Einhornhöhle beschert erfrischende 4 Grad

Die Einhornhöhle

Kalter Tipp für heiße August-Tage / Naturbedingt kältester Punkt Norddeutschlands in der „Blauen Grotte“

Alle schwitzen derzeit in der Sonnenglut, daher wird allerorten Abkühlung gesucht. Die gibt es garantiertim von Natur aus kältesten Punkt Norddeutschlands, nämlich in der „Blauen Grotte“ der Einhornhöhle. Während alle anderen außerhalb der Alpen gelegenen Besucherhöhlen eine Durchschnittstemperatur von 8 bis 12 Grad aufweisen und es in den Besucherbergwerken in der Tiefe immer wärmer wird, erleben die Gäste in der Einhornhöhle im Südharz eine einmalige Abkühlung.
Bereits beim Öffnen der Höhlentür kommt den Gästen ein eisiger Wind entgegen „In diesem Teil der Höhle haben wir angenehme 7 Grad“, so der Geologe Dr. Ralf Nielbock, „je weiter wir aber in die Höhle hineingehen, um so kälter wird es“.
Erreicht die Gruppe nach einer guten halben Stunde Führung die sogenannte „Blaue Grotte“, erlebt sie ein fantastisches Naturschauspiel.
Durch eine Deckenöffnung fällt ein einzelner Sonnenstrahl in die Tiefe der Höhle, der Nebel in der Grotte schimmert dabei bläulich und in dem Nebel spiegelt sich nachmittags der Wald über der Höhle wider.
Die Gäste streben in Erwartung von Erwärmung zum Lichtkegel der Sonne, aber bedingt durch einen klimatischen Effekt, ist es genau hier am kältesten: nur 4 bis 5 Grad.
Eine durch Evapuration verursachte permanente Abkühlung lässt genau im Sonnenlicht kalte, dichte Höhlenluft auf den Boden sinken.
Eine außergewöhnliche Situation für die Besucher: Eine kühle Erfrischung durch und im Sonnenlicht (Verduns­tungskälte).
„Vergessen Sie deshalb nicht, Pullover oder Jacken mitzubringen“, rät Dr. Nielbock den Höhlengästen.
Die Höhle und das Haus Einhorn, zugleich Infostelle für den Geopark Harz, sind von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet; hier stehen stündlich Führungen durch die Höhle auf dem Programm
Die Höhle liegt zwischen Herzberg und Bad Lauterberg, erreichbar über die B27 und hat einen eigenen großen Waldparkplatz. Weitere Infos: Telefon 05521/997559 oder: www.einhornhoehle.de.
Die Einhornhöhle ist die größte Schauhöhle des Westharzes, etwa zwei Kilometer nordöstlich vom Herzberger Ortsteil Scharzfeld gelegen. Sie ist eine Karsthöhle im Zechstein-Dolomit.
1541 wurde die Höhle zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Sie gelangte bald zu großer Bekanntheit, da man dort Knochen und Zähne fand, die dem Einhorn, einem sagenhaften Fabelwesen, zugeordnet wurden.
1686 besuchte Gottfried Wilhelm Leibniz die Höhle und schrieb einen Bericht, in dem er auch über den Handel mit Einhorn-Artefakten berichtete. Otto von Guericke, der damalige Bürgermeister von Magdeburg, berichtete 1672 in seinen Neuen Magdeburger Versuchen von einem Fossilfund im Zeunickenberg bei Quedlinburg, den er als das Skelett eines Einhorns interpretierte: „Es trug sich auch in diesem Jahre 1663 zu, (...) dass man das Gerippe eines Einhorns fand.“ Später beschäftigte sich auch Leibniz mit dem Fund und entwarf in seiner Schrift Protagaea eine Fantasie-Rekonstruktion des angeblichen Einhorns. Die Darstellung wird heute als Werbesymbol der Schauhöhle genutzt.
1872 führte Rudolf Virchow eine systematische Untersuchung der Höhle durch und erkannte, dass es sich bei den Knochenfunden um fossile Reste von Großsäugern handelt. Bisher konnten anhand der zahlreichen Knochenfunde über 70 Tierarten wissenschaftlich bestimmt werden, darunter 60 Säugetierarten wie Höhlenbär, Höhlenlöwe und Wolf.
1905 wurde die Einhornhöhle durch Bau eines Eingangsstollens für Besucher leichter zugänglich gemacht. Inzwischen sind 270 Meter der Gesamtlänge von 610 Metern als Schauhöhle erschlossen. Die Höhle wird durch einen Verein zugänglich gemacht, darf jedoch nur mit einem Führer betreten werden. Die Baude am Stolleneingang der Einhornhöhle ist eines der drei Informationszentren des Nationalen Geoparks Harz – Braunschweiger Land – Ostfalen. Sie ist in das System der Stempelstellen der Harzer Wandernadel einbezogen, sie liegt am Karstwanderweg und am Harzer Baudensteig.