Mit üblen Strompreis-Tricks auf Kundenfang

Ungewollter Wechsel des Energieversorgers droht

Die Tricks von Werbern, die Energiekunden an der Haustür oder am Telefon überrumpeln und zum Wechsel des Versorgers drängen wollen, werden immer dreister. Jüngste Beispiele zeigen, dass die Betrüger wiederholt auch in Harz und Eichsfeld unterwegs sind.

So klingelten kürzlich in Seesen unangekündigt Werber an der Haustür einer Rentnerin und gaben sich als Mitarbeiter der Harz Energie aus. Sie gaukelten der überraschten Kundin vor, sie könnte mit einer Unterschrift unter einem Vertrag eine drohende Strompreiserhöhung für 2014 abwenden. Später erfuhr die so Geprellte, dass sie ungewollt zu einem anderen Energieanbieter gewechselt hatte.
Besonders hinterhältig: Die Strompreise der Harz Energie für Haushaltskunden ändern sich zum Jahreswechsel gar nicht. Das Unternehmen hatte schon Anfang November erklärt, dass sowohl Strom- wie auch Erdgaspreise zum Jahreswechsel stabil bleiben. Den im Strompreis enthaltenen und im nächsten Jahr nochmals deutlich steigenden Anteil gesetzlicher Abgaben kompensiert das Unternehmen durch günstigere Beschaffungskosten.
Mit einem anderen Trick sah sich Familie K. aus Braunlage konfrontiert. Hier rief ein aggressiver Telefonverkäufer während der Mittagszeit gleich mehrfach an und behauptete sie habe auf eine Rechnung der Harz Energie nicht reagiert. Das verneint Frau K. . Trotzdem ließ der Verkäufer nicht locker, wurde ungehalten und sogar beleidigend, bis sie schließlich auflegte.
Die Stadtwerke in Bad Sachsa, Bad Harzburg und Bad Lauterberg, aber auch die Eichsfelder Energie- und Wasserversorgungsgesellschaft in Duderstadt (EEW) berichten von vergleichbaren Fällen. Auch diese Unternehmen gehen mit stabilen Strompreisen in das kommende Jahr. Ihre Kunden sehen sich aber immer wieder mit Haustürverkäufern und anonymen Call-Center-Mitarbeitern konfrontiert, die bewusst das Gegenteil behaupten. Für den Fall, dass trotzdem ungewollt ein Vertrag abgeschlossen worden ist, bieten die Unternehmen Hilfe an. Bernd Vollrodt, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Harzburg empfiehlt Betroffenen: „Schnell handeln und sofort einen Widerruf per Einschreiben senden. Gerne unterstützen wir unsere Kunden dabei. Wir hatten in den vergangenen Monaten einige solcher Fälle und konnten helfen, die Verträge zu widerrufen.“ Wer keinen Ärger haben will, dem empfiehlt Vollrodt schon beim ersten Kontakt mit den Werbern vorsichtig zu sein und auf keinen Fall an der Haustür eine Unterschrift zu leisten. Auch warnt er davor Fremden persönliche Daten wie Verbrauchsdaten, Kunden- oder Zählernummer zu geben oder Zugang zu Strom- oder Gaszählern zu gewähren.
Für Michael Momberg, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Sachsa, ist das Maß des Erträglichen längst überschritten. „Hier sollen Bürger bewusst über den Tisch gezogen und getäuscht werden. Oftmals sind ältere Kunden betroffen. Mit fairem Wettbewerb hat das längst nichts mehr zu tun. Es wird Zeit, dass der Gesetzgeber diesen Praktiken einen Riegel vorschiebt.“