Wiedersehen macht Freude: Schulden nach fünf Jahren beglichen

Verfahren gegen 43-Jährigen aus Osterode wurde eingestellt

Seesen (hz). Dass es sich bei dem Vorwurf des Betruges der Braunschweiger Staatsanwaltschaft gegen einen 43-jährigen Mann aus Osterode weder um Prostitution noch um Heiratsschwindel handelte, versuchte der Angeklagte am vergangenen Mittwoch dem Vorsitzenden Richter Frank Rüger verständlich zu machen. Denn ein Blick in die Akten ließ solche Vermutungen recht schnell zu:
Der Außendienstmitarbeiter eines Lebensmittelgroßhandels und massiv als Betrüger vorbestrafte Arne B. wurde im März 2006 erneut durch zwei Straftaten auffällig. Gleich zweimal lieh sich der Angeklagte Geld von einer Seesenerin in der Absicht, dieses nicht zurückzuzahlen, so die Anklageschrift.
In seiner Einlassung bemühte sich Arne B., die Vermutungen der Staatsanwaltschaft und Richter Frank Rüger, dass es sich eventuell um Prostitution oder Heiratsschwindel handeln könne, zu entkräftigen. In einer Kontaktbörse im Internet hatte der Angeklagte eine Frau aus Seesen kennen gelernt, mit der er eine rein sexuelle Beziehung aufbaute. Das Paar teilte die gleichen Neigungen und verkehrte gerne in Swingerclubs. Im Laufe der Beziehung machte Arne B. der 43-jährigen Frau aus Seesen das Angebot, ihr auch weitere Kontakte beschaffen zu können. Mit einer „schnellen Nummer“ im Auto könne sie sich schnell mehrere hundert Euro dazuverdienen. Den Vorschlag lehnte die Seesenerin ab – dennoch begann sie sich in den Angeklagten zu verlieben. Als dieser ihr wenige Zeit später von seinen Geldproblemen erzählte, wollte die 43-Jährige gerne helfen. Zunächst lieh sich Arne B. 2000 Euro von der gutmütigen Seesenerin. Kurze Zeit später kamen weitere 1500 Euro dazu. Natürlich wollte der in Geldnöten steckende Liebhaber das Geld so bald wie möglich zurückzahlen – wann verriet er der 43-Jährigen jedoch nicht.
Schließlich brach der Kontakt ab; Arne B. war für die Seesenerin unerreichbar, und auch das Geld sah sie nie wieder – bis zum Tag der Verhandlung am vergangenen Mittwoch. Aufrichtig entschuldigte sich der Angeklagte bei seiner ehemaligen Geliebten und erklärte sein plötzliches Verschwinden durch einen langen Krankenhausaufenthalt. Das Geld, insgesamt 3500 Euro, welches sich Arne B. von seinen Eltern geliehen hatte, überreichte er nach ganzen fünf Jahren der 43-jährigen Seesenerin.
Weil sich Richter Frank Rüger mit dem Betrugstatbestand schwer tat, wurde das Verfahren eingestellt. Grund hierfür war, dass Arne B. das Geld nicht selbst gefordert hatte, sondern angeboten bekam. Es wurde kein bestimmter Zeitpunkt für die Rückzahlung vereinbart, und der Schaden wurde wieder gutgemacht.