Viren machen keine Sommerpause

Abwehrkräfte stärken – Sommergrippe vermeiden

Draußen ist schönstes Freibadwetter, die Sonne strahlt – und ausgerechnet jetzt passiert es: Die Nase läuft und es kratzt im Hals. Obwohl die meisten Menschen Husten und Schnupfen eher mit dem Winter verbinden, treiben ansteckende Keime auch in der heißen Jahreszeit ihr Unwesen. Allerdings unterscheiden sich die Sommer-Viren von der winterlichen Variante.

Welche Ursachen eine Sommergrippe hat und wie sie sich vermeiden lässt, erklärt Dr. Wolfgang Reuter, Gesundheitsexperte von der DKV Deutsche Krankenversicherung.

Eine Sommergrippe kann Betroffenen die lang ersehnten warmen Tage gründlich verderben: Grillen im Park oder Sonnenbaden am See fällt dann aus; stattdessen müssen die Erkrankten zu Hause das Bett hüten. An einer Sommergrippe leiden in der warmen Jahreszeit Millionen von Menschen. „Die Symptome – Husten, Schnupfen, Schwäche, Fieber, Kopf- und Halsschmerzen – unterscheiden sich nicht von einer typischen Wintergrippe; es können aber noch Magen-Darmbeschwerden dazukommen“, erklärt Dr. Wolfgang Reuter, Experte von der DKV Deutsche Krankenversicherung. Darüber hinaus hat die sogenannte Sommergrippe wenig mit der Wintervariante gemeinsam. Denn das sommerliche Husten und Schniefen ist streng genommen keine richtige Grippe, sondern ein „grippaler Infekt“. Während im Winter Influenzaviren Infekte auslösen, sind in der warmen Jahreszeit Entero-, Coxsackie- und Echoviren an den Erkrankungen schuld.

Bei Zugluft haben die Viren leichtes Spiel

Die Ansteckung erfolgt über feine Tröpfchen in der Luft, etwa durch Husten oder Niesen. Deswegen ist das Infektionsrisiko in Menschenmengen, in vollen Bussen, Schwimmbädern und Biergärten besonders hoch. Die Keime können aber auch auf Türklinken oder den Haltegriffen in der U-Bahn lauern. „Normalerweise kann unser Körper die Viren abwehren“, weiß Dr. Wolfgang Reuter. „Wenn die Erreger aber durch die Schleimhaut-Barriere dringen und das Immunsystem nicht richtig funktioniert, können sie leicht eine Infektion verursachen.“ Zu den Faktoren, die eine Sommergrippe begünstigen, zählt vor allem Zugluft. So trocknen beispielsweise bei einer Autofahrt mit offenem Fenster die Schleimhäute aus und können ihre Schutzfunktion nicht mehr erfüllen. Dann haben die Viren leichtes Spiel. „Auch langes Sonnenbaden, starke Temperaturunterschiede zwischen klimatisierter Raumluft und heißer Außenluft, zu wenig Flüssigkeitszufuhr und falsche Kleidung können die Abwehrkräfte schwächen“, warnt der DKV Experte. „Und wer öfter im nassen Badeanzug oder im verschwitzten T-Shirt herumsitzt, darf sich über Grippesymptome ebenfalls nicht wundern.“

Ruhe ist das A und O bei einer Sommergrippe

Wer sich vor einer Sommergrippe schützen will, sollte also ein Auskühlen des Körpers durch Zugluft oder zu kalt eingestellte Klimaanlagen vermeiden. Es ist auch davon abzuraten, sich zu lange in kühlem Wasser aufzuhalten oder nach intensivem Sonnenbaden gleich ins Becken zu springen. Im Sommer ist zudem Hygiene besonders wichtig: Gründliches Händewaschen etwa hilft, einer Infektion vorzubeugen. Wenn die Viren trotzdem zugeschlagen haben, gilt: Abwarten und Tee trinken. Der Körper braucht nun vor allem Ruhe und viel Flüssigkeit. Medikamente wirken nicht gegen die Viren. Allerdings können Hausmittel die Symptome lindern: Eine Salzspülung der Nase beruhigt und desinfiziert die Schleimhäute. Vitamin-C-reiches Obst stärkt das Immunsystem. Gurgeln mit Salbei- und Kamillentee lässt Halsschmerzen abklingen. „Eine Sommergrippe ist lästig, aber meist harmlos“, gibt Dr. Wolfgang Reuter Entwarnung. „Nach zwei, drei Tagen sollte sie wieder abklingen.“ Dennoch ist Vorsicht angebracht. Denn auch im Sommer gibt es echte Grippeinfektionen – wenn auch selten. Und: Falls ein Infekt das Immunsystem bereits schwächt, kann es leicht zu zusätzlichen Komplikationen wie einer Nebenhöhlen- oder Lungenentzündung kommen. Bei starken Beschwerden oder hohem Fieber sollten Erkrankte daher unbedingt einen Arzt aufsuchen.