Verfolgt, verhaftet, misshandelt, deportiert, ermordet...

Der Künstler Gunter Demnig verlegte die Stolpersteine. (Foto: Jung)
 
Fünf „Stolpersteine“ wurden in der Poststraße 4 verlegt. (Foto: Jung)

Weitere Stolpersteine erinnern an Opfer der Hitler-Schergen / Gymnasiasten verlesen Namen von 260 umgebrachten Schülerinnen und Schülern

Von Gerd Jung, Seesen
Sie wurden gedemütigt, entrechtet, verfolgt, verraten, verhaftet, misshandelt, deportiert, ermordet – die Rede ist von annähernd 30 Seesener Bürgerinnen und Bürgern sowie 260 Schülerinnen und Schülern der Jacobsonschule; Menschen, die Opfer nationalsozialistischer Gewalt wurden. Dass die Namen der Ermordeten nicht in Vergessenheit geraten, dafür engagiert sich seit November 2009 der Initiativkreis „Stolpersteine für Seesen“, der eine Aktion des Künstlers Gunter Demnig zum Anlass nahm, geeignete Aktivitäten für zusätzliche Stolpersteine in der Vorharzstadt freizusetzen. Demnig hatte bekanntlich im Juli 2006 in der Langen Straße/Ecke Poststraße den bis dato einzigen Stolperstein in der Vorharzstadt verlegt. Er erinnert an die 1909 geborene Liselotte Rosenbaum, die in Seesen wohnte und 1943 im Konzentrationslager Lublin ermordet wurde. Demnig hat seit Mitte der neunziger Jahre an 480 Orten in Deutschland und auch in Nachbarländern der Bundesrepublik „Mahnmale“ aus Messing ins Trottoir eingelassen. Der gebürtige Berliner wird für seine Stolperstein-Aktion am 3. Mai in New York mit dem Dr. Bernhard-Heller-Preis ausgezeichnet.
Am vergangen Freitag weilte der Künstler in Seesen und verlegte dank des Engagements des Initiavkreises um Oberstudiendirektor i. R. Rolf Ballof, Oberstudienrat i. R. Dr. Joachim Frassl und Propst Thomas Gleicher zwölf weitere Stolpersteine, die die Erinnerung an das Schicksal von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt wachhalten sollen.
Zur Verlegung der Steine konnte Rolf Ballof zahlreiche Mitstreiter(innen) des Inititiativkreises, Paten der Stolpersteine und interessierte Bürgerinnen und Bürger vor dem Grundstück Postraße 4 willkommen heißen. Hier setzte Gunter Demnig fünf Steine für die ums Leben gekommenen Seesener (innen) Max Bremer, Frieda Bremer, Ida Bloch, Selma Goldmann und Ida Paulina Prins. – In der mittleren Jacobsonstraße, und zwar in Höhe der Grenze der ehemaligen Jacobsonschule – verlegte Demnig mit Unterstützung des Baubetriebshofes sieben Stolpersteine. Sie erinnern an Elsa Gerson, Ernst Gerson, Max Gerson, Gotthold Herzberg, Julius Stern, Hanny Stern und Helene Winter.
Zur Erinnerung an die 260 umgebrachten Schülerinnen und Schüler der Jacobsonschule setzte Gunter Demnig vor dem Portal des Bürgerhauses eine Stolperschwelle – sie trägt folgende Aufschrift: „Hier lebten und lernten 260 Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 1850 bis 1924 - Sie wurden Opfer der Naziherrschaft 1933 - 1945 – Gedemütigt, entrechtet, verfolgt, verhaftet, misshandelt, deportiert, ermordet – Wir erinnern an sie in Trauer und widmen unser Bemühen der Menschlichkeit“
Anschließend wurde aller Ermordeten gedacht. Daran waren auch Oberschüler des Jacobson-Gymnasiums Seesen beteiligt. Sie verlasen die Namen der 260 ermordeten Schülerinnen und Schüler der Jacobsonschule und legten an der Stolperschwelle weiße Tulpen nieder. Das Gedenken schloss Harald Jüttner, Repräsentant der Jüdischen Gemeinde Göttingen, mit dem Kaddisch (Heiligungsgebet) ab.
Wer dem Initiativkreis „Stolpersteine für Seesen“ finanziell unter die Arme greifen möchte, kann sich mit Rolf Ballof, Telefon (0176) 48273567, Dr. Joachim Frassl, Telefon (05381) 5748, oder Propst Thomas Gleicher, Telefon (05381) 942920, in Verbindung setzen.
Spendenkonten: Propstei Seesen „Stolpersteine“, Voba Seesen, Bankleitzahl: 27893760, Konto: 1020946801. Propstei Seesen „Stolpersteine“, Braunschweigische Landessparkasse Seesen, Bankleitzahl: 25050000, Konto: 151604196.