Wahres Glück ist nicht materiell

Schulleiterin Annegret Tuchtfeld bei der Begrüßung.
 
Die Band-AG sorgte mit dem WPK 10 Musik für die musikalische Ausgestaltung.

Entlassfeier für 86 Absolventen der Realschule Seesen / Rektorin Annegret Tuchtfeld dem Glück auf der Spur

Ist nun jeder seines eigenen Glückes Schmied oder ist Glück eine Sache des zuweilen unverdienten Zufalls, also ein „Schwein gehabt“? Vielleicht sogar beides? Seesens Realschulrektorin Annegret Tuchtfeld fand anlässlich der Entlassung der 10. Klassen eine Antwort auf diese Fragen.

Und dazu diente ihr die bekannte Märchenfigur „Hans im Glück“. Bei jedem Tausch erlebt er inneres Glück, also Zufriedenheit, gelingendes Leben, Freude, Lust, Spaß – kurz: subjektives Wohlbefinden; vor allem am Schluss der Geschichte, als er von seiner materiellen Last befreit ist. „Wahres Glück, das lernen wir bei Hans, ist abhängig von einer inneren Einstellung zum Leben, von eurem Denken, und keineswegs von Äußerlichkeiten, wie möglichst viel Geld, großen Autos oder Häusern, denen wir ja mehr oder weniger kollektiv hinterher rennen“, betonte die Rektorin. Mit der Entgegennahme der Abschlusszeugnisse hätten die Entlassschülerinnen und -schüler bewiesen, dass sie für ihr Glück etwas getan haben. Dieses innere Glücksgefühl hätten sie aus ihren ureigensten Anlagen heraus selber geschaffen. „An diesem Tag freuen wir uns gemeinsam, dass aus den kleinen Zehnjährigen, die schüchtern und unsicher vor sechs Jahren hier begonnen haben, selbstbewusste und erfolgreiche junge Erwachsene geworden sind“, so Annegret Tuchtefeld.
Nach einem ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Maria-Königin-Kirche ging die Feierstunde in einer rappelvollen Aula des Schulzentrums über die Bühne. Für den guten Ton sorgten dabei wie gewohnt die Band-AG sowie der Wahlpflichtkurs Musik 10 der Realschule.
Seitens der Stadt Seesen gratulierte der stellvertretende Bürgermeister Norbert Stephan und auch Torkina Dörsing als Vertreterin des Schulelternrates freute sich mit den Schülern, die einen Teil „ihrer ganz persönlichen Tour de France des Lebens“ nun hinter sich haben. Sie wünschte ihnen, dass sie stets ihre eigene Definition von Zufriedenheit finden mögen. Die Schülervertreter Ramon Brill und Lara Krenz blickten auf ihre Weise zurück, sprachen von „einem leichten Anfang auf einer Reise mit unbekanntem Ziel, als wir in der 5. Klasse starteten“. Bald stellten sich erste Hürden ein, bis man schließlich in den letzten beiden Schuljahren die Königsetappe „bis zum psychischen und physischen Limit“ nahm. Beide dankten allen Begleitern, Eltern wie Lehrern, „für alles, was ihr uns mit auf den Weg gegeben habt“.
Den sich anschließenden Programmpunkt gestaltete der Wahlpflichtkurs 7 Theater. Unter der Regie von Lehrerin Nadja Bräutigam hatten die Schülerinnen und Schüler ein „Traumstück“ selbst geschrieben, choreographiert und einstudiert. Wie der Name schon sagt, bildeten eigene Träume die Grundlage für das Stück. Eine Autogrammstunde als Star, eine Wartezimmerszene beim Arzt und auch ein James-Bond-Auftritt wurden publikumswirksam auf die Bühne gebracht. „Auszüge aus dem Deutschunterricht“ zeigten drei Schüler des scheidenden Jahrgangs 10. Isabelle Reichardt erzählte als „Hanna Sarah Rosen“ in einer Rollenbiographie vom Schicksal einer deutschen Jüdin, die mit ihrem kleinen Kind ganz auf sich allein gestellt ist. Zunächst stirbt ihr Mann an den Kriegsfolgen, dann muss sie zu Zeiten der Judenverfolgung miterleben, wie ihr Bruder ins Konzentrationslager gebracht wird. Einen nach Jobverlust dem Alkohol verfallenen Familienvater verkörperte Robin Jung. Der eigene Sohn muss die Familie über Wasser behalten, bis der Vater selbst wieder eine Arbeit findet und sich überschwänglich freut, als endlich wieder vernünftiges Fleisch und Sakzkartoffeln auf den Tisch kommen. Mit einer Satire auf das Schulleben wartete Dario Ulrich auf. Seine Eindrücke: In der Schule war immer mehr los als in der Dorfdisco, voller Stolz und Freude betrat man den Klassenraum, stieß auf stets verständnisvolle und tolerante Lehrer; man sang, lachte und klatschte in den Pausen – und Müdigkeit? Die gab es ebenso wenig wie Hausaufgaben.
Nachdem sich der WPK 10 Französisch noch einmal gebührend von einer sichtlich gerührten Lehrerin Jutta Hoffmann verabschiedet hatte – fünf Jahre lang sah man sich viermal die Woche – wurden die lang ersehnten Abschlusszeugnisse in Empfang genommen. In diesem Jahr zählt die Realschule Seesen 86 Absolventen. Davon schafften 34 den Erweiterten Sekundarabschluss I (siehe Kasten), 51 den Sekundarabschluss I (Realschulabschluss) und einer den Sekundarabschluss I (Hauptschulabschluss). Jahrgangsbester wurde Bastian Loß (Durchschnitt 1,6), Schuljahresbeste Ann Kathrin Ebeling (Durchschnitt 1,4).

Entlassfeier Realschule Seesen

Erweiterte Sekundarabschlüsse I
Klasse 10a (Karin Friedrich): Dario Begni, Rico Bresch, Dustin Gomez Stevens, Bastian Loß, Ira Eine, Sahraa Salmann, Alina Schimmel, Pauline Schlimm.

Klasse 10b (Jutta Hoffmann): Kevin Ecke, Jannick Gaschler, Dennis Konrad, Silvio Messina, Manuel Rodrigues Gomes, Niklas Scholz, Carolin Blode, Julia Bujara, Gina Denise Koch, Hanna Roßkopf, Lisa Tetzlaff.

Klasse 10c (Katrin Becker/Sina Berenz): Alexander Bergmann, Ramon Brill, Bastian Hurlemann, Jan Niklas Müller, Tim Stakelbeck, Marco Rieke, Sophie Hepe, Vivienne Kappei.

Klasse 10d (Markus Grupe): Max Anders, Marvin Riemann, Dario Ulrich, Moritz Rieche, Ann Kathrin Ebeling, Manel Mekadmi, Antonia Raake.