Video Buster Entertainment Group wird zum Mischkonzern

Andreas Grebenstein, Gründer der Video Buster Entertainment Group, und sein Geschäftsführer Mario Brunow haben eine feine Nase, wenn es um Erschließung neuer Geschäftsfelder geht (von links). (Foto: bo)

Filmverleih bleibt, Glücksspiel wird ausgebaut, Photovoltaik kommt hinzu

Die Video Buster Entertainment Group ist in das Geschäft mit Solarenergie eingestiegen. „Wir haben das Wissen, wir haben die Bonität, und wir sind von der Zukunft der erneuerbaren Energien voll überzeugt“, sagt Andreas Grebenstein, Gründer von Video Buster.


Seesen (bo). Vor fast 28 Jahren hat der Unternehmer die erste Videothek in seiner Heimatstadt Seesen gegründet. Heute ist die Video Buster Entertainment Group sowohl im stationären Verleih, im Online Geschäft als auch im Großhandel führend. Seit Mitte 2010 ist mit Photovoltaik ein ganz neues Standbein hinzugekommen: Die Großhandelsgesellschaft Consell, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Konzernholding, liefert Photovoltaikmodule, Wechselrichter und Zubehör zu für den Fachinstallateur besonders günstigen und sicheren Bedingungen.
Es ist das zweite neue Geschäftsfeld für den Filmverleiher aus Niedersachsen: Im letzten Jahr hatte Video Buster bereits das Geschäft mit Automatencasinos der Luxusklasse unter dem Dach der Entertainment Gruppe etabliert. Bei allen drei Geschäftsfeldern – Home Entertainment, Gambling und erneuerbare Energien – geht es Video Buster um ein langfristiges Engagement: „Weder Photovoltaik, noch die Casinos sind für uns ein kurzfristiges Nebenbeigeschäft“, versichert Vorstand Mario Brunow. Der Stratege sieht auch im Geschäft mit dem DVD-Nachfolgeformat Blu-ray noch viel Potenzial und taucht die kristallinen Solarmodule schon mal symbolisch in blaues Licht: Blau und Gelb sind die Video Buster Unternehmensfarben vom Start an.
Silberlinge, so weit das Auge reicht, in transparente Schutzumschläge gesteckt, von knallroten Plastikständern sortiert: Über 50.000 unterschiedliche Titel hält der Filmversender Video Buster in seiner Seesener Logistik-Zentrale bereit, nicht selten in dreistelliger Kopientiefe: Filmverleih auf dem Postweg, in bundesweiten Filialen oder digital über das Internet („Video on Demand“) ist das Hauptgeschäft der Video Buster Entertainment Group Holding AG in der niedersächsischen Stadt am Harz.
Nur 900 Meter weiter ein anderes Bild: Auch an der weit größeren Lagerhalle in der Frankfurter Straße steht Video Buster dran, aber es sind keine Filme drin. Dafür Photovoltaikmodule und Zubehör in jeder Größenordnung. Vertrieben werden sie von der Consell GmbH. Der Mediengroßhändler ist eine Tochter der Aktiengesellschaft und hat im Sommer den Handel mit Solarmodulen aufgenommen. Zu einem Zeitpunkt als der Run auf alle Lagerbestände gerade abebbte. „Wir sind ein neuer Anbieter im Markt, bieten den Kunden Bestellungen ohne jedes Risiko und wollen kontinuierlich wachsen“, erklärt Mario Brunow. Etwa durch den Ausbau von Vertrieb und Lagerhaltung oder Zukäufe: Bereits drei Monate nach dem Start konnte Video Buster die Vermögenswerte und einen Teil der Mitarbeiter eines insolventen Wettbewerbers, der Suninteractiv GmbH am Standort Seesen, übernehmen. Der ursprüngliche Unternehmensname wird nun als eigenständige Marke der Consell GmbH am Markt etabliert.
Damit beweist der Video-Buster-Gründer Andreas Grebenstein wieder einmal seinen Sinn für lukrative Geschäfte. Vor 28 Jahren hatte er das erste Verleihgeschäft in seiner Heimatstadt Seesen auf- und stetig ausgebaut: Zunächst investierte er in neue Standorte, dann in den Großhandel, schließlich mit der Verbreitung von DVD und Internet auch in Online Bestellmodelle und Video on Demand.
„Wir haben alle Stufen im Filmverleih abgedeckt“, erklärt Mario Brunow, der 2005 in das Unternehmen eingestiegen ist und dessen strategische Ausrichtung verantwortet. Filialgeschäft, Postversand, Onlineleihe – Video Buster bietet den Kunden alle handelsüblichen Wege zum Leihfilm und lässt jetzt die darüber erworbenen Kompetenzen auch anderen Geschäftsfeldern zukommen. „Egal, ob Programmierung, Webdesign oder Vertrieb“, so der frühere Steuerberater, „das Know-how ist hier vor Ort, wir müssen es nur für neue nachfrage-getriebene Bereiche nutzen.“
Im Gambling beispielsweise: Mit zehn Automatencasinos an vier Standorten hat die Unternehmensgruppe erneut bewiesen, dass sie ein Filialsystem aufbauen und führen kann. Wenn es die Rechtslage erlaubt, wird Video Buster auch dieses Geschäftsfeld ins Internet übertragen und auf die erworbenen Online Kompetenzen zurückgreifen. Und die Großhandelsexpertise wird nun im Bereich Photovoltaik unter Beweis gestellt. Auch hier ist eine Ausweitung des Geschäftsmodells angedacht, beispielsweise auf Finanzanlagen aus erneuerbaren Energien. „Wir werden bei der Solartechnologie nicht beim Großhandel stehen bleiben“, betont Mario Brunow. Was nicht bedeutet, dass sich Video Buster aus seinem Ursprungsgeschäft verabschiedet. „Das Filmverleihgeschäft läuft weiter. Wir haben hier eine marktbeherrschende Stufe erreicht, die kontinuierlich verteidigt und ausgebaut wird.“
Die Bereitschaft zur Diversifikation setzt Mut, Einsatz und Flexibilität voraus. „Viele Mittelständler träumen vom Tellerrand, über den sie mal schauen wollen. Wir schauen nicht nur, wir handeln auch“, sagt Brunow. Das betrifft nicht nur den Vorstand, auch die Mitarbeiter müssen dabei umdenken können. Was der Filmverleih mit Solarenergie zu tun hat, erfahren sie jedesmal, wenn sie den Video Buster- Konferenzraum betreten: „Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen“ ist da zu lesen.