Niedersächsische Treuhand lockt mit Gewinnen

Mit diesen Schreiben werden die Betroffenen zur Gewinnabholung eingeladen. Foto: Strache (Foto: Strache)

Briefkastenfirma verspricht über 1.000 Euro / Dahinter stecken windige Anbieter von Kaffeefahrten

Von Maximilian Strache, Osterode/Seesen

Seit Tagen versendet die Niedersächsische Treuhand aus Stapelfeld Einladungsschreiben. Auch der Seesener Dieter Fanger und die Osteroder Rentnerin Anne M. haben diese Schreiben erhalten. Den Empfängern wird mitgeteilt, dass sie bei dem angeblichen Finanzservice und Kapitalverwalter mit einem Treuhandkonto geführt werden, welches ein gewisse Frau Ludwig als Kundenbetreuerin treuhänderisch verwaltet. In der Vergangenheit, so wird es dem Herrn Fanger und Frau M. mitgeteilt, hätten sie verschiedene Gewinne, Reisechecks und Werbeprämien von verschiednen Firmen nicht erhalten oder genutzt. Diese Daten, so schreibt es Frau Ludwig, wurden gesammelt und im Zentralcomputer der Niedersächsischen Treuhand gespeichert. Bei Dieter Fanger aus Seesen beläuft sich die Summe auf satte 1052,20 Euro. Die erste Gutschrift auf dem angeblichen Treuhandkonto ist datiert auf den 21. November 2010 und beträgt 750 Euro. Das Geld stamme aus einem Lotto-Gewinn. Dieter Fanger und auch Anne M. können sich jedoch nicht daran erinnern, an entsprechenden Preisausschreiben oder Lotto-Aktionen teilgenommen zu haben.
Weiter wird den beiden Empfängern mitgeteilt, dass das Konto aus Gründen des Datenschutzes nur für eine gewisse Zeit geführt werden kann, und es deshalb zeitnah zur Übergabe der Gewinne kommen muss. Ansonsten verfällt der treuhändisch verwaltete Betrag. Eine postalische Zustellung des verwalteten Gewinns ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich, da sich Dieter Fanger und Anne M. vor Ort ausweisen müssen. Der Gewinn in Form eines Schecks muss also persönlich in Empfang genommen werden. Dieter Fanger wird beispielsweise angeboten, den Gewinn in einer Zweigstelle in der Nähe von Seesen zu erhalten. Deshalb müsse er sich zeitnah anmelden. Für die Hin- und Rückreise mit geeigneten Verkehrsmitteln in Form von Bussen wird gesorgt. So das Versprechen von Frau Ludwig.
Ilsemarie Luttmann von der Verbraucherzentrale Osterode warnt in diesem Zusammenhang: „Da wird wieder ordentlich getrickst. Weder gibt es die Niedersächsische Treuhand noch die Bank mit dem Treuhandtravelkonto, und Geld gibt es schon gar nicht. Es handelt sich um eine als Kaffeefahrt getarnte Verkaufsveranstaltung, bei der vermutlich unter anderem Reisen angeboten und verkauft werden sollen.“
Aus Berichten von Teilnehmern solcher Fahrten, die dem „Beobachter“ vorliegen, geht hervor, dass die angebotenen Reisen, den Gegenwert des versprochenen Betrages haben sollen. Das ist aber eine Falle. In aller Regel werden nämlich Buchungsgebühren fällig. Bis zu 69 Euro pro Person und Reise werden berichtet. Geld, wenn es einmal überwiesen wurde, nicht rückholbar ist.
Deshalb rät die Beraterin der Verbraucherzentrale Osterode allen Empfängern solcher Briefe dazu, diese schnellstmöglich zu entsorgen und nicht allzu vertrauensseelig zu sein.