Erdwärme – die Energiequelle der Zukunft

von Maximilian Strache | am 27.08.2010 | 311 mal gelesen | 2 Bilder
Erdwärme steht in der Liste der erneuerbaren Energien ganz vorne. Die Grafik zeigt auf der linken Seite die Erdwärmesonden.
 
In der Seesener Westblickstraße wird derzeit eine Erdwärmeheizung installiert.

In der Seesener Westblickstraße wird die erste Erdwärmeheizung im Stadtgebiet installiert

Das Thema Energiepolitik beschäftigt inzwischen viele Menschen sehr intensiv. Neben dem sich abzeichnenden Klimawandel haben die Menschen ganz konkrete Sorgen wegen steigender Strom-, Öl- und Gaspreise. Die Endlichkeit der fossilen Brennstoffe erfordert immer mehr die Nutzung alternativer Energiekonzepte.

In eine Tiefe von 100 Meter dringen die Arbeiter mittels eines riesigen Bohrers in das Erdreich ein. Passanten könnten ob der riesigen Gerätschaft den Eindruck gewinnen, in der Seesener Westblickstraße wird nach Öl gebohrt. Indirekt stimmt das auch. Öl ist einer der wichtigsten Energielieferanten seit der industriellen Revolution. Schwindende Reserven des schwarzen Goldes deuten jedoch immer mehr in eine Zukunft, in der andere Ressourcen zur Energiegewinnung erschlossen werden müssen. Und genau das geschieht jetzt erstmals in Seesen.
Die Mitarbeiter der Seesener Firma Lutz Klauenberg bohren tatsächlich nach Energie, jedoch nicht nach Öl, sondern nach Erdwärme. Und die gibt es eigentlich überall, sofern keine Natur- und Wasserschutzgebiete berührt werden. Bauherrin Brigitte Brackmann hat sich bei ihrem Neubau, der vom Bauunternehmen Zozgornik (HG-Bau) durchgeführt wird, für den Einbau einer Heizung entschieden, die mit Erdwärme gespeist wird. Damit folgt die Seesener Bauherrin einem Trend. Erdwärme ist in, beziehungsweise die Nutzung von Erdwärme ist einfach clever.
Experten bezeichnen Erdwärme auch als Geothermie. Die Geothermie umfasst die in der Erde gespeicherte Energie, sofern diese entzogen und genutzt werden kann. Und da Erdwärme ganz oben auf der Liste der regenerativen Energien steht, erfolgt immer häufiger die Versorgung von Häusern mit eben dieser Energieform.
Das Niedersächsische Umweltministerium, unter der Leitung von Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander, hat zu diesem Zweck einen Leitfaden zur Erdwärmenutzung in Niedersachsen herausgegeben. Das 19 Seiten starke Dokument informiert über die Genehmigungsvoraussetzungen, insbesondere für Erdwärmesonden mit einer Heizleistung bis 30 Kilowatt.
In der Westblickstraße wird eine so genannte Tiefenbohrung durchgeführt. Das heißt, dass richtig tief ins Erdreich vorgedrungen wird. Eben bis zu 100 Meter. Das Erdreich ist vor allem in dieser Tiefe wegen seiner relativen Temperaturkonstanz eine sehr günstige Wärmequelle. Die Erdwärme, so dem Leitfaden des niedersächsischen Umweltministeriums zu entnehmen, bis ungefähr zu einer Tiefe von 100 Metern, die für die Wärmequellenanlagen relevant ist, besteht zum einen aus gespeicherter Sonnenenergie und zum anderen aus Erdwärme. Bildlich gesprochen ist die Erdkugel mit Lava gefüllt. Und Lava ist heiß. Dies erklärt, stark vereinfacht, die andere Erdwärme, die Wärme aus dem Erdinneren.
Zur Gewinnung der Wärme aus dem Erdreich werden verschiedene Techniken genutzt. Am gebräuchlichsten ist die Wärmegewinnung mittels Erdwärmesonden. Und genau solche Erdwärmesonden werden von Lutz Klauenberg und seinen Mitarbeitern in den Boden gepflanzt.
Erdwärmesonden sind ausschließlich durch entsprechend qualifizierte Fachbetriebe zu errichten. Denn für den Anschluss, das Befüllen, die Druckprüfung sowie die Instandhaltung und Instandsetzung von Erdwärmequellenanlagen für Wärmepumpen ist Sachkunde erforderlich. Sachkunde definiert das Umweltministerium in diesem Zusammenhang als die theoretische Kenntnis und praktische Erfahrung, die in der Regel bei Fachbetrieben der Bohr-, Heizungs-, Klima-, Elektro oder Sanitärtechnik vorhanden ist. Lutz Klauenberg und seine Mannschaft entsprechen dieser Definition.
Das Haupteinsatzgebiet der Wärmepumpe liegt in der Bereitstellung von Heizwärme. Die Wärmepumpe bietet also die Möglichkeit, ungenutzte Wärme der Umgebung auf ein für Heizzwecke nutzbares Temperaturniveau anzuheben.
Die Funktionsweise der Pumpe entspricht der Arbeitsweise eines Kühlaggregats. Der Kreislaufprozess erfolgt nach einfachen physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Das Arbeitsmittel, eine schon bei niedriger Temperatur siedende Flüssigkeit (auch als Kältemittel bekannt), wird in einem Kreislauf geführt und dabei nacheinander verdampft, verdichtet, verflüssigt und entspannt. Mit einer Wärmepumpe wird der Umwelt – also Wasser, Boden / Gestein und Umgebungsluft – Wärme entzogen und dem Heizsystem zugeführt.
Neben der Energiegewinnung spielt bei der Nutzung von Erdwärme vor allem der Gedanke der Nachhaltigkeit eine Rolle. Erdwärme steht unendlich zur Verfügung. Sie kann nicht aufgebraucht werden. Für Hausbesitzer oder Unternehmer dürfte zudem der Kostenfaktor ins Gewicht fallen. Klar, eine Erdwärmeheizung bekommt man nicht geschenkt. Die kostet Geld; und zwar richtig. Rund 50000 Euro können für eine Anlage mit Wärmesonde und Wärmepumpe fällig werden. Die laufenden Kosten bei einer Erdwärmeheizung sind jedoch geringer als bei einer Gas- oder Ölheizung. Mittelfristig stellt sich eine deutliche Ersparnis ein, bestätigt Experte Klauenberg auf Nachfrage.
Ferner spielt auch der Gedanke der Autarkie eine wichtige Rolle. Der Erdwärmenutzer ist unabhängig von der Zufuhr von Gas oder Öl.

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