Zeugnisse – nicht jeder kann sich freuen

Hannah Seidig, Fabienne Engel und Klara Nußbaum (von links) sagen, dass Lehrer ein Zeugnis bekommen sollten. (Foto: Winkler)
 
Rebecca Mittendorf bekommt ihr erstes Zeugnis vom Jacobson-Gymnasium. (Foto: Winkler)

Die Klassenstufen fünf bis neun des Jacobson-Gymnasiums über das Thema „Noten und Zeugnisse“

Das erste Halbjahr des laufenden Schuljahres ist zu Ende. Heute gibt es Zeugnisse. Für manche ein Grund zur Freude, für manche ein Tag, der ihnen den kalten Schweiß auf die Stirn treibt. Jennifer Winkler und Laura Friedhoff, Pratikantinnen beim „Beobachter“, haben sich in ihrer Schule, dem Jacobson-Gymnasium, mal umgehört, ob die Schüler mit den vergebenen Noten zufrieden sind, und ob manche Angst haben das Zeugnis ihren Eltern zu präsentieren.

Von Jennifer Winkler
und Laura Friedhoff

Seesen. Im Rahmen der Umfrage zur heutigen Zeugnisausgabe kristallisiert sich heraus, dass ungefähr 40 Prozent der befragten Schüler mit ihrem Zeugnis nicht zufrieden sind. „Ich bin mit meinem Zeugnis zufrieden, jedoch war es letztes Jahr besser“, erzählt die 14-jährige Schülerin Nicole Barnert.
Bei einem Thema ist sich die Klasse 7f einig: alle finden die Notengebung ungerecht. Sie behaupten, dass Lehrer im ersten Halbjahr den Schülern aus Prinzip schlechtere Noten geben. Dazu sagt der Mathe- und Physiklehrer Dietrich Naujok, dass die schlechtere Note zum Halbjahr die Schüler anspornen soll, mehr zu lernen. „Ich finde es manchmal schwierig, Noten zu geben, weil ich gerecht bleiben möchte“, eklärt Pädagoge Martin Neumann. „Da man aber einige Schüler schlecht nach ihrem Arbeitsverhalten beurteilen kann, ist es nicht immer einfach für uns Lehrer. Und es macht mir sicher keinen Spaß, schlechte Noten zu geben “, ergänzt Neumann. Er unterrichtet am Jacobson-Gymnasium Mathe und Physik. Nicht alle Schüler schaffen das Halbjahr ohne Fünfen zu überstehen. Die Versetzung ist dann gefährdet.
„Ich habe keine Angst, mein Zeugnis zu Hause zu zeigen, weil meine Eltern die Noten eh schon kennen“, berichtet Jonas Alt aus der sechsten Klasse.
Eine Elternbefragung von TNS Infratest sagt indes aus, dass 15 Prozent der Eltern bei der Zeugnisvergabe keine Stresssymptome bei ihrem Kind feststellen, sie aber davon ausgehen, dass es Angst und Stress hat. Zum Thema Stress sagt Fabienne Engel aus der 9e: „Vor den Zeugnissen war es ein bisschen stressig, auf Grund der vielen Arbeiten“. Den Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium empfand die Fünftklässlerin Rebecca Mittendorf als stressig, da die Anforderungen deutlich anstiegen.
Die häufigsten Belohnungen für gute Zeugnisse sind Geld und Schokolade. Manche Kinder gehen aber auch mit ihren Eltern nach der Zeugnisvergabe Essen oder ins Kino.
Wie erwartet bewerten die Schülerinnen und Schüler in den befragten Klassen ihre Noten als ungerecht. Sie sind der Meinung, dass Sympathie bei der Bewertung eine große Rolle spielt. „Dies ist eine interessante Frage, sagt Neumann, dazu kann ich nur sagen, dass Sympathie nicht zu besseren Noten verhelfen darf.“
Nicht nur Noten empfinden die Schülerinnen und Schüler des Jacobson-Gymnasiums Seesen als ungerecht, sondern auch die Bewertung des Sozialverhaltens. Die 14-jährige Nele Töpperwien ist der Meinung: „Lehrer können das Sozialverhalten nicht beurteilen, da sie uns nur im Unterricht kennen.“ Ihre Mitschüler stimmen ihr sofort zu. „Das Arbeits- und Sozialverhalten hängt nicht nur von einem Lehrer ab, sondern ist die Beurteilung von mehreren Lehrern“, erklärt Naujok. Ebenfalls Stellung dazu bezieht der Deutsch- und Geschichtslehrer Thomas Windolf, der meint, dass das Arbeits- und Sozialverhalten heute einen hohen Stellenwert hat und es eine sinnvolle Beurteilung ist.
In einer Sache sind sich alle Schülerinnen und Schüler einig: Auch Lehrer sollten mal ein Zeugnis bekommen. Hannah Seidig aus der 9. Klasse ist der Meinung, dass Lehrer auch ein Zeugnis verdienen, damit sie sehen wie die Schüler die Lehrer einschätzen. „Ich finde in solch einem Zeugnis sollte stehen, wie fair und humorvoll Lehrer sind. Das Verhalten gegenüber Schülern und wie sie den Lehrstoff vermitteln“, erklärt Klara Nußbaum.
Als die Lehrer des Jacobson-Gymnasiums nach ihren damaligen Zeugnissen gefragt werden, erzählen sie, dass auch ihre Zeugnisse nicht immer die besten waren. Doch damit es mit besseren Noten klappt, hat Martin Neumann noch ein paar Tipps parat. Man sollte immer früh genug mit dem Lernen anfangen, damit am Ende nicht die Zeit davonläuft. Außerdem sollte man immer konzentriert mitarbeiten und seine Hausaufgaben machen. „Denn von nichts, kommt nichts“, ergänzt Martin Neumann zum Schluss des Interviews.