Wachstum vorerst ausgebremst

Die niedersächsische Wirtschaft rechnet mit einer Wachstumspause. Diese Entwicklung zeigt sich im Rückgang des IHK-Konjunkturklimaindikators um vier auf 105 Punkte. Im 3. Quartal kann die Geschäftslage der Unternehmen noch als gut bezeichnet werden, sie hat sich gegenüber dem Sommer sogar leicht verbessert. Die schwächere Auftragsentwicklung deutet nun jedoch auf ein Auslaufen des Wachstums hin. Das bremst auch die bisherige Dynamik bei Investitionen und Beschäftigung. Das ergab die Konjunkturumfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern unter 1.900 Unternehmen.
Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen der niedersächsischen Unternehmen widerspiegelt, liegt mit 105 Punkten weiterhin über dem 10-Jahres-Durchschnitt von 102 Punkten.
Im Herbst 2012 bewegt sich die niedersächsische Wirtschaft, wie schon seit dem vierten Quartal 2010, weiter auf hohem Niveau: 90 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder zumindest befriedigend. Dabei schätzen unverändert 32 Prozent ihre derzeitige Lage als gut und 58 Prozent (Vorquartal: 56 %) als befriedigend ein. Lediglich 10 Prozent (Vorquartal: 11%) sind mit ihrer Situation nicht zufrieden.

Auf das kommende Jahr blicken die Unternehmen jedoch mit Vorsicht. Jedes vierte Unternehmen (Vorquartal: 21 %) erwartet eine eher ungünstigere Entwicklung, 15 Prozent (Vorquartal: 20 %) rechnen mit einem besseren Geschäftsverlauf.
Die ungelöste Finanzkrise macht sich erwartungsgemäß bei den Export­aussichten bemerkbar. Zwar gehen unverändert 24 Prozent der Unternehmen von zunehmenden Exporten aus und nur 13 Prozent (Vorquartal: 14 %) rechnen mit einem abnehmenden Auslandsgeschäft. Allerdings liegen diese Umfragewerte weit unter dem langjährigen Durchschnitt. Die kaufmännische Vorsicht führt dazu, dass die Investitions- und Beschäftigungspläne leicht nach unten angepasst wurden, beide aber noch über dem langjährigen Mittel liegen.

Die Ergebnisse im Einzelnen
Die Industrie berichtet von einer zufriedenstellenden Geschäftslage im
3. Quartal. Der rückläufige Trend bei den Auftragseingängen setzte sich fort. Die hohen Auftragsbestände aus dem Aufschwung 2010/2011 sind jetzt weitgehend abgeschmolzen.
Für die kommenden Monate haben die Industrieunternehmen die Erwartungen zurückgeschraubt und gehen von etwa gleich bleibenden Umsätzen aus. Das Auslandsgeschäft wird aufgrund der expansiven Märkte in Asien und Amerika zulegen. Sorgenkind bleiben die schrumpfenden Märkte in Europa. Anlass zu Optimismus geben die Kernbereiche der Industrie, die Investitionsgüterhersteller wie Maschinenbau und Elektrotechnik. Hier sind wichtige Umfrageindikatoren, wie Umsatzerwartungen und Investitionsvorhaben, anhaltend im positiven Bereich. Auch dies zeigt die nach wie vor gute internationale Wettbewerbsposition der Unternehmen, die sich in schrumpfenden Märkten behaupten können.
Im Bauhauptgewerbe hat sich die Geschäftslage weiter positiv entwickelt. Vor allem im Wohnungsbau laufen die Geschäfte wie lange nicht mehr. Getragen wird die Entwicklung vom Wunsch der Kunden, in neuwertige Wohnimmobilien zu investieren. Die Auftragseingänge im Hochbau bleiben im 3. Quartal positiv, während das Geschäft im Tiefbau leicht rückläufig ist.
Im Großhandel wird die Geschäftslage überwiegend als gut oder befriedigend beurteilt. Mit der stabilen Binnenkonjunktur konnten im dritten Quartal noch leicht steigende Umsätze registriert werden. Für die kommenden Monate werden jedoch kaum noch Umsatzzuwächse erwartet.
Nur wenige Veränderungen gibt es bei der Entwicklung des Einzelhandels. Die Umsätze haben sich im 3. Quartal etwas abgeschwächt. Die höhere Beschäftigung, mit allein in Niedersachsen 70.000 mehr Beschäftigten als im Vorjahr, und steigende Einkommen sind weiter gute Rahmenbedingungen für den Konsum. Insgesamt erwartet der Einzelhandel aber stagnierende Umsätze.

Das Verkehrsgewerbe berichtet von einer durchaus zufriedenstellenden Geschäftsentwicklung, da das Beförderungsvolumen weiterhin als hoch eingeschätzt wird. Gleichzeitig verderben die historisch hohen Dieselpreise den Transporteuren die Stimmung. Erneute Preissteigerungen sind für das Verkehrsgewerbe absehbar, aber aufgrund des intensiven Wettbewerbs nur schwer durchzusetzen. Für die kommenden Monate rechnen die Unternehmen mit einem gleich bleibenden Beförderungsvolumen.
Die Banken berichten von einer guten Geschäftsentwicklung im Firmen- wie im Privatkundengeschäft. Gleichzeitig haben die Erwartungen der Banken einen historischen Tiefpunkt erreicht: Die Finanzkrise und die erwarteten Regulierungen werden aus Sicht der Banken größere Reserven notwendig machen und damit das Ergebnis drücken. Bei den Versicherungen bleibt die Entwicklung dagegen rundum positiv. Die Versicherer rechnen weiter mit wachsendem Neugeschäft und steigenden Beitragseinnahmen.
Ein Ende des Booms erleben jetzt die niedersächsischen Dienstleistungs­unternehmen. Ausgehend vom starken Aufwärtstrend der letzten Quartale haben sich die Erwartungen der Unternehmen im Herbst gedreht. Die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate wurden deutlich zurückgenommen und zeigen erstmals eine Abschwächung an. Allerdings wird immer noch mit steigenden Umsätzen gerechnet. Auch die Personalplanungen sind noch positiv.

Die niedersächsische Wirtschaft wächst nicht mehr. Nach dem Boom müssen sich die Unternehmen jetzt auf stagnierende Geschäfte einstellen, eine Rezession ist aber nicht in Sicht. Die starke Binnenkonjunktur, das Baugewerbe und der Konsum sind Garanten für stabile Verhältnisse.
Sorge bereitet den Unternehmen die immer schwieriger werdende Suche nach Fachkräften. Nach der Umfrage der niedersächsischen IHKn zu den Folgen des Fachkräftemangels befürchten jeweils über 40 Prozent der Unternehmen eine Einschränkung ihres Wachstums oder den Verlust ihrer Innovationsfähigkeit und ihres Know-hows.
Die größten Risiken für die Konjunktur liegen allerdings unverändert in den weiter steigenden Energie- und Rohstoffpreisen und der Inlandsnachfrage. Insbesondere Preiserhöhungen beim Strom durch eine steigende EEG-Umlage wirken als zusätzliche Wachstumsbremse.
Konjunktur in Niedersachsen auf einen Blick (3. Quartal 2012):
Der IHK-Konjunkturklimaindikator gibt die Einschätzung der Unternehmen der gegenwärtigen und der erwarteten Geschäftslage wieder.