Wer ist der Grapscher?

Zu keinem Ergebnis kam Strafrichter Rüger bei der Verhandlung gegen einen 22-Jährigen. Jetzt müssen erst noch weitere Fakten recherchiert werden, bevor es weitergehen kann.

22-jähriger Seesener steht unter dem Verdacht eine Frau (22) begrapscht und beleidigt zu haben

Ein 22-jähriger Mann aus Seesen steht unter dem Verdacht am 16. Juli vergangenen Jahres einer jungen Frau, ebenfalls 22 Jahre alt, an die Brust gefasst zu haben und sie mit den Worten: „Geile Dinger! Ich wollte mal sehen, was du da so hast!“, beleidigt zu haben. Der arbeitslose Fachinformatiker für Systemintegration bestreitet die Vorwürfe, und erklärt zum besagten Zeitpunkt vor dem heimischen Rechner gesessen zu haben.
Nun hat sich die Geschichte auch ihren Weg vor das Seesener Amtsgericht gebahnt, wo Amtsrichter Frank Rüger am Mittwoch der Frage nach dem Täter auf den Grund ging.
Der 22-jährige Angeklagte erschien mit seinem Anwalt und seinen Eltern, die als Zeugen geladen waren, vor dem Richter. Müsste man einen Informatiker beschreiben, würde wahrscheinlich in 90 Prozent der Fälle ein Bild entstehen, wie es der junge Mann abgibt. Groß gewachsen, schlaksig, Brille, kurze Haare und eine Mimik, die nur wenig über Gedanken und Gefühle verrät.
In seiner Befragung durch Richter Rüger bestätigte der 22-Jährige lediglich seine Personalien und sagte, dass er nichts mit der ihm vorgeworfenen Tat zu tun hat.
Das 22-jährige Opfer, eine angehende Krankenschwester, schilderte Oberstaatsanwalt und Richter dann den Tathergang. An dem Nachmittag war sie laufen und befand sich in Höhe der Star-Tankstelle im Verlauf der Braunschweiger Straße, als sie ihr Tempo verlangsamte, um einen neuen Song auf ihrem MP3-Player einzustellen. In diesem Moment näherte sich der Täter von hinten und grapschte ihr an die Brust.
Total perplex von der Attacke sprang die junge Frau zur Seite und blickte ins grinsende Gesicht eines jungen Mannes, der eine Brille und ein Basecap trug, und dem 22-Jährigen auf der Anklagebank sehr ähnlich sehe.
Zur Identifizierung des 22-Jährigen ist es durch Hinweise aus dem Bekanntenkreis und einer Lichtbildvorlage bei der Polizei gekommen. Eine 19-jährige Kollegin des Opfers, die ebenfalls als Zeugin vor Gericht aussagte, meinte in einem Gespräch, dass es sich bei dem Täter nur um den 22-jährigen Informatiker handeln könne, da erstens die Beschreibung passe und der junge Mann zudem einen zweifelhaften Ruf genieße. So soll es in der Vergangenheit schon häufiger vorgekommen sein, dies schilderte die 19-Jährige, dass der Angeklagte via Facebook junge Frauen belästigte, und in einer Seesener Kneipe ein minderjähriges Mädchen mit eindeutigen Äußerungen bedrängt habe.
Der Vater des Angeklagten, ein 58-jähriger Werkzeugmacher, wurde dann zum Alibi seines Sohnes befragt. Der Mann sagte aus, dass das Auto seines Jungen in der Einfahrt stand, als er von der Arbeit nach Hause kam. Dies deute eigentlich immer daraufhin, dass sich sein Sohn im Haus befände, da er eigentlich keine Strecken zu Fuß zurücklege. Er habe seinen Sohn damals aber nicht gesehen, sondern erst später beim Abendbrot.
Richter und Oberstaatsanwalt reichten an diesem Tag die Erklärungen der Zeugen nicht aus, um den Angeklagten zu belasten beziehungsweise zu entlasten. Aus diesem Grund soll nun der Rechner des jungen Mannes von einem Sachverständigen überprüft werden. Nach Ansicht von Anwalt, Oberstaatsanwalt und Richter müsse es nämlich möglich sein genau zu identifizieren, ob der 22-Jährige zum Tatzeitpunkt vor seinem Rechner saß. Seine Eltern können es nicht gewesen sein, da der Informatiker seinen Rechner mit einem Passwort vor Fremdzugriff sperrt. Die Analyse durch den Sachverständigen kann aber nur erfolgreich sein, wenn der Angeklagte nichts am Betriebssystem des Computers verändert hat.
Nach Abschluss dieser Analyse wird das Verfahren fortgesetzt. Ob die Vorwürfe gegen den jungen Mann dann noch haltbar sind, ist eine spannende Frage.