Warum die deutsche Energiepolitik ein Fehler ist

Die Energiepolitik in Deutschland ist fehlgeleitet. Diese Überzeugung vertritt Dr. Jürgen Langeheine ist seinem Buch „Energiepolitik in Deutschland – Das Geschäft mit der Angst“.
 
Das Buch ist im AtheneMedia-Verlag erschienen.

Gebürtiger Seesener plädiert in seinem Buch „Energiepolitik in Deutschland“ für Ausbau der Kernenergie

Es war ein historischer Moment als der Bundestag am 30. Juni 2011 mit einer breiten Mehrheit aus Mitgliedern der Regierungs- und Oppositionsparteien ein umfangreiches Gesetzespaket zur Energiewende verabschiedete. Mit diesem Beschluss läutete die schwarz-gelbe Regierungskoalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel gleichzeitig den Ausstieg aus der Kernenergie ein. Bis zum Jahr 2022 soll der letzte Atommeiler vom Netz gehen. Alternative Energiequellen aus Wind, Sonne oder Biogas sollen dann den deutschen Energiehunger stillen. Ein mutiges, fast aussichstloses Vorhaben, bedenkt man, dass Deutschlands wirtschaftliche Stärke vor allem auf dem Erfolg energieintensiver Industrieunternehmen basiert, und dass sich der Ausbau erneuerbarer Energien in der Praxis schwieriger gestaltet als in der Theorie.
Diese Meinung vertritt Dr. Jürgen Langeheine in seinem Buch „Energiepolitik in Deutschland – das Geschäft mit der Angst“, das jüngst im AtheneMedia-Verlag erschienen ist. Der promovierte Physiker, der gebürtig aus Seesen stammt und hier aufgewachsen ist, vertritt die Meinung, dass der beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie ein Fehler ist. Langeheine sagt sogar, dass die Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft durch diesen Beschluss nachhaltig beschädigt wird.
Dr. Langeheine steht nicht auf den Gehaltslisten großer Energieerzeuger, die sich mit billigem Atomstrom eine goldene Nase verdient haben, und jetzt einen Fürsprecher, gar Lobbyisten für ihre Zwecke benötigen. Dennoch ist der Physiker und heute selbständiger Unternehmensberater ein Verfechter der Atomkraft. Der Autor behauptet nicht, dass von Kernenergie keinerlei Gefahren ausgehen, er sagt aber, dass die aktuelle politisch motivierte Energiedebatte mit dem Schüren von Ängsten arbeitet; und sich die Atomenergie aufgrund der schwerwiegenden Katastrophe im japanischen Fukushima, bestens für diesen Zweck instrumentalisieren lässt. Langeheine geht in seinen Schlussfolgerungen sogar so weit, dass er den politischen Parteien vorwirft, mit der Energiewende ganz billigen populistischen Wahlkampf zu betreiben.
Der Stoff, mit dem der Autor in seinem Buch handelt, ist keinesfalls leicht verdaulich. In den ersten Kapiteln beschreibt er die Physik der Atmosphäre. Er geht sehr wissenschaftlich fundiert auf das System Erde-Sonne ein, beschreibt das Treibhausmodell, das, wie in vielen Medien publiziert, von falschen Fakten ausgeht, erläutert die solare Einstrahlung auf die Erde, thematisiert den Kohlendioxid-Gehalt in der Atmosphäre und beschreibt den Einfluss der Thermodynamik auf das Klima der Erde.
Für einen Laien sind diese Ausführungen schwer nachzuvollziehen, da das ehemalige hochrangige Vorstandsmitglied des Chemie-Riesen BASF nicht mit Formeln, mathematischen Gleichungen und recht komplizierten Grafiken geizt. Dieser Abschnitt hat sicher seine Berechtigung, schweift aber vom Hauptinhalt des Buches – Kernenergie-Chancen und Risiken – ein wenig ab.
Dieses Kapitel und die Ausführungen zu dem Themenkomplex Klima, Energie und Politik sind es, die dem Leser eindrücklich vor Augen führen, dass die deutsche Energiepolitik der letzten Jahre eine Verfehlung auf ganzer Linie ist.
Jürgen Langeheine verweist an mehreren Stellen seines Buches auf die Tatsache, dass der beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie, im Hinblick auf Schulden in Billionenhöhe und dem Mangel an tragfähigen Alternativen, zu vorschnell eingeleitet wurde. Dieses Argument unterstreicht er zudem mit dem steigenden Energiebedarf, der nach derzeitigem Stand der Technik nicht allein durch erneuerbare Energien aufgefangen werden kann.
Ferner führt die Vorgehensweise der deutschen Umwelt- und Energiepolitiker schon heute zu einer deutlichen Erhöhung der Strompreise, die nahezu ausschließlich auf den Schultern der Bevölkerung lastet. Bis zum Jahr 2020 ist mit einer Verdoppelung der Stromkosten gegenüber 2004 zu rechnen.
Neben den Kosten führt der Autor aber noch weitere Argumente für den Verbleib in der Kernenergie ins Feld. Aktuell stillt die Bundesrepublik 80 Prozent ihres Energiebedarfs mit der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Neun Prozent kommen aus erneuerbaren Energiequellen, und elf Prozent aus der Kernenergie. Die EU hat aber festgelegt, dass der Anteil der Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen drastisch zurückgefahren werden muss. Während Frankreich diesem Beschluss seelenruhig zustimmen kann, da 80 Prozent seines Strombedarfs durch Atomkraft gedeckt wird, wird Deutschland heftig ins Schleudern geraten. Für Langeheine ist das der Punkt, wo die deutschen Entscheidungsträger überlegen müssen, ob sie ihren gefassten Beschluss nicht doch noch umkehren. Der Autor sagt weiter, dass die alternativen Technologien nie einen wirtschaftlichen Vorteil aufweisen werden. Deshalb ist es aus seiner Sicht auch nicht weiter verwunderlich, dass neben den bereits 454 Kernkraftwerksblöcken, 152 neue Blöcke in Planung oder Bau sind. Die deutsche Volkswirtschaft stellt sich mit ihrer Entscheidung ins Abseits und wird der gewünschten Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz kaum gerecht werden können.
Ob jeder die Argumente von Dr. Jürgen Langeheine teilt ist ungewiss. Fakt ist jedoch, dass das Buch hier nur knapp rezensiert werden konnte, und daher nicht alle Argumente des Autors wiedergegeben werden. Deshalb lohnt es sich wirklich, dieses Buch zu lesen. Die ISBN-Nr. lautet: 978-3-86992-054-2
Maximilian Strache