Volksbank-Fusion unter Dach und Fach

Klares Abstimmungsergebnis: 167 von 168 Vertretern der Volksbank eG in Seesen votierten für die Verschmelzung mit der Volksbank Einbeck eG.
 
Ewald Dobler (Mitte) und Werner Wolf (links) schieden altersbedingt aus dem Aufsichtsrat aus.

Nach Einbeck nun auch in Seesen überwältigendes Positiv-Votum bei Vertreterversammlung / Bilanz und Abschied

Ein besserer Start in eine gemeinsame Zukunft lässt sich wohl kaum denken. Nachdem bereits am Dienstag die Vertreterversammlung der Volksbank Einbeck eG einstimmig für eine Verschmelzung mit der Volksbank eG in Alfeld, Bad Gandersheim, Bockenem, Langelsheim und Seesen grünes Licht gegeben hatte (der „Beobachter“ berichtete), wurde am Mittwochabend bei der Abstimmung der Vertreter in Seesen die Fusion endgültig unter Dach und Fach gebracht.

Von den 168 anwesenden Stimmberechtigten votierten 167 mit Ja. Ein absolutes Traumergebnis scheiterte nur an einer einzigen Gegenstimme.
Die neue Bank wird „Volksbank eG“ heißen und rund 38.700 Mitglieder, 72.500 Kunden, 316 Mitarbeiter und 35 Auszubildende haben; die Gesamtbilanzsumme beläuft sich auf 923 Millionen Euro. Zahlen, die Vorstandsmitglied Wolfgang Keunecke im Verlauf der Vertreterversammlung im Hotel Wilhelmsbad vortrug. „Es verschmelzen zwei starke Volksbanken, die ein überdurchschnittliches Eigenkapital aufweisen, bei guter Ertragssituation“, so Keunecke weiter. Durch die Verschmelzung sei es möglich, die Philosophie der Präsenz in der Fläche langfristig fortzuführen. Das sei unter Beteiligung einer Kreisstadt oder in einer Kombination nicht möglich. Außerdem biete sich im Rahmen einer zukunftsorientierten Geschäftspolitik damit eine Lösung an, die der gesamten Wirtschaftsregion eine leistungsstarke, mittelstandsorientierte und eigenständige Volksbank beschere. „So können wir die Bank wetterfest machen gegen die Stürme der Zukunft“, betonte Wolfgang Keunecke.
Zu Beginn der Zusammenkunft hatte Aufsichtsratsvorsitzender Ewald Dobler die Vertreter und Gäste sowie besonders die Mitglieder des Aufsichtsrates und des Vorstandes der Volksbank Einbeck eG willkommen geheißen. Anschließend dankte Vorstand Jörg Hahne den Vertretern: „Wir sehen an Ihrem Kommen, mit welch großem Engagement und Interesse Sie Ihr Amt ausüben”. Nach einem kurzen Film, der die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2013 aus Politik, Wirtschaft und Kultur zusammenfasste, sprach Hahne über die Bedingungen, die den Rahmen für die wirtschaftlichen Zahlen der Volksbank eG im letzten Jahr stellten. Trotz des deutlich verlangsamten Wirtschaftswachstums habe es eine erfolgreiche geschäftliche Entwicklung gegeben. Er berichtete, dass die Belastung durch die Bankenregulierung gestiegen sei. „Und das, obwohl wir die Finanzkrise nicht verursacht haben“, so Jörg Hahne, „sondern vielmehr mit einem verlässlichen Geschäftsmodell in der Region fest verwurzelt sind“. Auch auf die gelungenen Feierlichkeiten anlässlich des 150-jährigen Jubiläums blickte er zurück. Als besonderes Geburtstagsgeschenk habe die Volksbank eG die „Mehr Werte für Menschen-Stiftung der Volksbank eG in Seesen“ gegründet. Durch sie sollen Projekte, Vorhaben und Menschen in der Region gefördert werden. Weitere Aktivitäten waren mehrere Baumpflanzaktionen sowie die Reinertragsübergabe. Die Volksbank eG habe insgesamt 68 Kinder- und Jugendfeuerwehren mit einem Betrag in Höhe von 13.600 Euro unterstützt.
Die Bilanzzahlen des vergangenen Geschäftsjahrs hielt im Anschluss Vorstandsmitglied Dieter Brinkmann parat. Nicht jedoch, ohne vorher die soziale Verantwortung zu betonen, die einen zentralen Punkt in der Vision der Volksbank eG darstelle. Die Unterstützung der regionalen Schulen und Kindergärten, von Jugendfeuerwehren und Sportvereinen, sozialen, karitativen und kirchlichen Einrichtungen, musikalischen und kulturellen Veranstaltungen erfolge durch die Reinerträge aus dem VR-Gewinnsparen, den genossenschaftlichen Stiftungen und natürlich durch direkte Spenden der Volksbank eG. „Wir wissen, dass viele Vereine und Einrichtungen nur mit großem ehrenamtlichen Engagement aufrecht erhalten werden können und dass unsere Region ohne dieses Engagement ein großes Stück ärmer wäre“, berichtete Brinkmann.
Mit dem Verlauf des Geschäftsjahres 2013 zeigte er sich zufrieden. Bei der Bilanzposition „Forderungen an Kunden“ konnte ein Zuwachs von über 13,5 Millionen Euro verzeichnet werden. Neugeschäfte wurden in Höhe von etwa 42 Millionen Euro abgeschlossen. Die Schwerpunkte hätten in den Bereichen Gebrauchtimmobilien, Modernisierung/Renovierung, Photovoltaik und energiesparenden Maßnahmen gelegen. Bei den Kundeneinlagen – „dem Öl der Bank“ – einschließlich der Inhaberschuldverschreibungen konnte ein Anstieg um etwa 6,5 Millionen Euro oder 1,5 Prozent verzeichnet werden.
„Das bei uns und über uns angelegte Vermögen unserer Mitglieder und Kunden hat nun – nimmt man die Einlagen, Guthaben und Rückkaufswerte innerhalb und außerhalb unserer Bilanz zusammen – 799 Millionen Euro erreicht“, sagte Brinkmann weiter und sprach von einer beachtlichen Größenordnung. Die Bilanzsumme wies einen Betrag von 579 Millionen Euro aus. Die Ergebnissituation bezeichnete er als stabil. Das Zinsergebnis habe auch im Geschäftsjahr 2013 unter dem Einfluss des anhaltend niedrigen Zinsniveaus gestanden. Durch die erfreuliche Ausweitung des Kreditgeschäftes hätten die Zinserträge stabil gehalten werden können. Im Wertpapiergeschäft sei ein leichter Rückgang zu registrieren, der aus der Finanz- und Staatenkrise resultiere. Insgesamt generierte die Volksbank eG einen Bilanzgewinn 2013 in Höhe von 1.049.183,26 Euro.
Besondere Aufmerksamkeit widmete Dieter Brinkmann der Eigenkapitalausstattung der Volksbank eG. Sie werde künftig mit Blick auf steigende Anforderungen für die geschäftlichen Aktivitäten noch wichtiger sein. Brinkmann: „Wir stehen wie ein Fels in der Brandung. Diese Stärke ist unsere gemeinsame Stärke.“
Die Versammlung folgte dem Vorschlag von Aufsichtsrat und Vorstand, aus dem Bilanzgewinn 580.000 Euro in die Rücklagen einzustellen. Jeweils 290.000 Euro sollen in die gesetzliche Rücklage und in andere Ergebnisrücklagen fließen. Außerdem wird den Mitgliedern eine sechsprozentige Dividende auf die Geschäftsguthaben gezahlt. In der Summe macht dies 450.606,70 Euro.
Nach der einstimmig erfolgten Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat standen Wahlen zum Aufsichtsrat auf der Tagesordnung. Rüdiger Berkhan und Dr. Elmar Böhm schieden mit dieser Vertreterversammlung turnusgemäß aus dem Aufsichtsrat aus. Entsprechend der Satzung war eine Wiederwahl zulässig und so werden beide auch künftig dem Gremium angehören. Weiterhin erfolgte eine Nachwahl für den Bereich Alfeld, da Ewald Dobler und Werner Wolf nach fast 25-jähriger Aufsichtsratstätigkeit altersbedingt ausschieden (siehe Foto und Bericht unten). Norbert Luther ist nun für die Region Alfeld im Aufsichtsrat.

Nach fast 25 Jahren: Abschied vom Aufsichtsrat

Mit Erreichen der Altersgrenze schieden Ewald Dobler (Mitte) und Werner Wolf (links) aus dem Aufsichtsrat der Volksbank eG aus. Der Wirtschaftsprüfer und Abteilungsleiter des Genossenschaftsverbandes Frankfurt, Marco Schulz (rechts), überreichte ihnen für jeweils fast 25-jährige Tätigkeit die silberne Ehrennadel des Genossenschaftsverbandes Frankfurt sowie eine Ehrenurkunde. Schulz dankte den scheidenden Aufsichtsräten für ihr ehrenamtliches Engagement, wodurch sich die Genossenschaftsorganisation auszeichne und bescheinigte den scheidenden Aufsichtsräten, ein sehr gut bestelltes Haus zu verlassen. Werner Wolf wurde am 19. März 1990 in den Aufsichtsrat der ursprünglich selbstständigen Volksbank Alfeld gewählt. Nach der Verschmelzung mit der Volksbank eG Seesen war er Mitglied im Prüfungsausschuss sowie persönlicher Stellvertreter von Ewald Dobler im Hauptausschuss. Ferner war Wolf Mitglied des Kreditausschusses und Schriftführer. Aufsichtsratsvorsitzender Ewald Dobler würdigte die langjährige Tätigkeit für die Volksbank eG, dankte Wolf für dessen wertvolle Hinweise aus Sicht des Handwerks. Auch Ewald Dobler ist seit dem 19. März 1990 Mitglied des Aufsichtsrates der Volksbank. In der ehemaligen Volksbank Alfeld eG war er bis zur Verschmelzung mit der Volksbank eG Seesen als Aufsichtsratsvorsitzender tätig. Nach der Verschmelzung arbeitete er weiterhin im Aufsichtsrat als stellvertretender Vorsitzender und Mitglied im Kredit- und Hauptausschuss, ehe er 2002 wieder zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewählt wurde. „Die Familie Dobler ist ‘ihrer’ Volksbank eG bereits in vierter Generation verbunden. Schon der Urgroßvater Paul Dobler war vor rund 120 Jahren Gründungsmitglied und ebenfalls viele Jahre Aufsichtsratsvorsitzender der ehemaligen Volksbank Alfeld eG“: Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Rüdiger Berkhan würdigte Ewald Doblers Engagement und langjährige Verbundenheit und lobte dessen kompetente Hinweise in den Sitzungen des Aufsichtsrates und der Ausschüsse als wertvolle Bereicherung jeder Diskussion.