Viele Räder sind nicht ausreichend gesichert

Ein gutes Schloss kann schon viel bewirken. Vor allem Gelegenheitsdiebe haben bei hochwertigen Sicherungssystemen keine Chance. Den neusten Schlössern kann auch „Eisspray“ nichts mehr anhaben. (Foto: Strache)

Im Jahr 2011 kam es im Bereich der Polizei Goslar zu 252 Raddiebstählen / 100 Räder waren nicht angeschlossen

Von Maximilian Strache
Goslar / Osterode

Bundesweit berichten polizeiliche Statistiken von einer Zunahme bei Fahrraddiebstählen. Besonders besorgniserregend ist nach Angaben der Ermittler der hohe Grad der Professionalisierung, mit der die Diebe ans Werk gehen. Inzwischen sollen sich vermehrt Banden gebildet haben, die es auf hochwertige Drahtesel abgesehen haben und sich auch von vermeintlich sicheren Fahrradschlössern nicht abschrecken lassen. So berichtet es „Der Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe.
Für Niedersachsen weist die Statistik über Fahrraddiebstähle indes einen Rückgang aus. Daten der niedersächsischen Polizei belegen, dass die aktuellen Diebstähle weit hinter den Zahlen der Jahre 2002 und 2003 liegen. Damals wurden jährlich über 60.000 Räder als gestohlen gemeldet. Im vergangenen Jahr wurden in Niedersachsen insgesamt 41.476 Fahrräder gestohlen.
Im Bereich der Polizeiinspektion Goslar stiegen die Diebstähle an. 2011 waren es 252. Im Jahr 2010 wurden laut vorliegenden Daten 188 Fahrräder gestohlen. Im Gebiet der Polizeiinspektion Northeim/Osterode regis­trierten die Ermittler 250 Diebstähle. 69 entfallen dabei in den Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats Osterode.
Sascha Göritz, Pressesprecher der Polizeiinspektion Goslar, sagt, dass ein Großteil der Diebstähle verhindert werden könnte, und die Geschädigten mit einfachsten Mitteln helfen könnten, die zum Erfolg der Ermittlungen beitragen. Vor große Schwierigkeiten stellt die Beamten bei der Fahndung immer wieder die Tatsache, dass sie meist gar nicht wissen, wie das gesuchte Fahrrad eigentlich aussieht. Meist müssten sie sich auf unzureichende Beschreibungen der Eigentümer verlassen, und hätten so nur geringe Chancen das gestohlene Fahrrad und den Täter ausfindig zu machen. „Wir raten allen Radfahrern dazu, ihr Fahrrad zu fotografieren und es codieren zu lassen. Diese Informationen werden dann in einem Fahrradpass zusammengefasst“, erläutert Göritz.
Besonders schlechte Karten haben Diebstahlopfer, die ihr Fahrrad nicht ausreichend oder gar nicht gesichert haben. Zum einen zahlt die Versicherung in der Regel keinen Cent, und die Aussichten einer erfolg­rei­chen Ermittlung tendieren gegen Null. Im vergangenen Jahr waren 100 Fahrräder, die gestohlen wurden, nicht gesichert. „Da sind die Fahrradhalter dann auch selber schuld“, sagt der Pressesprecher. Deshalb weist die Polizei auch immer wieder darauf hin, Fahrräder auch auf dem eigenen Grundstück mit geeigneten und hochwertigen Schlössern zu sichern.
Bei der Wertigkeit der geklauten Fahrräder können die Ermittler der Goslarer Polizei übrigens keine Trends festmachen. „Das reicht vom Rad aus dem Baumarkt bis hin zu edlen Mountain-Bikes“, sagt Göritz.

Fahrradpass als Smartphone-App
Ein polizeilicher Fahrradpass, in dem neben Rahmennummer und Codierung auch Name und Anschrift des Radbesitzers vermerkt sind, hilft dabei, gestohlene Räder zweifelsfrei zu identifizieren, den Täter zu überführen und den rechtmäßigen Eigentümer ausfindig zu machen. Darüber hinaus gehört ein Foto des Fahrrads dazu. Der vollständig ausgefüllte Pass sollte sicher aufbewahrt werden. Neben der klassischen Printversion gibt es den Fahrradpass jetzt auch als kostenlose App für iPhones und Android-Smartphones. Mit der praktischen App lassen sich alle wichtigen Merkmale eines Fahrrades bequem und schnell verwalten und im Falle eines Diebstahls elektronisch schnell an Polizei und Versicherung weiterleiten. Alle erfassten Daten können entweder ausgedruckt, per Mail im Textformat oder als PDF-Anhang verschickt werden. Auch die Angaben mehrerer Räder lassen sich über die App speichern. Die App gibt es beispielsweise im i-tunes-Store unter dem Namen „Fahrradpass“. Ein sicheres Schloss ersetzt aber auch die App in keinem Fall.