Warum Eva von Trott gleich zweimal starb

Die „Eva-Linde“ auf der Stauffenburger Ruine. (Foto: bo)

Heimatverein Ildehausen lud zu gutbesuchtem Geschichts-Vortrag mit Axel Kronenberg ein

Zu einem Vortrag der besonderen Art über die Geschichte der „Eva von Trott“ hatte der Heimatverein Ildehausen jetzt seine Mitglieder und Interessierte in den Gemeinderaum der evangelischen Kirche in Ildehausen eingeladen. Vorstandsmitglied Helmut Wegner begrüßte im Namen des krankheitsbedingt fehlenden Vorsitzenden Dieter Kruse die zahlreich erschienenen Zuhörer. Welch großes Interesse an diesem Vortrag bestand, konnten die Mitglieder des Heimatvereins schon daran sehen, dass auch aus den Nachbarorten Zuhörer nach Ildehausen gekommen waren.
Als Referent und Kenner der Geschichte hielt Axel Kronenberg aus Lamspringe einen mit vielen Einzelheiten und Daten gespickten Vortrag in Wort und Bild. Das Wissen über die um 1540 stattgefundenen Ereignisse um Eva von Trott hat er hauptsächlich von seinem Vater.
Dieser wirkte unter anderem von 1954 bis 1975 als Pfarrer in der Stadtkirchengemeinde Bad Gandersheim. 1980 schrieb er den Roman „Eva von Trott“. Eva von Trott zu Solz stammte aus der zur Althessischen Ritterschaft gehörenden Adelsfamilie und kam 1522 im Alter von 16 Jahren als Hofjungfer nach Wolfenbüttel. Zwischen ihr und dem Herzog Heinrich entstand eine Liebesbeziehung, die nicht ohne Folgen blieb. Im August 1524 bekam sie ihr erstes Kind, einen Jungen. Noch zweimal wurde Eva am Wolfenbüttler Hof schwanger und brachte zwei Töchter zur Welt. Die Kinder wurden auf der Stauffenburg geboren.
Die Affäre ließ sich auf Dauer nicht geheimhalten, die Herzogin Marie und die Adelsfamilie von Trott drängten auf eine Entscheidung. Herzog Heinrich der Jüngere, der mit Marie von Württemberg verheiratet war und mit ihr elf leibliche Kinder hatte, entschloss sich, nachdem sich eine erneute Schwangerschaft Evas ankündigte, das Problem durch eine sogenannte Scheinbeerdigung Evas in Gandersheim in seinem und auch Evas Sinn zu lösen.
Für dieses Vorhaben beauftragte Herzog Heinrich einen Braunschweiger Bildhauer mit der Herstellung eines lebensnahen hölzernen Kopfes Evas. Während Eva von Gandersheim in einfacher Tracht in die nahe gelegene Stauffenburg floh, wurde eine ausstaffierte Puppe mit hölzernem Kopf als Pestopfer in dem Scheinbegräbnis im Stift Gandersheim (Barfüßer Kloster) feierlich beigesetzt.
Von 1532 bis 1541 versteckte der Herzog neun Jahre lang seine Geliebte Eva von Trott auf der Stauffenburg, wo sie sich immer wieder trafen. Mit ihr hatte er insgesamt zehn uneheliche Kinder. Nach weiteren Stationen und Gegebenheiten im Leben der Eva von Trott starb sie „und diesmal wirklich“ im Januar 1567 im Alter von 61 Jahren in Hildesheim. Auf der Ruine der Stauffenberg befindet sich eine uralte Linde, die als Eva-Linde bekannt ist.