„Vieles hat sich in die richtige Richtung entwickelt!“

Am 11. September 2011 wurde Erik Homann – hier im Bild mit Ehefrau Christiane sowie dem CDU/FDP-Fraktionsvorsitzenden Rudolf Götz und der Stadtverbandsvorsitzenden Christiane Raczek– zum Bürgermeister Seesens gewählt. Am 1. November begann seine Amtszeit; ein Jahr später zieht er im „Beobachter“-Interview eine Bilanz über die ersten zwölf Monate.

Bürgermeister Erik Homann zieht ein Jahr nach Amtsantritt im „Beobachter“-Interview eine positive Bilanz

Am 1. November 2011 hat Erik Homann das Amt des Bürgermeisters der Stadt Seesen angetreten, nachdem er zuvor am 11. September mit überwältigender Mehrheit von den Seesenern gewählt wurde. Ein Jahr danach zieht der Verwaltungschef im „Beobachter“-Interview Bilanz.

Herr Homann, wie fällt ihre Bilanz nach zwölf Monaten als Bürgermeister in Seesen aus?

Erik Homann: Ich ziehe eine positive Bilanz. Vieles hat sich in die richtige Richtung entwickelt, damit meine ich zum Beispiel den Ausbau und Verbesserungen bei der Familienfreundlichkeit. Hier konnte ich auf die gute Arbeit meines Amtsvorgängers Hubert Jahns aufbauen. Das lässt sich am Beispiel der Ganztagsschule konkretisieren, wo die Stadt Seesen die Kosten übernommen und damit die sächlichen Voraussetzungen geschaffen hat. Wir haben die Schulhöfe attraktiver gestaltet, neue Geräte angeschafft und haben versucht die Wünsche des Kollegiums zu einem Großteil zu erfüllen. Die Seesener Grundschulen können sich sehen lassen.

Neben der Familienfreundlichkeit galt ihr Hauptaugenmerk der Wirtschaftsförderung in Seesen. Was hat sich da getan?


Erik Homann: In diesem Bereich wurden zunächst hausintern die Weichen gestellt. Die Verwaltung ist im Bereich der Wirtschaftsförderung nun sehr gut aufgestellt. Wir haben zwei Vollzeitkräfte, die sich ausschließlich um diesen Bereich kümmern. Die geplante Veränderung des Einzelhandelskonzepts wird dazu führen, dass wir keine weiteren Geschäftsaufgaben zu befürchten haben. Die Entscheidung für ein neues Einzelhandelskonzept war richtig. Dadurch sind wir flexibler und können nun Geschäfte wie „jeans fritz“, die wir sonst verloren hätten, auch Flächen an der Braunschweiger Straße anbieten.

Das neue Einzelhandelskonzept wurde durchaus auch kritisch gesehen und im Rat ebenso diskutiert. Wie empfinden Sie eigentlich das Klima im neuen Seesener Stadtrat?


Erik Homann: Ich habe grundsätzlich den Eindruck, dass das Klima im Rat gut ist und wir konstruktiv zusammenarbeiten. Meinungsverschiedenheiten, wie sie bei der Frage um die Förderung beim Meinecke-Komplex aufkamen, hat es natürlich auch gegeben. Es gab also auch schwierige Strecken, die wir nun hinter uns gebracht haben. Aber auch da hat es nicht den ganz großen Knall gegeben. Ich finde es zum Beispiel gut, dass wir uns auch außerhalb der Ratssitzungen austauschen und möchte das auch weiter beleben.

Sie hatten angekündigt, sich auch in die Politik auf den Dörfern stärker einzubringen, die Ortsräte zu stärken und ihre Bedeutung hervorzuheben. Haben Sie dieses Vorhaben bereits umgesetzt?


Erik Homann: Da muss ich gestehen, dass ich da noch nicht so weit gekommen bin, wie ich das versprochen habe. Viele Aufgaben standen nach der Amtsübernahme an, zudem musste ich den Spagat zwischen Beruf und Familie finden, insbesondere wegen der Geburt unseres Sohnes. In den ersten Wochen habe ich natürlich versucht, neben der Arbeit auch für meine Familie da sein zu können und habe daher einige Termine mangels Zeit nicht wahrnehmen können. Es gilt jedoch: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben und ich werde mich auch um die Stadtteile kümmern. Und bereits am Mittwoch werde ich dem Ortsrat in Ildehausen einen Besuch abstatten.

Ein Jahr Bürgermeister in Seesen. Bislang haben Sie von Erfolgen gesprochen, gab es auch Enttäuschungen?


Erik Homann: Leider ja! Eine geplante Gewerbeansiedlung auf die wir uns vorbereitet hatten und die dann geplatzt ist, war eine große Enttäuschung für mich, und für alle die daran gearbeitet hatten. Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, und es schien tatsächlich zu klappen, dass wir ein großes Unternehmen mit vielen Arbeitsplätzen nach Seesen bekommen könnten. Leider ist das Projekt gescheitert, da sich das Unternehmen aus Kostengründen generell zurückgezogen hat. Aber wir bleiben dran...

Und was nehmen Sie als positive Überraschung aus den ersten 365 Tagen Amtszeit mit?


Erik Homann: Sicherlich die gute Zusammenarbeit mit den Fraktionen insgesamt, weil alle gewillt sind, gemeinsam die Stadt voranzubringen, auch neue Parteien wie die Grünen und die Linke bringen frische Ideen mit. Manche dieser Ideen wären von den etablierten Parteien so vielleicht gar nicht gekommen.

Ein Problem mit dem viele Kommunen zu kämpfen haben ist der demographische Wandel und die Frage, wie dem zu begegnen ist...


Erik Homann: Es gibt keinen Zauberspruch, um den demographischen Wandel zu stoppen. Wir versuchen mit vielen kleinen Maßnahmen, die Stadt attraktiv zu gestalten. Wenn wir massiv weiter Einwohner verlieren, müssen wir uns eben noch intensiver um mögliche Fusionspartner bemühen. Wir als Stadt werden abwarten, ob es wirklich so schlimm kommt, wie derzeit von Experten prognostiziert wird. Derzeit liegen wir noch ganz knapp über der 20.000-Einwohner-Grenze.

Sie haben die Fusion angesprochen. Wer kommt denn als Partner überhaupt in Frage?


Erik Homann: Für eine Fusion brauchen wir einen geeigneten Partner. Daher müssen wir uns in alle Richtungen umschauen. Es muss beide Seiten weiterbringen. Kurzzeitig entstand die Idee, gemeinsam mit Lutter und Langelsheim über eine Fusion zu sprechen. In Langelsheim hat sich der Rat aber dagegen ausgesprochen. Nun müssen wir abwarten, wie es nach der Landtagswahl weitergeht. Ich bin da offen, werde auch mit Bad Gandersheim und Bockenem weitere Gespräche führen, wenngleich allein schon wegen der unterschiedlichen Landkreise weitere Hürden zu überspringen wären. Wir sind aber, Gott sei Dank, nicht in der Situation, dass uns das Wasser bis zum Hals steht. Wir können frei entscheiden, und wenn wir unter dem Strich sagen, die Bürger der Stadt Seesen haben etwas davon, dann fände ich das eine attraktive Entwicklung.

Gegenüber anderen Kommunen wie das von Ihnen angesprochene Bad Gandersheim steht Seesen beim Haushalt noch gut da. Nun gab es aber auch in Seesen Einbrüche im Bereich der Gewerbesteuer. Was bedeutet das für die Zukunft?


Erik Homann: Die Rahmenbedingungen werden immer schwieriger, auch weil wir uns Dinge wie die Stadtsanierung, den Krippenausbau und der Ganztagsschule zum Teil leisten mussten. Das sind zusätzliche Angebote, die Geld kosten, denen gegenüber weniger Einnahmen stehen. Also müssen wir auch einsparen in Bereichen, die zwar schön sind, aber nicht unbedingt oberste Priorität haben. Sinnvoll halte ich hingegen beispielsweise in den Standort zu investieren, beispielsweise in ein attraktives Gewerbegebiet.

Haben Sie da schon konkrete Ideen?


Erik Homann: Ich würde mir wünschen, dass wir unsere gute Lage in der Nähe der Autobahn noch stärker ausnutzen. Da bieten sich zwei Bereiche an, nämlich in Rhüden oder in Seesen am Autobahnzubringer. Aber dafür brauchen wir eben Geld, um das zu entwickeln. Trotzdem sehe ich hier Potenzial.

Demographischer Wandel, Fusionspläne, die wegen der Landtagswahlen auf Eis liegen, immer wieder Ärger um den Meinecke-Neubau. Herr Homann, gehen Sie eigentlich jeden Tag gern zur Arbeit?


Erik Homann: Ja, ich gehe sehr gern zur Arbeit. Zunächst einmal empfinde ich das Arbeitsklima als angenehm. Und Probleme müssen konstruktiv gelöst werden. In der Verwaltung haben sich viele Veränderungen ergeben. Es hatte damit zu tun, dass beispielsweise unser Kämmerer Rolf Spötter in Ruhestand gegangen ist und es den ehemaligen Pos­ten des 1. Stadtrates nicht mehr gibt. Wir haben uns neu aufstellen müssen, das hat nun stattgefunden. Und es ist schön zu erleben, dass das gut funktioniert. Mit den Fachbereichsleitern pflegen wir zudem ein kollegiales Miteinander. Der Job macht mir Spaß.

Sie sind vor fünf Jahren als 1. Stadtrat in die Stadt gekommen. Fühlen Sie sich eigentlich mittlerweile als ein echter Seesener?

Erik Homann: Eindeutig ja! Wir haben uns ein Haus gekauft und saniert, unsere Kinder sind hier zuhause, sie gehen hier in die Schule oder in den Kindergarten. Wir fühlen uns in Seesen wohl. Meine Frau Christiane arbeitet in Seesen und engagiert sich privat im Kindergartenförderverein. Wir haben einfach das Gefühl „angekommen zu sein!“


Das Interview mit Bürgermeister Erik Homann führte Beobachter-Redaktionsleiter Ulrich Kiehne.