Wer nicht schippen will, muss womöglich zahlen

Morgens Schnee zu schippen, macht nicht unbedingt Spaß, muss aber sein. Eine städtische Satzung schreibt vor, dass auf dem Bürgersteig ein Streifen von einem Meter Breite freigeräumt werden muss.
 
Die Räumfahrzeuge sind jetzt wieder im winterlichen Einsatz – wie hier in Klingenhagen. Keine Schneewehe wird verschont. Die Bauhofmitarbeiter „schieben“ Überstunden.

Räumpflicht wird nicht überall eingehalten / Mitarbeiter des Baubetriebshof Seesen sind aktuell im Dauereinsatz

Schnee sieht schön aus. Für die Fortbewegung – egal ob zu Fuß oder mit dem Auto – ist er allerdings eher hinderlich. Deswegen wird der Schnee weggeräumt, auf den wichtigen Straßen vom Baubetriebshof und der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr sowie auf den Gehwegen von den Anliegern. So sollte es jedenfalls sein. Beim Räumen durch die Anwohner hapert es allerdings, weiß Bürgermeister Hubert Jahns zu berichten.


Von Ulrich Kiehne

Seesen. „Viele Bürgerinnen und Bürger kommen der Räumpflicht dieser Tage leider nicht nach“, sagte der Bürgermeister, der gestern deshalb das Gespräch mit dem „Beobachter“ suchte. „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Anlieger in der Verpflichtung sind.“ Wer nicht schippt, kann sogar zur Kasse gebeten werden. Wie viel zu zahlen ist, ist vom Einzelfall abhängig, weiß Fachbereichsleiter Ordnung Uwe Zimmermann. „Das kann zwischen 50 und 100 Euro sein, wobei wir die Bürger zunächst einmal ermahnen und an ihre Räumpflicht erinnern!“
Doch wer muss eigentlich was räumen? Im Prinzip ist es einfach: Für Gehwege (auch Schulwege können dazu gehören) am Grundstück ist der Grundstücksbesitzer zuständig und muss dafür Sorge tragen, dass ein mindestens ein Meter breiter Streifen schneefrei und rutschfest ist. Mietern hilft ein Blick in den Mietvertrag, dort sollte die Räum­pflicht geregelt sein. Räum­pflichtig sind die Anlieger montags bis samstags ab 7 Uhr, sonntags ab 9 Uhr.
Wer zum Winterdienst verpflichtet ist, muss diese Arbeit erledigen. Es gibt keine Entschuldigungsgründe. Berufs­tätige oder Mieter, die aufgrund von Alter, Krankheit oder Urlaub nicht in der Lage sind, den Winterpflichten nachzukommen, müssen für eine Vertretung sorgen.
Und wie sieht es mit der Räumpflichtung der Kommune aus? Wie Fachbereichsleiter Alexander Nickel dazu erklärt, sind in Seesen und Umgebung zum einen der Baubetriebshof und zum anderen die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (ehemals Straßenmeisterei) für das Räumen auf den Fahrbahnen zuständig.
Während der Baubetriebshof innerorts dafür Sorge trägt, dass die Fahrbahnen frei sind, ist die Landesbehörde außerhalb der Ortsgrenzen zuständig. Hauptstraßen werden dabei mehrfach täglich geräumt, Nebenstraßen mindestens einmal pro Tag, wobei man versuche, auch hier noch ein weiteres Mal zu fahren,so Nickel.
Viele pflichtbewusste „Schneeschipper“ regen sich dennoch auf. Hat der Bürger seine Pflicht erledigt, kommt das Räumfahrzeug und schüttet alles wieder zu. Beispielsweise die Zufahrten. Ein echtes Ärgernis. „Eine andere Möglichkeit gibt es aber nicht“, so Alexander Nickel. Dann muss eben ein zweites Mal zur Schaufel gegriffen und der Schnee weggeschaufelt werden. Wichtig ist in jedem Fall, dass der ein Meter breite Fußweg frei und rutschfest ist.
Der Winter hat Deutschland also weiter in seiner eisigen Hand. Zum Wochenende kann sogar noch mehr Schnee fallen. Schuld daran ist Tief „Petra“. Deutschlands Wetterlage ähnelt dieser Tage immer mehr der am Nordpol. Doch während sich dort die Eskimos routiniert die Wege samt Huskies und Gespann bahnen können, fragt man sich hier zu Lande, wie denn bloß der Weg zur Arbeit bestritten werden soll.
Die Streusalz-Knappheit und das Schneechaos sind derzeit in aller Munde. Der „Beobachter“ hat daher auch beim Baubetriebshof nachgehakt. Dessen Leiter Thorsten Voll­brecht gibt Entwarnung: Derzeit sei noch genügend Streusalz vorhanden. Wenn es knapp werde, wird vermehrt mit einem Splittgemisch gestreut, da dieses dann für eine bessere Straßenhaftung sorge. Thorsten Vollbrecht: „So schlimm wie im letzten Jahr ist es gottlob aber noch nicht!“
Geräumt wird bis alle Straßen wieder problemlos von den Autofahrern passiert werden können. Erst dann können die Angestellten des Baubetriebshofs Feierabend machen. Doch auch dann kann jeden Moment das Telefon klingeln – bei starken Schneefällen rücken die Einsatzfahrzeuge ein weiteres Mal aus. Der Wintereinbruch macht den Angestellten ganz schön zu schaffen. Sie nehmen es wie es kommt, außerdem sind die meisten der Angestellten schon seit Jahren dabei, kennen sich aus.
Beim Baubetriebshof sind derzeit 27 Mitarbeiter im Dauereinsatz. Der Arbeitstag beginnt für die meisten gegen 4.30 Uhr. Mit vier Großfahrzeugen, einem Multicar, Schleppern und Unimogs rücken meist rund acht Beschäftigte aus, um die Straßen zu räumen. Die restliche Belegschaft ist für die Handreinigung der Gehwege zuständig.
Wie erwähnt: Laut Wetterbericht ist am Wochenende mit weiteren Schneefällen und damit auch örtlichen Schneeverwehungen zu rechnen.
Des einen Leid, des andern Freud: Die Skiläufer und Rodler kommen voll auf ihre Kos­ten. Gedulden müssen sich jedoch die Schlittschuhläufer. Eisflächen dürfen erst betreten werden, wenn das Eis mindestens 13 Zentimeter dick ist.