Von Richard Wagner bis Nena alles dabei

Eine neue Fliege von Vivien Winkler für Otto Brodthage.
 
Dirigent Ulrich Finster begrüßt die Gäste.
 
Konzentrierte Musikerinnen und Musiker boten ein begeisterndes Konzertereignis.

Stehende Ovationen beim 15. Neujahrskonzert des Volkstümlichen Blasorchesters des MTV Bornhausen

Auch das mittlerweile 15. Neujahrskonzert, welches das Volkstümliche Blasorchester des MTV Bornhausen am vergangenen Sonnabend im großen Saal des Seesener Hotels „Wilhelmsbad“ präsentierte, ließ keine Wünsche offen.

Ein abwechslungsreiches Programm hatte das Orchester angekündigt und das Versprechen eingehalten, denn rund drei Stunden lang verstanden es die 21 Musiker und acht Musikerinnen unter der Leitung von Dirigent Ulrich Finster, einen musikalischen Bogen zu spannen, der für jeden Geschmack etwas dabei hatte. Die Eintrittskarten waren bereits wieder Wochen vor dem Konzert vergriffen, und wer eine der Karten ergattert hatte, genoss es, im mit fast 400 Personen bis auf den letzten Platz besetzten Saal, den Klängen des renommierten Klangkörpers zu lauschen, im Takt mitzuklatschen oder auch mitzusingen. Am Schluss der Veranstaltung gab es stehende Ovationen und alle waren sich einig – so sollte ein musikalisches Jahr beginnen.
Das Orchester sorgte auch sogleich mit dem Militärmarsch Nr. 1 von Franz Schubert für einen gelungenen Auftakt. Die angenehm fließenden Melodien, umrahmt von signalartigen schmissigen Rufen, sowie die farbenreiche Harmonik stimmten das erwartungsvolle Publikum auf einen kurzweiligen musikalischen Abend ein. Dann griff „Kult-Moderator“ Otto Brodthage zum Mikrofon. Er begrüßte die Gäste, darunter besonders den komplett erschienenen Vorstand des MTV Bornhausen, führte informativ in die kommenden Stücke ein und sorgte mit seinen unterhaltsamen Anekdoten und Witzen immer wieder für beste Laune unter den Besuchern. Zudem wusste er zu berichten, dass das Orchester zu den jetzt 15 Neujahrskonzerten immerhin schon gut 270 Musikstücke eingeübt habe. Nun schon zum zweiten Mal hatte er mit Vivien Winkler eine junge „Nachwuchsmoderatorin“ zur Seite, die mit ihrem Witz und Humor erneut gefiel. Auch hatte sie die Lacher auf ihrer Seite, als sie sich über Otto Brodthages altmodische Schleife mokierte und ihm prompt eine neue verpasste. Als „Vivi“ zur Pause die Bühne verließ, war der Beifall des Publikums der verdiente Lohn für ihren Auftritt.
Der musikalische Bogen war weit gespannt. Fast acht Minuten lang ging es zunächst mit Wagner-Melodien weiter. Anlässlich des 200. Geburtstages von Richard Wagner hatte der Arrangeur Heinz Dieter Paul die schönsten Melodien in ein grandioses Potpourri zusammengeführt. Lohengrin, der Hochzeitsmarsch, das Lied des Steuermanns, der Matrosenchor und die Meistersinger von Nürnberg stehen für schwere Opern-Musik, die dem Orchester alles abverlangten, aber auch einen starken Eindruck beim Publikum hinterließen. Nach der leichten und beschwingten „Uschi-Polka“ folgte mit „Rauschende Wälder“ ein Walzerpotpourri, bei dem die meisten Zuhörer schon einmal kräftig schunkelten.
Mit dem Soundtrack zum Film „Pirates of the Caribbean“ kündigte Brodthage dann einen Höhepunkt an. Er übergab das Mikrofon an Ulrich Finster und dieser informierte das Publikum darüber, dass er auf Grund einer längeren Krankheit die Proben nicht immer leiten konnte. Man habe deshalb nach einem „Ersatz-Dirigenten“ gesucht. Nun, mit Stefan Mittwoch, der jahrelang Dirigent beim Blasorchester Sebexen war, hatte man schließlich adäquaten „Ersatz“ gefunden. Die Filmmusik hatte dem Orchester in den Proben sehr viel Fleiß und Schweiß abverlangt, deshalb sollte Stefan Mittwoch das Stück nun auch dirigieren. Ein schwieriges Musikstück, aber am Ende ein geglücktes Experiment. Der anhaltende Beifall für den Dirigenten und das Orchester war Beweis genug. Übrigens war Mittwoch den ganzen Abend auch aktiv bei den Bässen im Einsatz und Liebhabern der Gandersheimer Domfestspiele dürfte er als Verwaltungsdirektor des Festspiel-Teams nicht unbekannt sein.
Weiter ging es mit der Polka „Mein schönes Egerland“ und dem anschließenden spanischen Konzertwalzer „Estudiantina“ von Emil Waldteufel. Kurz vor der Pause brachte das Orchester sein Publikum mit dem Medley „Hofkonzert in Swing“ noch einmal so richtig in Schwung. Egal ob Foxtrott, Rumba, Cha-Cha oder Slow Rock – es war ein Hofkonzert der etwas anderen Art. Mit einem Marsch war das Konzert eröffnet worden und mit dem Marsch „Unter dem Grillenbanner“ von Wilhelm Lindemann ging es in die verdiente Pause.
Der Marsch „Amerikanische Parade“ von Hans Kamp war der Auftakt zu einem überaus beschwingten zweiten Teil. Anthony Koskos Medley „Nena“ mit den Titeln wie „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“, „Leuchtturm“, „Nur geträumt“ und von den legendären „99 Luftballons“, gesungen von Nena, der wohl poppigsten, rockigsten und flippigsten Oma Deutschlands, oder gleich anschließend dem Shanty „Santiano“, dem Erkennungslied der gleichnamigen Band, steigerten die Stimmung im Saal. Noch einen drauf setzte dann der Song „Atemlos“, komponiert von Kristina Bach für die Sängerin des Jahres Helene Fischer.
Mit dem Potpourri „Hits for Marching Band“ verbreitete das Orchester gute Laune pur, denn bei den Hits „Marmor, Stein und Eisen bricht“ von Drafi Deutscher, „I sing a Liad für di“ von Andreas Gabalier oder „Wahnsinn“ von Party-Sänger Wolfgang Petry, wurde kräftig mitgesungen. Zur Erinnerung an den kürzlich so unerwartet verstorbenen Udo Jürgens hatte das Orchester sein Programm geändert und, gekonnt gespielt, den Titelsong „Ich war noch niemals in New York“ aus dem gleichnamigen Musical von Udo Jürgens eingeplant.
Es folgten noch zwei Polkas aus dem Oberkrain. Zuerst von Ivan Presern „Schöne Urlaubszeit“ und dann das „Trompetenecho“ von Slavko Avsenik. Mit „Unter dem Sternenbanner“ von Hermann Männecke, dem amerikanischen Militärmarsch schlechthin, setzte das Volkstümliche Blasorchester des MTV Bornhausen schließlich einen Schlussstrich unter sein Neujahrskonzert. Da hielt es anschließend fast niemanden mehr auf seinem Stuhl. Mit anhaltendem Beifall und Standing Ovations holte sich das Publikum seine Zugaben. Diese gab es zuerst mit dem Stück „Tiroler Holzhackerbuam“ und um dann schmissig mit „Alte Kameraden“, einem der populärsten und meistgespielten deutschen Militärmärsche, die Grundfesten des „Wilhelmsbad“ noch einmal zu erschüttern.
Der Leiter des Orchesters, Wolfgang Sauthoff, hielt für Ulrich Finster, Stefan Mittwoch und Otto Brodthage einen Blumenstrauß bereit und bedankte sich beim Publikum für die tolle Stimmung und den Applaus. Für das kommende Jahr kündigte er schon jetzt eine Neuauflage des Konzertes an.
Mit „Guten Abend, gute Nacht“, dem Wiegenlied von Johannes Brahms, schickte das Orchester sein Publikum dann auf den Heimweg.