Wanderwart zeigt Hitlergruß

Eklat am Rande der Harzklub-Jahreshauptversammlung / Judenfeindliche Äußerungen

Es gibt Menschen, die es nie lernen werden. Es war zum Ende der Harzklub-Jahreshauptversammlung am Freitagabend, als Vorsitzender Horst Schiller nach einer bis dato durchaus harmonischen Zusammenkunft im Schützenhaus zum gemütlichen Beisammensein bei Harzer Bockwurst und Kartoffelsalat eingeladen hatte. Da aber sorgte urplötzlich ein derber Nazi-Eklat für pikierte Gesichter und auch Entsetzen. Was war geschehen? Man sprach über Gott und die Welt und irgendwann – wie so oft zu späterer Stunde – auch über Politik. Ein Wanderwart des Harzklubs echauffierte sich da wortgewaltig, dass die Demokratie Deutschland einfach nicht gut tun würde, es viel zu viele verschiedene Gruppierungen gebe und „wir mal wieder einen Mann mit gestutztem Schnauzbart bräuchten.“ Dummes Stammtischgeschwätz, wie man es wohl schon tausend Mal von Unverbesserlichen gehört hat. Hier war es aber anders, und mit „Spaß“ hatte das Ganze nichts mehr zu tun. Spätestens als der alte Mann plötzlich den rechten Arm erhob und zum Hitlergruß ansetzte, merkten alle Anwesenden, dass dieser Herr offensichlich tatsächlich ein echtes Problem mit dem Demokratie-Verständnis hat. „Die haben damals wengistens etwas erreicht“, meinte der Endsiebziger mit Blick auf den Nationalsozialismus. Mitbekommen haben das Szenario mehr als eine Handvoll Gäste, darunter Mitglieder des Harzklubs, aber auch Bürgermeister Erik Homann und Stellvertreter Jürgen Ebert. Auf den Hinweis, dass dieses Verhalten mehr als unangebracht sei, fiel dem rüstigen Harzklubler nichts besserers ein, als die wahnsinnge und menschenverachtende These aufzustellen, dass, „wenn die Nationalsozialisten die Sache (gemeint war die Vergasung der Juden) damals bis zum Ende durchgezogen hätten, wir heute keine Probleme mehr in Palästina hätten“. Rumms! Auf die betretenen Mienen der Anwesenden und auf den wiederholten Hinweis, dass er endlich damit aufhören solle, trollte sich der freundliche Herr mit den Worten „Wieso? Stimmt doch!“ Erst in der vergangenen Woche wurde mit dem 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz und der grauenhaften Massenmorde, dem „Holocaust“, gedacht. In Deutschland gehen seit Wochen Menschen auf die Straße, die gegen die Islamisierung des Abendlandes protestieren. Gottob gibt es überall Gegenbewegungen und auch in Seesen wurde sogar ein Schweigemarsch der Solidarität organisiert. Kaum scheint halbwegs Gras über die Acky-Mroz-Juden-Verfehlung gewachsen zu sein, kommt ein Kamel daher und frisst es wieder auf. Was den Vorfall so schlimm macht? In Seesen wurde in den vergangenen sieben Monaten alles dafür getan, dass die Juden-Entgleisung eines CDU-Politikers als Einzel-Verfehlung dargestellt wurde. Weit gefehlt! In unserer Gesellschaft befinden sich augenscheinlich immer noch mehr Menschen, die mit nationalsozialistischem Gedankengut symphatisieren und Antisemitismus offen zur Schau stellen, als wir auf den ersten Blick sehen. Sie haben in öffentlichen Funktionen, und sei es nur der Posten eines Wanderwartes, nichts zu suchen. Der eigentlich so rührige Harzklub Seesen, der während der Versammlung noch stolz die 25-jährige Partnerschaft seit Wiedervereinigung mit dem Harzklub-Zweigverein Thale feierte und Geschenke austauschte, wird handeln müssen. Sonst heißt es am Ende noch: Das Wandern ist des Nazis Lust...