VIVA VOCE beim Seesener Kulturforum

Das Seesener Kulturforum hatte wieder einmal a cappella-Gesang auf die Aula-Bühne im Schulzentrum geholt: Mit dem Quintett von „VIVA VOCE“ gab es erneut ein Highlight im Jubiläumsjahr der Kulturinitiative zu genießen.

„Ego“ heißt die Gesangsshow mit fünf Egos also, die sich sehr individuell präsentieren. Das Publikum scheint begeistert zu sein, denn schon nach David Lugerts Arienstart mit „La donna é mobile“ in Verdi-Gewand und schwarzem Anzug fliegt die erste Blume (Gerbera, weinrot) auf die Bühne.
Später eilen die fünf Jungs von der Bühne, begrüßen Marie-Luise und Joachim in der ersten Reihe. Man stellt sich vor. Small Talk. Die Presse bekommt alles hautnah aus nächster Nähe mit. Da sind neben Daniel noch Heiko Benjes (der voluminöseste und tiefste Bass), Jörg Schwartzmanns (neben seiner Stimme das lebende Schlagzeug), Bastian Hupfer (der Tänzer) und Mateusz Phouthavong (soft & soul). Verschiedenste Stile vermischen sich. Die Gruppe nennt das „vox pop“.

Die Vokalisten sind fünf Egos, aber ein stimmiger Gesamtkörper in großer Ausdrucksbreite, zwischen Gesang, Klang, Tanz, Performance, Spiel, Parodie: Ein Gesangsorchester mit mundgemachter rhythm section, ergänzt durch Beni und Paul an der Licht- und Tontechnik hinten im Saal.

„Wir wollen größer“ titelt VIVA VOCE in musikalischer Kettung weiterer Comparative. „Ein Hoch auf uns“ tönt der Tenor am Ende eines Radio-Wurm-Medleys. Der Titel „Marseille“ sei „am Ende der Welt“ vor Ort entstanden. Melancholisches Ende mit softem Schlussakkord. „Mc Schuhbeck“ ist ein böser Weg zwischen „Fastfood und Babylon“. Irgendwann wird dann „O sole mio“ kontrastierend mit „Kiss Me“ Rock´n Rollend verschmolzen (David contra Heiko), während die background boys „Mandolinen“-Begleitung zaubern und mit den Mikrophonständern ihre Gondeln rudern. Ein weiteres Highlight vor der Pause ist eine wunderbare Max-Raabe-Parodie des VIVA VOCE-Tenors („Wo ist das Geld, wenn es überall fehlt?“).

Der zweite Teil des Abends bringt spukhafte Hinterkopf-Larven in Leuchtorange („Masken im Gesicht“) und nimmt bei „Komm ans Licht“ auch Bertold Brecht beim Wort. Die Rückblenden auf die Anfangszeiten der ehemaligen Boy Group aus dem Windsbacher Knabenchor sind teilweise „echt“ a capella und kirchlich („Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth“) oder, back to the roots, im Stile der Comedian Harmonists („Wochenend und Sonnenschein“). In ihrem letzten Titel („United States of Eurasia“) beschwören die fünf Egos nicht nur die eigene Gemeinsamkeit sondern auch die Hoffnung auf inter-kontinentalen Frieden.

Das Publikum beim Seesener Kulturforum ist begeistert, wird mit Zugaben beschenkt und zum „Cantare“ aufgefordert. Damit nicht genug: Im Foyer der Aula extemporieren die Sänger dem Rest-Publikum mit „Ja, Schatz!“ eine Bodo-Wartke-Nummer, auf die sich – original – das Publikum in Seesen im Februar 2017 freuen darf. Glücklich, wer vor Zeiten noch eine allerletzte Eintrittskarte ergattert hat.

Dr. Joachim Frassl