Verkehrswacht erkundet die Sehenswürdigkeiten Thüringens

Von Saalfeld aus informative und erlebnisreiche Ausflüge unternommen

Lutter/Seesen/Langelsheim (Hü). „Thüringer Wald, wie bist du so schön …“ davon konnten sich die Mitglieder und Gäste der Verkehrswacht Seesen-Langelsheim-Lutter im Rahmen der jüngsten Studien- und Informationsreise überzeugen. Petrus meinte es zwar bei der Abfahrt nicht so gut, aber trotzdem wurde bei strömenden Regen eine Führung durch die herrliche Stadt Gotha unternommen, bei der den Vorharzern die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten wie beispielsweise das Tüngeda-Schloss, der Schlosspark, das Museum, der Hauptmarkt mit Rathaus und das Lucas-Cranach-Haus sachkundig näher gebracht wurden.
Danach ging es weiter bis nach Saalfeld, wo im Familien-Hotel Müller das Domizil aufgeschlagen wurde und die Reisenden bei der Ankunft mit einer Riesen-Thüringer Bratwurst und frisch Gezapftem begrüßt wurden.
Saalfeld strotzt nur so vor Bau- und Kunstdenkmälern, die man bei einem Gang durch die Altstadt erkunden kann. Besonders fallen da ins Auge das Renaissance-Rathaus aus dem Jahre 1517 und die Johanniskirche, die 1514 vollendet wurde und zu einer der schönsten und größten spätgotischen Hallenkirchen Thüringens gehört.
Am zweiten Tag wurde zunächst die 1910 entdeckte und 1914 dem staunenden Publikum präsentierte „Feengrotte“ besucht; als Reiseführer fungierte der heimatverbundene Hotel-Chef Müller. Die Besichtigung war ein besonderes Erlebnis, vor allem der Gang – dabei trugen alle Teilnehmer einen braunen Umhang – durch die teilweise engen und niedrigen Stollen. Aber auch der Märchendom mit Gralsburg, eine venezianische Grotte, ein Brunnentempel und nicht zuletzt die märchenhaft schöne Feengrotte zogen die Ausflügler in ihren Bann.
Weiter führte die Fahrt durch das 53 Kilometer lange wildromantische Schwarzatal am Nordrand des Thüringer Schiefergebirges. Aus diesem Tal stammt auch der Pädagoge Friedrich Fröbel, der durch seine Spiel- und Beschäftigungsanstalt den Namen „Kindergarten“ prägte. Das landschaftlich herrlich gelegene Schloss Schwarzburg war über mehrere Jahrhunderte Stammsitz der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt. Im Jahre 1919 unterzeichnete hier Friedrich Ebert die Verfassung der Weimarer Republik.
In Sitzendorf – Juwel im schönen Schwarzatal – wurde die Porzellan-Manufaktur besucht; vor Ort konnte man die Herstellung des Porzellans verfolgen und sehen, wie mit handwerklichem Geschick filigrane Figuren entstehen. Anschließend besichtigten die Harztouristen eine kleine Glasbläserei und unternahmen eine Fahrt mit der Oberweißbacher Bergbahn, die auch im Schwarzatal liegt. Sie führte auf der denkmalgeschützten 1,4 Kilometer langen Standseilbahn von Obstfelderschmiede nach Lichtenhain und musste dabei 323 Höhenmeter überwinden.
Am dritten Tag – diesmal bei Sonnenschein – führte die Fahrt nach Lauscha – die Glasbläserstadt im Thüringer Schiefergebirge zwischen Saalfeld und Sonneberg gelegen. Die Glashütte entstand nach 1597 durch die Glasmacher Hans Greiner und Christoph Müller. Seit 1854 werden nach alten Traditionen in einer modernen Glashütte Vasen, Weihnachtskugeln, Glastiere und andere Erzeugnisse hergestellt; der Großteil der Menschen lebt hier davon. Übrigens: 1835 wurde durch den Glasbläser Ludwig Müller-Uri das künstliche Auge, das als Prothese kaum mehr zu erkennen war, hergestellt. An diesem Tage erlebten die Reisenden noch eine besondere Attraktion, nämlich die „Stasi-Unterwelt“. Im Frauenwald gelegen, nahe des Rennsteigs, befindet sich der Eingang, zwei Minuten vom Waldhotel „Rennsteighöhe“ entfernt. Bis zur Wende existierte der Bunker offiziell nicht, selbst der Bau von 1973-1976 war so geheim, dass selbst in der nächsten Nachbarschaft niemand etwas bemerkte. Für die Besucher des Bunkermuseums offenbart sich in einer Führung ein Einblick in die jüngste Geschichte Ostdeutschlands. Im Ernst- beziehungsweise Kriegsfall sollte er der Bezirkseinsatzleitung Suhl dienen. Der Bunker verfügte über modernste Nachrichtentechnik, eigene Stromversorgung, Fernschreiber, mobile sowie stationäre Funktechnik und weitere diverse Kommunikations- und Lebenserhaltungseinrichtungen. Ein ausgefeiltes System lebenserhaltender Maßnahmen sicherte das Überleben für ein Jahr (im Atomkriegsfall jedoch für sechs bis acht Tage). Dies galt auch für den Einsatz chemischer Waffen. Nachdem man die aus dichtem Beton geschaffenen Schleusen durchgangen war, und alles durch eine gute Führung mit Interesse aufgenommen hatte, herrschte Stille und Dunkelheit, wenn die schwere Stahltür sich beim Verlassen schließt.
Am vierten Tag der Studienreise hieß es Abschied nehmen. Nach einem Kurzaufenthalt in Saalfeld, ging es weiter in Richtung Kyffhäusergebirge im Norden Thüringens, wo in Bad Frankenhausen das „Panorama Museum“ besichtigt wurde.
Werner Tüpke, Kunstprofessor, der das Bauernkriegspanorama von 1976 bis 1987 zum Gedenken an den Deutschen Bauernkrieg und den Bauernführer Thomas Müntzer (einstiger Weggefährte von Martin Luther), erschuf, gab ihm den Titel „Frühbürgerliche Revolution Deutschland“. Mit einer Fläche von 1722 Quadratmetern zählt es zu den größten Tafelbildern der Welt. Die Leinwand (und damit das Bild selbst) ist 123 lang und 14 Meter hoch und zeigt mehr als 3000 einzelne Figuren. Tüpke schuf damit das Abbild einer ganzen Epoche (Welttheater). Das Panorama bildet nicht nur die Schlacht von Frankenhausen, sondern zeigt auch biblische Themen auf.
Und so endete eine wunderschöne Reise, und bevor der Bus die heimatlichen Gefilde erreicht hatte, bedankte sich die Busgesellschaft mit sehr viel Beifall bei dem Stellvertretenden Vorsitzenden Otto Ehli und dessen Frau Lisa, die diese Fahrt bis ins kleinste Detail bestens organisiert hatten.