Acht Braunschweiger Hooligans wird der Prozess gemacht

Beschuldigte im Alter zwischen 20 und 28 Jahren auf der Anklagebank

Braunschweig / Hannover (uk). Im sogenannten „Hooligan-Verfahren“ um einen Überfall von mit Eintracht Braunschweig sympathisierenden Hooligans auf Fans von Hannover 96 hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig Anklage zum Jugendschöffengericht in Wolfenbüttel erhoben. Angeklagt sind insgesamt acht Beschuldigte im Alter zwischen 20 und 28 Jahren. Diesen werden jeweils zwei bis vier Straftaten, unter anderem besonders schwerer Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zur Last gelegt.
Am 7. November 2009 hatten drei Auseinandersetzungen in Osterholz-Scharmbeck, Bremen und Weddel (Landkreis Wolfenbüttel) stattgefunden, die Gegenstand der Anklage sind. Anlässlich eines Fußballspiels der zweiten Mannschaft von Eintracht Braunschweig hätten sich die Beschuldigten zunächst in Osterholz-Scharmbeck aufgehalten. Nachdem zwei gesondert verfolgte Personen quer über das Spielfeld gelaufen seien, sei das Spiel unterbrochen und die Störer durch Polizeikräfte aus dem Stadion geführt worden. Im Zuge der Feststellung von Personalien hätten die Beschuldigten die Beamten mit Faustschlägen und Tritten attackiert und beleidigt.
Auf dem Nachhauseweg habe die Polizei die Beschuldigten zunächst in den Zug nach Bremen verbracht, wo sie in den Zug nach Braunschweig hätten umsteigen sollen. Am Bremer Hauptbahnhof habe es eine weitere Auseinandersetzung zwischen einem Teil der Beschuldigten und Anhängern von Werder Bremen gegeben. Im Zuge dessen hätten vier Angeschuldigte auf einen Geschädigten eingeschlagen und -getreten, der Verletzungen am Bauch und den Extremitäten erlitten habe. Einige Beschuldigte hätten versucht, die daraufhin errichtete polizeiliche Absperrung zu durchbrechen. Dabei sei es zu massiven Widerstandshandlungen gekommen.
Zeitgleich mit den am Abend zurück reisenden Hooligans seien rund 110 Fans von Hannover 96 von einem Auswärtsspiel mit der Regionalbahn von Potsdam über Braunschweig zurück gekehrt. In dem letzten Waggon des in Weddel haltenden Zuges hätten sich mehrere sogenannte „Problemfans“ aus Hannover befunden. Vermummte Personen hätten diese aus Verstecken heraus angegriffen. Sie hätten den Waggon unter anderem mit Schottersteinen beworfen und mit Baseballschlägern und Holzlatten auf den Zug und sonstige Anlagen der Bahn eingeschlagen und so auch das Wartehaus zerstört. Aus dieser Gruppe heraus hätten bislang unbekannte Beteiligte auch eingesetzte Polizeibeamte geschlagen und getreten und diese am Verlassen des Zuges gehindert. Unter den Gewalttätigen hätten sich zwei 20 und 27 Jahre alte Beschuldigte befunden. Der Gesamtschaden an den Anlagen der Deutschen Bahn AG habe 8.336 Euro betragen.
Ende 2009 hatte im Großraum Braunschweig eine groß angelegte Durchsuchungsaktion bei damals noch 21 Beschuldigten stattgefunden, die im Verdacht standen, an den Taten beteiligt gewesen zu sein. Dabei konnten unter anderem Schlagringe, Schlaghandschuhe, Computer und Datenträger beschlagnahmt werden. Neben Aussagen von Polizeibeamten und Zeugen belegt aus Sicht der Staatsanwaltschaft gesicherter Chat-Verkehr unter den Beschuldigten deren Beteiligung an den Gewalttätigkeiten.
Sämtliche Beschuldigte haben sich bisher nicht geäußert und von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht.
In Bezug auf weitere Beschuldigte hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren teilweise mangels Nachweisbarkeit, teilweise aber auch wegen geringen Verschuldens – mit und ohne Geldauflagen – eingestellt. In einem Fall ist das Verfahren abgetrennt und gegen den Beschuldigten Antrag auf Erlass eines Strafbefehls gestellt worden.