Zwischen Windpark und Gewerbegebiet steht’s 96:11

Foto: Rolf Handke / pixelio.de

107 Hektar große Fläche bei Rhüden: Stadtrat bringt Antrag an den Zweckverband auf den Weg

Eine große, bisher landwirtschaftlich genutzte Fläche für Windenergie schaffen oder sie doch lieber als Gewerbegebiet ausweisen? Und wenn beides kombiniert, wie groß sollen die jeweiligen Anteile dann sein? Das war die Frage, die in den vergangenen Wochen vor allem den Ortsrat Rhüden, vor wenigen Tagen dann den Verwaltungsausschuss und am Mittwoch schließlich den Rat der Stadt beschäftigte.
Die Fläche, um die es geht, befindet sich östlich der Autobahnanschlussstelle Rhüden und nördlich der B 82 zwischen Rhüden und Ödishausen. Sie ist etwa 107 Hektar, also mehr als ein Quadratkilometer, groß. Ein Projektentwickler, genauer die Firma „wpd“ mit Sitz in Bremen, hat bereits konkrete Planungen, hier einen Windpark mit fünf Windenergieanlagen zu errichten.
Klar war und ist: Es bedarf eines Antrages an den Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB) zur Änderung des Regionalen Raumordnungsprogramms. Doch welche konkreten Daten sollte dieser beinhalten? Nun, die Mitglieder des Ortsrates Rhüden machten sich die Antwort nicht leicht und befassten sich mit dem Thema gleich in zwei aufeinanderfolgenden Sitzungen. An der jüngsten Zusammenkunft nahmen auch Seesens Bürgermeister Erik Homann und Fachbereichsleiter Alexander Nickel teil. Beide betonten, dass die betreffende Fläche als Standort für Gewerbebetriebe sozusagen ein „Sahnestück“, sprich derzeit die beste Örtlichkeit im gesamten Stadtgebiet darstelle. Kein anderes Areal sei topographisch derart ideal und verkehrsgünstig gelegen.
So weit, so gut. Weist man einen großen Teil aber als Gewerbefläche aus, dann würde sich auf der anderen Seite die mögliche Fläche für eine Windenergieanlage verkleinern. Und da macht der potentielle Betreiber nicht mit, wie schon Rhüdens Ortsbürgermeisterin Irene Pülm zu bedenken gab. Mit anderen Worten: Die ursprünglich von der Verwaltung angedachten 65 Hektar für Windenergie würden für die geplanten fünf Anlagen bei weitem nicht ausreichen. Es musste also ein Kompromiss her – und der wurde schließlich gefunden. Sowohl der Verwaltungsausschuss als auch der Rat der Stadt folgten der Empfehlung des Ortsrates Rhüden. Demnach wird die Abgrenzung zwischen dem möglichen Vorranggebiet für Windenergieanlagen und dem angedachten Gewerbe- und Industriegebiet angepasst. Ersteres soll künftig etwa 96 Hektar ausmachen. Entsprechend schrumpft die Gewerbefläche von den ursprünglich vorgesehenen 42 auf etwa elf Hektar.
Diesen an den Zweckverband zu richtenden Antrag verabschiedete der Rat einstimmig, wobei Ratsherr Volker Harenberg (CDU) aus Rhüden – wie zuvor schon im Ortsrat – auf eigenen Wunsch nicht an der Abstimmung teilnahm. Er ist selbst Grundstückseigentümer in diesem Bereich.