Wildkätzchen keinesfalls aus Wald mitnehmen

Könnten mit Hauskatzen verwechselt werden: zwei junge Wildkatzen. (Foto: T. Stephan / BUND)

BUND: Kleine Samtpfoten werden aus falsch verstandener Tierliebe oft von Mutter getrennt

In diesen Wochen ist es wieder soweit: In den Wäldern Niedersachsens erblicken kleine Wildkätzchen das Licht der Welt. Zwei bis vier Wildkatzenjunge werden pro Wurf – meist im März und April – zur Welt gebracht. Da die Wildkatzenmutter sich und ihre Jungen mit Mäusen versorgen muss, lässt sie den Nachwuchs teils über Stunden allein. Die kleinen Katzen sind, wie die meisten Tierkinder, sehr neugierig und spielen dann oft vor ihren Verstecken oder auf Wegen und werden dort von Wanderern oder Spaziergängern entdeckt.
„Gerade junge Wildkatzen sehen grau getigerten, jungen Hauskatzen zum Verwechseln ähnlich. Immer wieder kommt es deshalb vor, dass Wildkatzenkinder aus dem Wald mitgenommen werden“, erklärt Charlotte Dietrich, Projektkoordinatorin des BUND für die Wildkatze in Niedersachsen. „Natürlich meinen es die Menschen nur gut und wollen einem vermeintlich hilflosen Haustier helfen. Allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, dass es sich um verlassene Hauskatzenjunge handelt, denn diese bewegen sich normalerweise nicht mit ihren Jungen in den Wald.“
Die jungen Wildkätzchen werden so aus falsch verstandener Tierliebe leider oft von ihrer Mutter getrennt und landen dann in Tierheimen. Diese Einrichtungen sind, ebenso wie Privathaushalte, völlig ungeeignet für Wildkatzen. Die Tiere müssen dann an spezialisierte Einrichtungen vermittelt werden, wo sie mit großem Aufwand aufgepäppelt und schließlich – sofern möglich – wieder ausgesetzt werden. Oft gelingt dies nicht, in jedem Fall bedeutet das Ganze einen großen und vollkommen unnötigen Stress für die Tiere. Wer also beim Waldspaziergang maunzende Katzenkinder, zum Beispiel in aufgestapelten Holzpoltern, sieht oder hört, hat vielleicht eine Wildkatzenfamilie entdeckt. In diesem Fall sollte man die Tiere einfach in Ruhe lassen. In aller Regel sind die Wildkatzenbabys gut von ihrer Mutter versorgt – sobald die Zweibeiner wieder außer Sicht sind.
Das Motto „Bitte nicht stören!“ gilt übrigens nicht nur für die Wildkatze. Die Frühjahrszeit ist die saisonale Wurf- und Setzzeit für viele Wildtiere. Aus diesem Grund gilt derzeit auch die Leinenpflicht für Hunde (der „Beobachter“ berichtete).