Wodkadieb muss hinter Gitter, Taxifahrer soll blechen

Haftstrafe: 29-Jähriger Seesener sorgt sich um Verbleib seiner Katzen / Unfall bagatellisiert und zu 2000 Euro Strafe verurteilt

Während sich ein 29-jähriger Mann den Kopf darüber zerbricht, was aus seinen Katzen wird, wenn er im Gefängnis sitzt, zeigte sich ein 68-jähriger Seesener Taxiunternehmer vom Urteil relativ unbeeindruckt. Wegen Diebstahls wurde der Katzenliebhaber zu einer zweimonatigen Freiheitsstrafe verurteilt, die nicht mehr zur Bewährung ausgesprochen wurde. Der Taxifahrer muss indes 2000 Euro Strafe zahlen und darf sich für zwei Monate nicht mehr hinter das Steuer setzen.
Worum ging es im Einzelnen? Der 29-jährige in Kasachstan geborene Seesener, der wegen Diebstahl angeklagt war, saß nicht zum ersten Mal auf der Anklagebank. Insgesamt befinden sich 14 Vorstrafen in dem Registerauszug des Mannes – davon sind allein fünf einschlägig.
Der seit nunmehr sechs Jahren arbeitslose Kraftfahrzeugmechaniker hatte am 20. Januar 2011 versucht zwei Flaschen Wodka aus einem Lebensmittlemarkt zu stehlen. Laut eigener Aussage hatte er den Wodka nicht selbst trinken wollen. Ein Bekannter hatte ihn gebeten, die Flaschen zu klauen. Dieser wiederum hatte bereits wegen mehrfacher Diebstähle ein Hausverbot erteilt bekommen.
Die Staatsanwältin und Richter Frank Rüger konnten dem 29-Jährigen keine positive Sozialprognose mehr stellen. Wer über ein solches Vorstrafenregister verfüge, und zudem noch unter Bewährung steht, während er die nächste Straftat begeht, könne vor Gericht kein mildes Urteil mehr erwarten. Kostenpflichtig wurde der Katzenbesitzer zu einer zweimonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt.
Mit den Worten „Entweder Sie leben nach unseren Regeln, oder sie gehen ins Gefängnis“ verkündete Richter Frank Rüger das Urteil. Der Angeklagte verließ den Verhandlungssaal und sorgte sich um seine beiden Katzen, die während dieser Zeit betreut werden müssten – das Urteil hatte er nicht angenommen.
Der 68-jährige Taxiunternehmer, der wegen fahrlässiger Körperverletzung und unerlaubten Entfernen vom Unfallort angeklagt war, nahm den im Strafbefehl verlesen Vorfall wohl etwas zu sehr auf die leichte Schulter und verließ den Gerichtssaal statt mit einem blauen Auge mit einer empfindlichen Geldstrafe.
Den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte Richter Frank Rüger nicht erlassen – demnach sollte der Angeklagte eine Geldstrafe in Höhe von 1400 Euro zahlen und einen Monat lang auf den Führerschein verzeichten. Nach Aktenlage aber schien der Vorfall nicht so gravierend und so wollte sich Richter Frank Rüger ein eigenes Bild von dem Ereignis verschaffen. Auch die Staatsanwältin hatte das so empfunden und dachte vor Beginn der Verhandlung an eine etwas geringere Geldstrafe als im Strafbefehl gefordert.
Unachtsam hatte der Taxifahrer am 18. Januar 2011 das Grundstück eines Ärztezentrums in der Bornhäuser Straße verlassen. Hierbei übersah er eine Fahrradfahrerin, die durch einen leichten Zusammenstoß mit dem Fahrzeug zu Fall kam. Diese, mit einem starken Schreck und ein paar blauen Flecken davon gekommen, wusste allerdings nicht wie ihr geschah, als der Taxifahrer den Zusammenstoß bagatellisierte. Er stieg aus seinem Fahrzeug aus, fragte die Frau, die sich noch garnicht wieder gesammelt hatte, ob etwas passiert sei und sah den Unfall als kleinen „Schubser“ an. Mit den Worten „Falls etwas ist – sie kennen mich ja!“ verließ der Taxifahrer den Unfallort. Die Fahrradfahrerin kannte den rüpelhaften Fahrer nicht, konnte sich jedoch das Kennzeichen merken. Vor Gericht zeigte sich der Taxiunternehmer unbeeindruckt und bagatellisierte den Vorfall abermals.
Richter Frank Rüger verurteilte den 68-Jährigen, der sich seit fast einem Jahr in einer Privatinsolvenz befindet, zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro. Weiterhin muss er zwei Monate auf seinen Führerschein verzichten. hz