Wenig landwirtschaftlicher Sachverstand

Landwirte und Gäste aus der Politik kamen am Mittwoch zur Gemeindeverbandssitzung zusammen.
 
Vorsitzender Gerhard Kolle.

Landvolk-Gemeindeverband tagt im Wilhelmsbad und beklagt Emotionalisierung in der Agrarwirtschaft

Die Winterzeit ist Versammlungszeit auch für die Landwirte aus dem Raum Seesen. So trafen sich am vergangenen Mittwoch zahlreiche Landvolkmitglieder im Hotel Wilhelmsbad, um ihre Gemeindeverbandsversammlung abzuhalten. Der Vorsitzende Gerhard Kolle konnte hierzu auch einige Gäste begrüßen.

So schauten der Landtagsabgeordnete Rudolf Götz ebenso wie der Seesener Bürgermeister Erik Homann bei den Landwirten vorbei und standen zu den verschiedensten Themen Rede und Antwort. Dieter Ahrens von der Landesbank und die Vertreter der Landwirtschaftskammer Steffen Weinhausen und Patrik Meier sowie der Landvolkgeschäftsführer Kurt Hübner gehören schon seit Jahren zu den Stammgästen auf dieser Veranstaltung. Neu in der Runde war Ulrich Löhr als neuer Vorsitzender des Landvolklandesverbandes Braunschweiger Land und stellvertretender Vorsitzender des Niedersächsischen Landvolkes, sein Stellvertreter Wilfried Henties sowie Christian Scherb als neuer Vorsitzender des Verbandes für den Landkreis Goslar.
Bevor der Vorsitzende einen weiten Bogen von der aktuellen Marktsituation, über die Agrarpolitik bis hin zu den örtlichen Themen der Landwirtschaft spannte, bedankte er sich bei dem ausgeschiedenen Vorsitzenden Jürgen Hirschfeld für seine jahrzehntelange, herausragende Arbeit für den Landvolkverband. „Jürgen Hirschfeld, Du hast es uns in der Region leicht gemacht Agrarpolitik zu vertreten, da Du immer ansprechbar warst und zu allen Belangen eine Meinung hattest, die Du auch lautstark vertreten hast“, bescheinigte ihm der Vorsitzende verbunden mit der Hoffnung, dass dies auch weiterhin so bleiben werde.
Veränderungen im Bereich der landwirtschaftlichen Sozialversicherung wurden vom Geschäftsführer des Verbandes Kurt Hübner beschrieben. Ebenso ging er auf das veränderte Erbschaftssteuergesetz und dessen Auswirkungen auf die Betriebe ein.
Die Jägerschaft des Bezirkes Braunschweig und der Landvolkverband unter der Federführung von Jürgen Hirschfeld und Ulrich Löhr haben ein gemeinsames Arbeitspapier entwickelt. Hierin sind Beispiele zur Vernetzung und Verbesserung des Lebensraumes von Bodenbrütern enthalten die, im Rahmen des zukünftig geforderten Greenings, die Nachhaltigkeit und die jagdliche Hege fördern.
Das aktuell laufende Planfeststellungsverfahren zum Ausbau der A 7 im Bereich Seesen bis Echte war ein Schwerpunktthema für den Vertreter der Landwirtschaftskammer Steffen Weinhausen. Harald Wagenschieber berichtete über die Erfahrungen vom Ausbau des nördlichen Bauabschnittes, deren Begleiterscheinungen teilweise zu sehr viel Unmut bei den Landwirten geführt hat. Nicht nur das landwirtschaftliche Wege widerrechtlich von Baufahrzeugen befahren wrden, auch war die mangelnde Informationspolitik der Landesbehörde ein Kritikpunkt.
Ulrich Löhr übernahm an diesem Vormittag das Feld der Agrarpolitik. Er stellte die Ergebnisse der GAP-Beschlüsse (Gemeinsame Agrarpolitik) vor, ging auf die verschärfte Düngeverordnung ein und sprach die Veränderungen in der Tierhaltung an. Er machte sehr deutlich klar, dass die Landwirtschaft im Moment eine Agrarpolitik erfährt, die mehr von Emotionen und einer medialen Meinung, als von landwirtschaftlichem Sachverstand getragen wird. So würden viele Ansätze zu einer konstruktiven Zusammenarbeit schon im Keim erstickt.
Dennoch sucht der Berufsstand auch weiterhin den Dialog mit den politisch Verantwortlichen im Land und auf Bundesebene, um den starken Wirtschaftfaktor Landwirtschaft gerade auch in Niedersachsen zu erhalten.