Die drei goldenen Regeln

Der Stieglitz, Vogel des Jahres 2016, verdient in diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit. (Foto: Hartl)

Winterfütterung rettet Vogelleben und vermittelt Artenkenntnis / Stunde der Wintervögel vom 8. bis 10. Januar

Das weiße Gestöber der letzten Tage bedeckt weite Teile der niedersächsischen Landschaft mit einer dünnen Decke Schnee. Was für den Menschen schön anzuschauen ist, bedeutet für viele Vögel einen Mangel an Nahrungsquellen.

Wer den gefiederten Freunden Nahrung anbieten möchte, den ruft der NABU dazu auf, beim Füttern von Wildvögeln im Winter einige Ratschläge zu beherzigen, um den Tieren nicht zu schaden.
Die Frage, ob Vögel im Winter überhaupt gefüttert werden dürfen, beantwortet der NABU mit einem klaren ja. „Wer Vögel füttert, kann sie optimal beobachten und wird mit spannenden Naturerlebnissen belohnt“, sagt der NABU Niedersachsen. „Gleichzeitig sollte klar sein, dass die Vogelfütterung die Probleme der Vogelwelt nicht löst. Einen naturnahen Garten, eine giftfreie Landwirtschaft und ein reiches Angebot an Nistmöglichkeiten kann man nicht durch ein paar Futterhäuschen ersetzen.“

Die drei goldenen Regeln der Winterfütterung


Um die Winterfütterung zu erleichtern, hat der NABU drei goldene Regeln zum richtigen Füttern zusammengestellt:
Man sollte auf keinen Fall Speisereste vom menschlichen Speiserest verfüttern – am gefährlichsten sind dabei vor allem gesalzene Speisen.
Die zweite goldene Regel besagt, dass man nur mit artgerechtem Futter füttern soll: Energiereiche Samen und Nüsse sind am besten geeignet. Dazu zählen unter anderem Hafer, Maisflocken, Sonnenblumenkerne (geschält und ungeschält), andere Saaten, ungesalzene Erdnüsse, Haselnüsse, andere Nüsse, auch Haferflocken als Streu- und Futtersäulenmischungen. Ganz wichtig: Die Mischung macht’s! Damit beispielsweise Feinfresser wie Rotkehlchen, Heckenbraunelle und Erlenzeisig nicht ausgeschlossen werden, sollten keine ausschließlichen Fütterungen mit nur einer Futtersorte erfolgen. Das Futter sollte zudem frei sein von Samen der gefährlichen Ambrosiapflanze.
Ganz um den Futterplatz selbst dreht sich die dritte goldene Regel. Das Einrichten von Massenfutterplätzen sollte auf jeden Fall vermieden werden, denn diese begünstigen die Verbreitung von Krankheiten. Besser als große Futterhäuser sind Futtersäulen und Futtertrichter und auch Kleinfutterhäuser, in denen das Futter trocken nachrutschen kann und gegen Verschmutzung geschützt ist.
Eher sollten mehrere Futtersäulen und -trichter in Abstand zueinander angebracht werden, damit viele Vögel die Chance haben, sie zu nutzen. Amseln, Wacholderdrosseln und andere Arten nutzen das herunterfallende Futter. Daher sollten die Futterplätze täglich gesäubert werden. Für Fasane, Rebhühner und andere können so genannte „Bodenschütten“ aufgestellt werden, in denen das Futter ebenfalls nachrutscht, diese sollten an Feldhecken und Waldrändern aufgestellt werden. An ihnen sammeln sich oft auch Mäuse – eine willkommene Nahrung für die hungernden Greifvögel und Eulen.

Stunde der Wintervögel bereits zum sechsten Mal


Wer Spaß und Freude an der Beobachtung von Wintervögeln hat, seine Artenkenntnis auffrischen, sich an einer wissenschaftlichen Datenerhebung beteiligen möchte oder den Vögeln einen Futterplatz bieten möchte, dem empfiehlt der NABU Niedersachsen, sich an der Stunde der Wintervögel zu beteiligen.
Dieses Jahr findet die bundesweite Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ von Freitag, 8. Januar, bis Sonntag, 10. Januar, zum sechsten Mal statt: Der NABU Niedersachsen und die Naturschutzjugend NAJU Niedersachsen rufen Naturfreunde auf, eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park auch in Niedersachsen zu zählen und zu melden.
Der NABU Niedersachsen bietet zur Mitmachaktion ein Paket mit allen weiteren Informationen samt Zählhilfe und Wintervogelporträts sowie Tipps zur Winterfütterung zu einem Preis von fünf Euro an. Erhältlich ist das Infopaket beim NABU Niedersachsen, unter dem Stichwort „Stunde der Wintervögel“, Alleestraße 36, 30167 Hannover.
Außerdem gibt es im Januar eine Premiere: die erste „Schulstunde der Wintervögel“ findet statt. Da zum Zählwochenende noch Schulferien sind, können sich Schulen, KiTas und Gruppen in der Woche vom 11. bis 15. Januar an der großen Zählaktion beteiligen. Ein NAJU-Paket mit Aktionsideen für jeden Tag, einer Wintervogelrallye, Zählkarten und mehr können Schulen, Kitas und Gruppen kostenlos bestellen.
Im Mittelpunkt der Aktion „Stunde der Wintervögel“ stehen vertraute und oft weit verbreitete Vogelarten des Siedlungsraums, wie Meisen, Finken, Rotkehlchen und Spatzen. Besondere Aufmerksamkeit verdient in diesem Jahr der Stieglitz, Vogel des Jahres 2016.
Sein Bestand nimmt deutschlandweit stark ab. Dieser farbenfrohe Finkenvogel ist das ganze Jahr über zu sehen und bekommt im Winter sogar Zuzug von Verwandten aus dem Norden und Osten. Bisher liegt die Art mit durchschnittlich 0,35 gezählten Vögeln pro Garten auf Rang 22 der häufigsten Wintervögel.

Größte wissenschaftliche Mitmach-Aktion


Die „Stunde der Wintervögel“ ist außerdem die größte wissenschaftliche Mitmach-Aktion Deutschlands, bei der möglichst viele Menschen gemeinsam große Datenmengen sammeln und so wichtige Hinweise zur Entwicklung der heimischen Vogelbestände geben. Die Langzeitstudie liefert Naturschützern eine Fülle wertvoller Informationen zum Schutz der Artenvielfalt. 2015 beteiligten sich an der Aktion mehr als 77.000 Vogelfreunde. Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.niedersachsen.nabu.de/aktionen/sdw/.