Wenn Gerüchte ins Kraut schießen

Erst hat der Abriss des ehemaligen Innenstadtkaufhauses mächtig Staub aufgewirbelt. Jetzt ist es eher ruhig geworden. Die Gründe für den Stillstand auf der Baustelle soll die Öffentlichkeit aber nicht erfahren.

Abriss beziehungsweise Neubau des ehemaligen Kaufhauses Meinecke stößt auf geteiltes Echo

Über den Abriss des ehemaligen Kaufhauses Meinecke und dem damit verbundenen Neubau in der Seesener Jacobsonstraße wurde in den vergangenen Wochen viel berichtet, und vor allem wurden auch haufenweise Gerüchte gestreut. Eines davon erreichte die Redaktion des „Beobachter“ in der vergangenen Woche. Aus eigentlich stets gut unterrichteter Quelle hieß es da, dass „der Landkreis Goslar einen Abrissstopp verfügt habe“. Ein Hinweis, dem die Redaktion sofort auf den Grund ging. Die Pressestelle des Landkreises Goslar verifizierte dieses Gerücht aber nicht, und erklärte auf Nachfrage: „Ein Abrissstopp wurde nicht verfügt.“
Bernd Frerichs, einer der drei Investoren des Projektes und Gesellschafter der FPV Seesen GmbH & Co. KG, die als Bauherr verantwortlich zeichnet, trat der Behauptung eines vermeintlichen Abrissstopps mit Nachdruck entgegen: „Ich weiß nicht, wer solche Geschichten erzählt. Ich kann aber sagen, dass ich diese ständigen Nörgeleien langsam leid bin. Es wurde kein Baustopp verfügt. Der Stillstand auf der Baustelle hat andere Gründe.“ Gründe, auf die der Investor im Gespräch mit dieser Zeitung aber nicht näher eingehen wollte; beziehungsweise, die er wohl eher nicht in gedruckter Form auf seinem Frühstückstisch sehen will.
Dieses Gebaren lässt am Ende aber eigentlich nur den Schluss zu, dass die Informationshoheit über die Vorgänge beim Abriss des ehemaligen Innenstadt-Kaufhauses am Bes­ten nur in Frerichs und in den Händen seiner Mitgesellschafter liegen sollte. Was vom Grundsatz her auch richtig ist. Doch ungeliebten Spekulationen und Gerüchten kann man in der Regel am Besten mit Transparenz entgegenwirken.
Eine nicht repräsentative Facebook-Umfrage des „Beobachter“ vom 31. Juli förderte nämlich zu Tage, dass das Großprojekt in bester Innenstadtlage durchaus sehr umstritten in der Bevölkerung ist, und vielen der Sinn der Investition bisweilen verschlossen bleibt. Nur wenige Facebook-Nutzer können den Plänen des Investoren-Trios etwas positives abgewinnen. Der Großteil ist der Meinung, dass der Neubau in der Jacobsonstraße nichts an dem eigentlichen Problem im Stadtzentrum ändere. Am Problem großflächiger Leerstände.
So fragen sich die Nutzer der „Beobachter“-Facebook-Seite zum Beispiel, was es bringen soll, wenn eine Bank von einem Gebäude in ein anderes zieht, und das alte Gebäude dann in der Folge leer steht? Oder, welchen Sinn der Neubau bringt, wenn die Stadt dadurch keine neuen Einzelhandelsgeschäfte erhält. So fordern viele der Nutzer, die sich an der Umfrage beteiligt haben, dass es doch sinnvoller wäre, eine Einkaufspassage, vergleichbar der Kaiserpassage in Goslar, zu errichten.
Unabhängig aller Verständnislosigkeit für das Bauprojekt, der wilden Spekulationen und Gerüchte passiert auf dem Gelände des ehemaligen Kaufhauses gegenwärtig gar nichts. Ob das nun an einem verfügten Abrissstopp oder einer fehlenden Baugenehmigung für den Neubau liegt; das bleibt, zumindest vorerst, reine Spekulation.