Wo sind die Gartenvögel geblieben?

Auch Meisen – hier eine Haubenmeise – werden in diesem Winter deutlich weniger gezählt. (Foto: Frank Derer)

Gründe für geringe Zahl unklar / Mitmachaktion „Die Stunde der Wintervögel“ vom 6. bis 8. Januar

In den vergangenen Wochen erreichten den NABU bundesweit vermehrt Meldungen, dass die zu dieser Jahreszeit üblichen Vögel am Futterhäuschen oder im Garten vermisst werden.

Auch die Betreiber der „Citizen Science“-Plattform naturgucker.de , bei der Bürger ihre Naturbeobachtungen melden können, haben beim Vergleich mit den entsprechenden Daten der Vorjahre festgestellt, dass einige Arten wie Kohl- und Blaumeisen, aber auch Eichelhäher und Amseln in diesem Jahr deutlich weniger häufig gemeldet werden.
Als Ursache wird dabei oft ein Zusammenhang mit der derzeit in den Medien sehr präsenten Geflügelpest vermutet. Hier kann der NABU Niedersachsen aber Entwarnung geben: „Singvogelarten werden generell nicht von der aktuellen Form der Vogelgrippe befallen, und auch die betroffenen Wildvogelarten, meist Wasservögel oder Aasfresser sterben lediglich in so geringen Zahlen, dass Auswirkungen auf die Gesamtpopulationen nicht feststellbar wären.“
Die Zahlen der gefiederten Gäste an Gartenfutterstellen können im Verlauf des Winters stark schwanken. Gibt es dann Phasen, an denen im eigenen Garten nichts los ist, wird schnell ein allgemeines Vogelsterben befürchtet. Vor allem wenn über Vogelkrankheiten – neben der Vogelgrippe auch das Amselsterben durch das Usutu-Virus und das Grünfinkensterben – in diesem Jahr viel berichtet wurde.
Die aktuellen Hinweise sprechen aber dafür, dass tatsächlich derzeit weniger Vögel in Gärten zu sehen sind. „Eine umfassende Erklärung dafür gibt es bisher jedoch nicht. Wahrscheinlich ist, dass viele Vögel derzeit in den Wäldern aufgrund eines guten Baumsamenjahres und anhaltend milder Witterung noch genug Nahrung finden, und deshalb bisher Futterstellen in Gärten weniger nutzen“, so er NABU. Die milden Temperaturen könnten auch dafür gesorgt haben, dass es bisher nur wenig Zuzug aus dem Norden und Osten Europas gab. Nicht zuletzt könne aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass heimische Gartenvögel in diesem Jahr aufgrund widriger Witterung weniger Junge aufziehen konnten.
Nicht zu unterschätzen sind aber weitere Faktoren wie die zunehmend intensivierte Landwirtschaft oder der Einsatz von Pestiziden wie Neonicotinoide, die die Lebens- und Ernährungsbedingungen von Wildvögeln dramatisch verschlechtern. Gerade der auffällige Mangel an Fluginsekten kann vielen Vogelarten besonders in kritischen Phasen wie einem nasskalten Frühjahr zusätzliche Nachteile bringen. „Nahezu alle Singvögel sind in der Fortpflanzungsphase auf Insektennahrung angewiesen“, erläutert der NABU Niedersachsen. „In Europa leben heute rund 450 Millionen Vögel weniger als noch vor drei Jahrzehnten und die Roten Listen werden immer länger“. Um den qualitativen und quantitativen Verlust der Vögel aufzuhalten oder gar wieder umzukehren, reichten die bisherigen Anstrengungen der Politik zum Schutz der Biodiversität und insbesondere der Vögel nicht aus.
Aufschluss über das Fehlen der Vögel und seine Hintergründe kann die große Mitmachaktion der „Stunde der Wintervögel“ geben: Vom 6. bis 8. Januar 2017 findet sie zum siebten Mal bundesweit statt. Der NABU Niedersachsen ruft Naturfreunde auf, eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und dem NABU zu melden. Um Bestandszu- oder -abnahmen feststellen zu können, hofft der NABU gerade in diesem Jahr auf eine rege Beteiligung bei Deutschlands größter wissenschaftlicher Mitmachaktion.
Beobachtungen können im
Internet gemeldet werden
Die Wintervogelzählung funktioniert ganz einfach: Von einem ruhigen Beobachtungsplätzchen aus wird von jeder Art die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu beobachten ist. Die Beobachtungen können dann im Internet unter www.stundederwintervoegel.de bis zum 16. Januar gemeldet werden. Die Ergebnisse werden dort ausgewertet. Zudem ist am 7. und 8. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Rufnummer (0800) 1157115 geschaltet.
Das pure Interesse und die Freude an der Vogelwelt reichen zur Teilnahme aus, eine besondere Qualifikation ist für die Wintervogelzählung nicht nötig. Bei der letzten großen Vogelzählung im Januar 2016 beteiligten sich bundesweit über 93.000 Menschen. Insgesamt gingen Meldungen aus 63.000 Gärten und Parks mit über 2,5 Millionen gezählten Vögeln ein. In Niedersachsen reichten knapp 11.000 Vogelfreunde Meldungen von über 283.000 Vögeln aus knapp 7.000 Gärten ein. Der Haussperling hatte in Niedersachsen „den Schnabel vorn“. Auf den weiteren Plätzen folgen Kohlmeise, Amsel, Blaumeise und Feldsperling. Nun erhoffen sich NABU und NAJU auch im Jahr 2017 wieder eine rege Beteiligung. Denn je größer die Teilnehmerzahl ist, desto wertvoller und aussagekräftiger werden die Ergebnisse.
Der Haussperling ergatterte damals den Spitzenplatz als häufigster Wintervogel in Deutschlands Gärten, die Kohlmeise Platz zwei. Auf den Plätzen drei bis fünf folgten Blaumeise, Feldsperling und Amsel.
Der NABU Niedersachsen bietet zur Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ ein Infopaket mit allen weiteren Informationen samt Zählhilfe und Wintervogelporträts sowie Tipps zur Winterfütterung gegen einen fünf Euro Schein an: NABU Niedersachsen, Stunde der Wintervögel, Alleestraße 36, 30167 Hannover.
Nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr, geht die Schulstunde der Wintervögel nun in die zweite Runde. Da zum Zählwochenende noch Schulferien sind, können sich Schulen, Kitas und Gruppen in der Woche vom 9. bis 13. Januar an der großen Zählaktion beteiligen. Ein NAJU-Paket mit Aktionsideen für jeden Tag, einer Wintervogelrallye, Zählkarten und mehr können Schulen, Kitas und Gruppen gegen zwei Briefmarken zu 1,45 Euro bestellen. Die Gruppen-Bestellung unter Angabe der Postadresse ist zu richten an folgende E-Mail-Adresse: info@NABU-niedersachsen.de Die Zählergebnisse der Kinder fließen ebenfalls in die NABU-Auswertung ein.
Wer sich auf die Stunde der Wintervögel vorbereiten möchte, kann schon vorab beim „naturgucker.de“-Wettbewerb mitmachen: Vom 16. Dezember 2016 bis 5. Januar 2017 hat jeder Teilnehmer pro gemeldeter Naturbeobachtung die Chance auf einen Gewinn. Mehr unter: www.naturgucker.info/wettbewerb-2017/

Informationen zur Aktion unter www.stundederwintervoegel.de