Von Raubtieren, Akrobaten, großen und kleinen Rädern

Die Junior-Akros des MTV in Aktion.
   

Auch der MTV-Weihnachtszirkus Nummer 24 war ein echter Volltreffer / Traditionsveranstaltung lockt Groß und Klein

Wenn auch von der einstigen weißen Pracht nicht mehr viel übrig blieb als einige schmutzige Schneereste am Straßenrand, so tat das der Sache, um die es in der großen Sporthalle II des Schulzentrums an der St.-Annen-Straße ging, keinen Abbruch. Denn dort wurde es für die ausgesprochen zahlreich erschienenen Besucher trotzdem schon einmal so richtig vorweihnachtlich, „gastierte“ hier doch zum wiederholten Male, und zwar zum 24. Mal in Folge, der Weihnachtszirkus des MTV Seesen.
An diesem Sonnabend vor dem 3. Advent war die ansonsten so nüchtern erscheinende Sporthalle wieder liebevoll zu einem „Capitol“ umfunktioniert worden; es hingen bunte Fahnenleinen sternförmig von der Decke herab und symbolisierten auf diese Weise das Zirkuszelt, während halbkreisförmig auf den Hallenboden ausgelegte Matten den Rand der Arena markierten. Einen weiteren Blickfang bildete auch das mit Spielsachen festlich geschmückte Zirkusportal.
Und mit dieser Zirkusvorstellung der ganz besonderen Art, mit der Seesens größter Breitensportverein auch im Jahr seines 150-jährigen Bestehens aufwartete, bescherte er allen anwesenden großen und kleinen Kindern wiederum eine unvergessliche Weihnachtsfeier. Denn wer hat als Kind nicht schon einmal davon geträumt, in einem Zirkus auftreten zu dürfen, in dem wunderschöne Zirkusprinzessinnen waghalsige Trapezkünste vorführen, bärenstarke Muskelmänner vor dem Publikum mit ihrer Kraft protzen oder Clowns, Zauberer und geschickte Kaskadeure die Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hinreißen – in der Phantasie, versteht sich.
Aus Anlass des besonderen Vereinsgeburtstages ausgesprochen festlich gekleidet eröffneten Bianca und Hardy den Nachmittag. Und dann ging es los – mit einem Programm, das wirklich keine Wünsche offen ließ. Zu den fetzigen Rhythmen des MTV-Songs demonstrierten die Junior-Akros gleich einmal, dass die MTVer eine starke Gemeinschaft bilden, gefolgt von der motorischen Grundgruppe, die als Handpuppen hinter einem weißen Vorhang versteckt „Manamana“ darboten. Und dann kam sie, die „wirbelnde Zoe“. Mit bis zu fünf Hula-Hoop-Reifen zugleich verstand es das kleine Mädchen, seine Hüften so geschickt zu schwingen, dass die älteren unter den Zuschauern wieder an ihre Teenagerzeit erinnert wurden, eine Zeit, in der diese Sportart groß in Mode war. Mädels der SWG ließen Puppenträume wahr werden, und die kleinen Kinder der Mutter-Vater-Kind-Gruppe zeigten, dass auch sie bereits „Fit wie ein Turnschuh“ sind. „Bodenzauber“ verbreiteten die Seesener Akros mit ihren tollen Figuren, gefolgt vom Inline-Skater-Nachwuchs, der ein kleines Spiel auf Rollen spielte. Dass sie wahre Turnfreunde sind, bewiesen die kleinen Turnmädels gekonnt mit ihren Übungen auf der Matte. Ein besonderes Erlebnis war der „Fluch der Karibik“, und nicht minder feurig ging es auch bei der Show der Einradmädchen zu.
Auf einer Kugel balancierend kam das „Nummerngirl“ in die Manege gerollt und kündigte die Pause an; eine Pause, die sich jeder in der Halle verdient hatte, ob Akteur oder „Passiver“. Kaffee, Kuchen und vieles mehr waren jetzt begehrte Artikel und gingen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.
Die „Swinging Dolls“ zeigten im weiteren Programmverlauf waghalsige Künste am schwingenden Trapez. Da war es nicht mehr ganz so aufregend, als die hübsch kostümierten und geschminkten „Dschungeltiere“ der Alkispo-Gruppe – „Alki“ hat hier nichts mit alkoholischen Getränken zu tun, sondern bedeutet „Allgemeiner Kindersport“ – durch die Manege wuselten. Kastenakrobatik vom Feinsten boten dann die jungen Damen der Seesener Akros. Deren Kästen nutzten dann gleich die Kasten-Springer der Leichtathleten mit einer tempogeladenen Hoch­leis­tungs-Show. Nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen waren die großen Turnmädels, als sie auf dem Schwebebalken ihre tollen Übungen vorführten. Auch nicht, als auf diesem wackeligen und nur etwa zehn Zentimeter schmalen Balken der Handstandüberschlag ausgeführt wurde. Weil kein Reck aufgebaut werden konnte, zeigten sie ihr Können unter nunmehr für sie erschwerten Bedingungen stattdessen am Barren mit nur einem Holm. Als die Manege wieder frei, das Licht in der Halle gedimmt war und nunmehr der Lichterschlauch den Manegenrand markierte, kamen sie hereingerollt: die Inline-Skater, perfekt gestylt und ausgerüstet als „Starlight-Express“. Mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit, die in diesem relativ kleinen Rund von etwa zwölf Metern Durchmesser gefahren werden konnte, sausten die konkurrierenden Züge kreuz und quer über den Hallenboden; eine Vorstellung, die im Original kaum schöner und spannender dargestellt werden kann. Waren es eben noch kleine Rollen, so folgten nun zwei große Räder. Die „Rhönrad-Diamanten“ zeigten ihr Können. Nur schade, dass zwischendurch der Strom ausfiel und ihre Show dadurch unterbrochen wurde. Last but not least zeigten die „Jumping Girls“ auf dem Air-Track, also auf einer übergroßen Luftmatratze, ihre tollen Sprünge, die darin gipfelten, dass im Hechtsprung über mehrere auf der Matte liegende Mädchen hinweggesprungen wurde.
Mit dem großen Finale, zu dem alle Akteure noch einmal zum großen Schlussbild in die Manege gerufen wurden, klang dieser tolle Nachmittag leider viel zu früh aus. Gab es im Programmverlauf schon das ein oder andere Mal begeisterten Beifall, so kannte zum Ende aller Vorführungen der Applaus keine Grenzen mehr. Besser hätte das restlos begeisterte Publikum seinen Dank an die vielen Akteure nicht zum Ausdruck bringen können.
Dank und Anerkennung sprachen die Verantwortlichen aber auch den fleißigen Helferinnen und Helfern vor und hinter den Kulissen, dem wieselflinken Aufbauteam, dem Theken- und Küchenteam sowie den Bereitschaften der Freiwilligen Feuerwehr Seesen und des Deutschen Roten Kreuzes gesagt.
Für die inzwischen auch professionell gestaltete Beleuchtungstechnik mit ihren Spezialeffekten und die einwandfreie Musikuntermalung zu den einzelnen Darbietungen zeichneten in diesem Jahr wieder die Männer des DJ Delta-Teams gekonnt verantwortlich. Auch ihnen gilt der uneingeschränkte Dank, dieses umso mehr, als sie die Aufwendungen für ihren persönlichen Einsatz und den Einsatz ihres Equipments bei diesem Event dem MTV als Geschenk zu seinem besonderen Geburtstag machten.
Und wie es sich bei einer richtigen Weihnachtsfeier geziemt, war selbstverständlich auch wieder ein Helfer des Weihnachtsmannes erschienen, der jedem Kind beim Abschied ein kleines Weihnachtsgeschenk mit auf den Weg gab. Nun darf man sich schon jetzt auf den nächsten Weihnachtszirkus des MTV Seesen freuen. Da es dann mit der 25. Wiederkehr ein weiteres Jubiläum im Verein zu feiern gilt, wird es bestimmt ein tolles Erlebnis werden.
Eine Fotogalerie hat der MTV unter seiner Homepage unter mtv-seesen.de erstellt.