Rehabilitation und Therapie in der Natur

 

In den Asklepios Kliniken Schildautal wird ein Therapie-Garten eingesetzt

Seesen (bo/mn). Die Glücksforschung hat es belegt: Menschen sind dann besonders glücklich, wenn sie sich eins mit der Natur fühlen können. Deshalb tragen Tätigkeiten an der freien Natur enorm zum Wohlbefinden bei. Der Gartenarbeit fallen, nach Ansicht der Forscher, besondere Kräfte zu. In den Asklepios Kliniken Schildautal wurde aus diesem Grund 2004 die Idee geboren, einen Therapiegarten mit und für die Patienten der Klinik für Neurologische Rehabilitation zu gestalten.
Motorische Fähigkeiten werden im Normalfall automatisch im Alltag eingesetzt und somit gefördert und geschult. Doch nach einem Schlaganfall sind leider viele Handlungen im Alltag keine Selbstverständlichkeit mehr. Die motorischen Fähigkeiten müssen zum Teil vollständig neu erlernt werden. Und nirgendwo gibt es einen größeres Spektrum an motorischen Erfordernissen als bei der Arbeit im Grünen – der Tätigkeit im Garten.
Stehend, sitzend, gebückt, aufgerichtet oder über dem Kopf arbeitend. Alle motorischen Fähigkeiten sind gefordert. Und zudem werden alle Sinne stimuliert.
Therapeutische Gartenarbeit ist nicht nur eine handwerkliche Therapie. Sie ist immanenter Bestandteil der Aktivitäten des täglichen Lebens.
Nach reiflichen Überlegungen und einer umfassenden Planungsphase startete das Projekt im Jahr 2008 zunächst mit einem Hochbeet und wird seitdem Schritt für Schritt mit weiteren Beeten und Anlagen ausgebaut. Die Planung der notwendigen Arbeiten erfolgt wöchentlich durch die verantwortlichen Therapeuten. Je nach Ziel und Fähigkeit der Patienten erfolgt die Auswahl geeigneter Aufgaben. Der Therapeut wird unterstützend und sichernd tätig und zeigt Kompensationsstrategien auf.
Ein schwer betroffener Patient, im Rollstuhl sitzend, soll beispielsweise in der Lage sein, im Stand zu hantieren. Das heißt, dass er mit therapeutischer Unterstützung am Hochbeet Blumen pflegen oder Erdbeeren pflücken kann. Bei einem Patienten der gangunsicher ist und einen eingeschränkten Gleichgewichtssinn hat, kann die Fähigkeit in einer Haltung zu bleiben und sich sicherer auf unterschiedlichen Untergründen zu bewegen, durch Gartenarbeit nachhaltig verbessert werden. Gartentherapie in der Neurologie lässt sich damit als interdisziplinäre Behandlungsform beschreiben, die ärztliche, ergotherapeutische und gärtnerische Maßnahmen erfordert und miteinander verbindet.
Trainiert werden im Therapiegarten der Asklepios Kliniken Schildautal nicht nur Feinmotorik und Sensibilität, Standfestigkeit und Gleichgewicht, sondern auch der koordinierte Einsatz vorhandener Funktionen in komplexeren Situationen und die Fähigkeit zum strukturierten Planen und Handeln. Auch wichtige Faktoren während des Genesungsprozesses, wie Motivation, Kreativität, Zielstrebigkeit, Verlässlichkeit, Fürsorge und Übernahme von Verantwortung lassen sich bei der Arbeit mit Pflanzen entwickeln.
In der Gruppe und in der Begegnung mit den Besuchern des Gartens können schließlich Selbstsicherheit und soziale Kompetenz geübt und verbessert werden.
2010 wurde das Gerätehaus errichtet, ein größerer Bestand an Gartengerätschaften angeschafft (Handrasenmäher, Spaten, und weiteres), ein Flachbeet für Bohnen angelegt, eine Hummelburg, ein Eichhörnchenfutterhäuschen aufgestellt und ein Insektenhotel gebaut.
Die Patienten sind mit wie viel Freude, Motivation und Eigeninitiative dabei und entwickeln teilweise ungeahnte Fertigkeiten.