Zwischen Glücksgefühlen und Realitätsverlust

Wolfgang Sonowski hat alle Drogen genommen, die es gibt. Jetzt versucht er Jugendliche davon abzuhalten.

Projektgruppe der Realschule Seesen befasste sich eine Woche mit dem Thema Drogenprävention

Der Griff zur Zigarette gilt bei vielen Jugendlichen inzwischen als „uncool“. Der Glimmstengel passt einfach nicht mehr zum Lebensstil, dem sich die Generation der heute 12- bis 20-Jährigen verschrieben hat. Das sagen namhafte Experten wie beispielsweise der Bielefelder Bildungsforscher Klaus Hurrelmann, der sich wissenschaftlich mit dem Drogengebrauch von Jugendlichen auseinandersetzt. Das heißt aber nicht, dass Drogen und Sucht keine Rolle mehr bei den Jugendlichen spielen. Die Süchte und der Drogenmissbrauch haben sich verlagert. So prägen Alkohol­exzesse immer häufiger den Alltag der Heranwachsenden und sind, unabhängig der sozialen Herkunft, in allen Bildungsschichten verbreitet. Hinzu kommen neue Suchtfaktoren wie das Internet und der exzessive Gebrauch von Computerspielen.
Mit den Gefahren von Drogen, die vor allem bei jungen Menschen schnell ihre fatale Wirkung entfalten, hat sich nun eine Gruppe der Klassenstufen sieben bis neun der Realschule Seesen beschäftigt. Die Schüler haben sich unter der Leitung der Lehrer Doreen Tallowitz und Matthias von Werder eine Woche lang mit der Thematik beschäftigt. Unter dem Motto „Gesund leben lernen“ näherten sich die Schüler dem komplexen Thema. Dabei ging es den verantwortlichen Lehrern vor allem darum den Kindern Strategien zu vermitteln, die sie stärken Drogen abzulehnen. „Eine große Rolle spielte in der Projektwoche der Sport“, erklärt Doreen Tallowitz, „da er positiven Einfluss auf das Körpergefühl und die kognitiv Verfassung hat.“ Zudem beschäftigten sich die Jugendlichen mit den Wirkungen sogenannter Einstiegsdrogen wie Alkohol und Marihuana, die in weiten Teilen der Gesellschaft verbreitet sind.
Den Höhepunkt der Projektwoche bildete eine Theatervorführung, in der ein Ex-Drogenabhängiger Laienschauspieler seine mehr als zehnjährige Karriere als Süchtiger schildert. Der Darsteller bezeichnet sich als „politoximan“ – ein „Allesschlucker“. Er erzählt von seiner Drogenvergangenheit – von den Glücksgefühlen, dem brutalen Kick, den bodenlosen Abstürzen. Er verliert sich, erinnert sich an seine erste große Liebe Andrea und dem Leben auf der Überholspur als „Anchecker“ der Szene. Fieberhaft begibt er sich vor den Augen seines Publikums erneut in den Rausch der schnell aufeinanderfolgenden Ereignisse bis er – heute wie gestern – den Anschluss an die Realität verliert. Der Toxi-Man, der im wahren Leben Wolfgang Sonowski heißt, spielt die Karriere eines schwer Drogenabhängigen nicht nur, er hat sie selber erlebt. Er zeichnet das dunkelste Kapitel seines Lebens nach.
Im Anschluss an die Aufführung schilderten die Schüler ihre Eindrücke und diskutierten mit dem Schauspieler und dem Regisseur Reimar de la Chevallerie über die Auswirkungen von Drogenmissbrauch. Finanziert wurde das Stück zu 50 Prozent von der DAK, die diesen Weg der Drogenprävention für besonders sinnvoll und einprägend hält. Die andere Hälfte der Finazierung wurde von der Schülerfirma der Realschule Seesen aufgebracht.