Viel Lob fürs ehrenamtliche Engagement

Unter den rund 60 Bürgerinnen und Bürgern aus dem gesamten Bundesgebiet, die Bundespräsident Joachim Gauck eingeladen hatte und mit Lebensgefährtin Daniela Schadt begrüßte, gehörte auch der Seesener Hans-Werner Ohlsen (Mitte).

Aber auch von „erschreckender Gleichgültigkeit“ war beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten die Rede

„Wir werden in Zukunft noch mehr Bürgerinnen und Bürger brauchen, die sich freiwillig für andere einsetzen. Und das nicht zuletzt auch, weil der Staat an finanzielle Grenzen stößt“. Das machte am Donnerstag vergangener Woche Bundespräsident Joachim Gauck im Rahmen des traditionellen Neujahrsempfangs im Berliner Schloss Bellevue deutlich – im Rahmen eines Empfangs, zu dem er und seine Lebensgefährtin, Daniela Schadt, unter anderem nahezu das gesamte Bundeskabinett der großen Koalition willkommen heißen konnte.

Angeführt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die es sich trotz ihrer Beckenverletzung, die sie sich bekanntlich wenige Tage zuvor bei einem Skiunfall zugezogen hatte, nicht hatte nehmen lassen, dem Staatsoberhaupt ebenfalls ihre Reverenz zu erweisen. Und die sich über die Genesungswünsche von Joachim Gauck und Daniela Schadt sichtlich freute.
Neben den Repräsentanten des öffentlichen Lebens – die Bandbreite erstreckte sich von den Vertretern der Bundeshauptstadt und der Länder (für Niedersachsen war SPD-Ministerpräsident Stephan Weil, zugleich amtierender Präsident des Bundesrates, an die Spree geeilt) bis hin zu denen zahlreicher Spitzenverbände und internationaler Institutionen – hatte Gauck rund 60 Bürger aus allen Bundesländern eingeladen. Menschen, die sich „um das Gemeinwohl besonders verdient gemacht hatten“, und zu denen auch drei Bürger aus Niedersachsen zählten: Ursula Hark-Sommer aus Lilienthal, Dr. Claus Homann aus Celle, und schließlich Hans-Werner Ohlsen aus Seesen.
Seit 1986 Vorsitzender des Vorstandes der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen, würden „er und sein Verein das Ziel verfolgen, Menschen mit Behinderung qualifiziert und fachkundig zu begleiten und eine gleichberechtigte Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen“, hieß es in der Begründung, die während des vormittäglichen Begrüßungsdefilees verlesen wurde.
Ohlsen nun überbrachte dem Bundespräsidenten und der „First Lady“ die Grüße der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ sowie die von den Mitarbeitern in den unterschiedlichen Einrichtungen betreuten 950 Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen und gratulierte („wenngleich etwas verspätet“) Daniela Schadt zu deren Geburtstag am 3. Januar; der Bundespräsident wiederum dankte Hans-Werner Ohlsen und der „Lebenshilfe“ dafür, sich seit Jahren und Jahrzehnten schon für die berechtigten Belange von Menschen mit Beeinträchtigungen einzusetzen, und dafür stark zu machen, dass „jeder geistig behinderte Mensch so selbstständig wie möglich leben kann, und dass ihm so viel Schutz und Hilfe zuteil werde, wie er für sich braucht“.
Noch vor dem gemeinsamen Mittagessen, mit dem der Schlussstrich unter den Neujahrsempfang gezogen wurde, hatte sich der Bundespräsident an seine Gäste gewandt und dabei verständlicherweise das ehrenamtliche Engagement in den Mittelpunkt seiner Ausführungen gerückt. Anhand einer Reihe von Beispielen zeigte er auf, dass es „in Deutschland zwar viel ermutigendes Engagement, aber auch erschreckende Gleichgültigkeit geben würde“. Wo diese „erschreckende Gleichgültigkeit“ herrsche, sei nach seinen Worten ein gutes und vielfältiges Leben kaum möglich; könne die Demokratie, die doch vom Gemeinsinn lebe, nicht gedeihen.
„Deshalb“, so Gauck weiter, „freue ich mich, in einem Land leben zu dürfen, in dem es Menschen wie Sie gibt. Menschen, die Sandsäcke schleppen, wenn Schwarze Elster, Elbe oder Donau über die Ufer treten, in dem Rentnerinnen jungen Einwanderern Sprachunterricht geben und bei den Hausaufgaben helfen, und in dem Berufstätige ehrenamtlich alte Menschen betreuen und Seniorenkreise ins Leben rufen“.
Übrigens: Auch Hans-Werner Ohlsen hatte die Zeit zwischen Defilee und Mittagessen zu einer Schlossbesichtigung der besonderen Art genutzt. Und zu dem einen oder anderen kleinen Plausch. So unter anderem mit dem ehemaligen Niedersächsischen Wirtschaftsminister und derzeitigen Präsidenten der Deutschen UNESCO-Kommission, Walter Hirche, der neuen Bundesvorsitzenden der „Lebenshilfe“, Ulla Schmidt, der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Petra Pau, sowie mit dem Bundespräsidenten – und das op Platt.