht hat. Dieser unterschreitet die normalen Tarifverträge um 45 %.
Der ver.di-Ortsverein Seesen will sich neben vielen anderen Ortsvereinen für die Beschäftigten im Einzelhandel stark machen. „Wir fragen uns immer wieder, warum die betroffenen Kolleginnen und Kollegen überhaupt noch zur Arbeit gehen, wenn sie nicht die Anerkennung für ihre Leistung erhalten, einen gerechten Lohn für gute Arbeit“, resümiert Charly Gottschalk.
Er ruft auf: „Macht euch stark mit uns in einer Gewerkschaft, damit wir den Druck gegenüber den Arbeitgebern für gute Arbeitsbedingungen erhöhen können!“ Wer noch Informationen haben möchte, denen bietet er einen vertraulichen Kontakt an, Telefon (05381) 5269.