„Wer einen Engel zum Freund hat, braucht die Welt nicht zu fürchten“

 

Engelausstellung in St. Catharina ist beendet – über 400 Engel sind wieder entschwunden

Bornhausen (bo). Schon draußen im Schnee vor dem Kirchenportal sah man die ersten: Engel, an die Kirchenmauer projiziert. So eingestimmt betrat man den Kirchenraum und wurde gleich in Empfang genommen von einer wohltuenden Atmosphäre. Leise Orgel- und Bläsermusik erreichte das Ohr; den Augen schmeichelten Kerzenlicht und dezente Lichterketten. Suchend fand der Blick hinter dem Altar im mittleren Fenster den großen, eleganten Holzengel, so, als ob er schon immer dort gestanden hätte.
Wer mit dem Innenraum der Kirche vertraut ist, erkannte sofort die Veränderungen. Unter dem Weihnachtsstern stand nicht wie sonst in der Adventszeit die Krippe – sondern ein Gebirge, auf dem sich eine Vielzahl weißer Engel auf dunkelblauem Samt versammelt hatte. Gegenüber alle in Gold: sitzend, kniend, liegend, schwebend. Daneben die Terracotta-Engel: eine fröhliche Gesellschaft. Und dann die rot-goldenen, auch hier jeder ein Einzelstück. Strohengel, schwebend an der Empore. Und dort auch der größte: lebensgroß, von den Vorkonfirmandinnen und Vorkonfirmanden gestaltet, schwebte er zur Orgel empor. Unter der Empore eine Himmelsleiter mit Engeln, gefaltet aus Gesangbuchseiten: eine Interpretation des alttestamentlichen Bibeltextes von „Jakob und der Himmelsleiter“, den man auf den Sprossen lesen konnte. Am Taufbecken, auf dem Altar, auf und vor der Kanzel, am Adventskranz, an der Kerzenkugel: überall Engel, jeder mit einer eigener Geschichte. Und diese Geschichten hatten viele der Besitzer auch aufgeschrieben, sehr persönliche, berührende, nachdenklich machende Gedanken – wie zum Beispiel die der drei kleinen Holzengel aus dem Jahre 1938, die durch Krieg und Flucht nicht mehr heil sind, aber Engel bleiben.
Auch ganz ungewohnte Gestalten waren zu sehen: Holzfundstücke, kombiniert mit Schrott – Abfall sozusagen. „Fallen diese Engel aus dem Rahmen?“ oder symbolisieren sie etwas von dem Teil des Lebens, der eben nicht nur engelsgleich, formvollendet und glänzend ist, sondern eher verschroben und ungehobelt. Eine Anregung zum Nachdenken.
„Engel in unserem Leben“ liest man auf einem wunderschönen Plakat über dem Taufbecken. Da sind sie nun und sollen sie blieben, die Engel unserer Tage: unsere Kinder, jüngere und ältere. Väter und Mütter, ganze Familien. Der Rahmen – ein Kirchenumriss – füllte sich täglich mehr mit Fotos und Namen.
Der Schutzengel ist vielen Menschen vertraut und wohl die bekannteste Engelgestalt. Für einige Menschen so wichtig, dass sie es sich doch nicht vorstellen konnten, ihren persönlichen Schutzengel aus dem Auto oder vom Nachttisch in die Ausstellung zu geben, sie sollten lieber ihren festen Platz behalten – wie gut, wenn man nicht alleine ist. Ausruhen vom Schauen und Lesen konnte man überall in der Kirche auf besondere Weise – sogar zwei himmlische Schaukeln luden ein, sich sanft zu wiegen und dabei eins der zahlreichen Bücher in die Hand zu nehmen. „Entschleunigung“. Hier konnte man sie erleben.
Wer sich noch nie gedanklich mit dem Thema „Engel“ befasst hat, wurde in dieser Ausstellung an die Hand genommen. Texte in Gedichtform hingen ringsherum an den Kirchenwänden, gerahmt, auf Goldkarton oder mit Goldstift auf meterhohe Banner geschrieben. Sie stellten einen ersten Bezug zum Thema her und durften auch mitgenommen werden. Was sind eigentlich Engel? Warum beziehen sich so viele Menschen auf sie? Wie sehen sie wohl aus? Antworten gibt es viele. Eindeutig können sie nicht sein. Aber durchgängig eindeutig war die positive Rückmeldung der Gäste. „Mir ging das Herz auf“ – so schrieb eine Besucherin der Kirchenausstellung ins Gästebuch. Und nun kann Weihnachten werden.