Während des Hafturlaubs die eigenen Eltern beklaut

Rhüdenerin bekommt Spielsucht nicht in den Griff / Zweifache Mutter (31) muss zehn weitere Monate hinter Gitter

Es scheint eine Geschichte ohne „Happy End“ zu werden. Weil sie ihre Spielsucht einfach nicht in den Griff bekommt, sitzt eine 31-jährige Frau aus Rhüden bereits seit Längerem in Haft. Zunächst wurde sie wegen Computerbetruges bestraft, später wegen Betruges in Tateinheit mit Urkundenfälschung und schließlich im Jahr 2011 wieder wegen Computerbetruges.
Immer wieder brauchte sie Geld, um ihre Spielsucht zu befriedigen. Das brachte die Frau hinter Gitter. Doch von Besserung keine Spur. Ihren Hafturlaub im vergangenen Mai nutzte die zweifache Mutter gleich wieder, um die nächste Straftat zu begehen. Sie klaute aus dem Schrank ihrer Eltern die Scheckkarte des Vaters, fuhr zur Bank und hob „mir nichts dir nichts“ 650 Euro ab. Der PIN war ihr offensichtlich bekannt. Kurz danach ging es in eine Seesener Spielhalle und das Geld verschwand nach und nach in den bunt leuchtenden Automaten.
Nun musste sich die Rhüdenerin am Mittwoch wieder vor Gericht verantworten und wurde schlussendlich von Richter Frank Rüger zu einer weiteren Haftstrafe von zehn Monaten verurteilt. Ein psychatrisches Gutachten hat zudem keine verminderte Steuerungsfähigkeit bei der bemitleidenswerten Frau festgestellt.
Der Fall ist durchaus bemerkenswert. Im September 2011 hatte sie nachts die EC-Karte ihres Freundes gestohlen und sich auf gleiche Weise wie nun wieder Geld beschafft, das sie kurz darauf verspielte. Was dem Delikt seinerzeit die Krone aufsetzte, war die Tatsache, dass die Frau wenige Tage vor der Tat eine zehnwöchige Therapie hinter sich gebracht hatte.
Die Gesamtkosten der stationären Behandlung beliefen sich auf rund 84.000 Euro, wie ihr Richter Frank Rüger im Gerichtssaal noch einmal vor Augen führte. „Geld, das die Krankenkassen wohl umsonst ausgegeben haben“, wie er feststellte. Und damit hatte er leider Recht behalten.
Mit 18 Jahren hatte die Angeklagte zum ersten Mal eine Spielhalle betreten. Zunächst hatte sie laut eigenen Angaben auch das Glück auf ihrer Seite und in Frankfurt an der Oder 16.000 Euro abgeräumt.
Mittlerweile aber belaufen sich die Verluste auf rund mehr als 120.000 Euro. Weil sie keinen Ausweg mehr fand, hatte sie zwischenzeitlich versucht, sich mit 100 Paracetamol-Tabletten sowie einer Flasche Wodka und einer Flasche Slivovic das Leben zu nehmen. Der Suizid gelang ihr jedoch nicht, stattdessen muss sie sich seither mit dauerhaftem Sodbrennen quälen.
Es folgte ein Aufenthalt in einer Göttinger Psychatrie und schließlich die zehnwöchige Therapie, die in der Tat als gescheitert angesehen werden dürfte. Die Frau hofft nun auf eine Chance, durch eine weitere Therapie von ihrer Spielsucht geheilt zu werden. Ob diese bewilligt wird, steht indes noch in den Sternen.