Wiederholungstäterin vor Gericht

Angeklagte streitet ab, gefahren zu sein /Vergleichsfoto erstellt

Seesen (AK). 320 Euro Bußgeld sollte eine 40-jährige Frau aus Bovenden für die Geschwindigkeitsüberschreitung von 27 km/h mit ihrem Skoda auf der Strecke von Osterode nach Seesen zahlen. Auch ein Fahrverbot von einem Monat wurde über sie verhängt. Ihr Einspruch, sie sei an diesem Tag gar nicht gefahren, führte nun zu einer Verhandlung vor dem Seesener Amtsgericht.
Um zu klären, ob die Fahrerin auf dem Blitzerfoto tatsächlich die Angeklagte ist, wurde die Direktorin des Instituts für Forensische Anthropologie in Wettenberg, Dr. Kerstin Kreutz, zu Rate gezogen. Nach Einsicht der Akte und der Erstellung eines Fotos der Betroffenen zum direkten Vergleich, konnte eine Auswertung der Merkmalsübereinstimmungen beider Gesichter vorgenommen werden. Dabei kam die Sachverständige zu dem Ergebnis, dass keine ausschlaggebenden Abweichungen in den Hauptmerkmalen außerhalb des Variationsbereichs festzustellen seien. So stimmten zum Beispiel Hals- und Gesichtslänge sowie die Formgebung von Augenbrauen und Ohren auf beiden Fotos überein, wobei natürlich auch andere Charakteristiken der Gesichter berücksichtigt wurden. Zum Einwand des Verteidigers, die Ohrläppchen der Frau auf dem Fahrerfoto seien angewachsen, die seiner Mandantin jedoch nicht, verwies Dr. Kerstin Kreutz auf die Überbelichtung einiger Gesichtspartien, die eine derartige Aussage nicht eindeutig zuließe. Trotzdem sei die Qualität des Bildes zur Identitätsermittlung gut geeignet.
Nach Schließung der Be­weis­aufnahme, räumte der Verteidiger zwar eine gewisse Ähnlichkeit seiner Klientin mit der Fahrerin ein, befand diese jedoch als nicht ausreichend für eine Verurteilung und beantragte deswegen Freispruch.
Richter Frank Rüger verurteilte die Angeklagte, die in der Vergangenheit schon öfter durch Geschwindigkeitsüberschreitungen in Erscheinung getreten war, zu einer Geldstrafe von 200 Euro und einem Monat Fahrverbot. Die fachmännische Beurteilung der Gesichtsmerkmale und seine eigene Einschätzung des Falles ließen ihn zu diesem Schluss kommen. „Ich war das nicht, für alles, was ich bisher getan habe, habe ich geradegestanden, aber das war ich nicht!“, betonte die 40-Jährige aus Bovenden während der Verhandlung immer wieder. Es bleibt also abzuwarten, ob gegen das Urteil Revision oder Berufung eingelegt wird.