Ein Ausnahmefußballer ist auf seine letzte Reise gegangen

Hermann Brunke in Aktion. Der Fußballsport war sein Leben – ob als Spieler, Trainer oder Funktionär.
 
Verstarb am 5. November 2015: Heinz-Hermann Brunke.

Zum Tode von Heinz-Hermann Brunke: Ehemaliger Ausnahmespieler, langjähriger Fußball-Trainer und Funktionär verstarb am Morgen des 5. November

Heinz-Hermann Brunke ist auf seine letzte Reise gegangen. Der über die Grenzen von Bad Gandersheim und Seesen hinaus bekannte ehemalige Ausnahmekicker, langjährige Fußballtrainer und Funktionär verstarb nach kurzer Krankheit, aber dennoch plötzlich und viel zu früh am vergangenen Donnerstag in seinem Wohnort Harriehausen. Er wurde 65 Jahre alt.
Hermann Brunke liebte und lebte den Fußballsport. Geboren am 17. Januar 1950 in Lutter spielte er von Kindesbeinen an beim dortigen TSV, wurde Jugend-Auswahlspieler und wechselte mit 18 Jahren zu Union Salzgitter, wo er unter Trainer Hannes Wittforth sein Talent weiterentwickelte. Hermann Brunke steht als Leistungsträger auch für den fußballerischen Höhenflug des SV Schwarz-Weiß von 1929 Harriehausen, wo er gemeinsam mit seinem SV-Team von der Kreisklasse bis in die Bezirksklasse Harz aufstieg. „HHB“ war ein gefürchteter Freistoß-Spezialist und erzielte in diesen Jahren zahlreiche Tore für den SVH. Sein fußballerisches Ausnahmekönnen blieb auch in Seesen nicht unbemerkt und so holte ihn der ehemalige Nationalspieler, WM-Teilnehmer 1970 und spätere Trainer Horst „Luffe“ Wolter zum damaligen Verbandsligisten VfL Seesen, wo er Ende der 70er Jahre ein hochwertiger und wichtiger Spieler war. Legendär war auch sein Treffer im entscheidenden Spiel bei der SVG Grün-Weiß Bad Gandersheim, als er am 14. Juni 1986 mit seinem Fernschusshammer aus 30 Metern in den Torwinkel für den überraschenden Knock-out der Gastgeber sorgte und mit dem 2:1 den Grün-Weißen somit den Bezirks-Aufstieg vermasselte. Anschließend folgte der „Historische Sprung in die Gande“ der Sieger aus Harriehausen.
Auch später war auf seinen Fußball-Sachverstand stets Verlass beim SV Harriehausen, wo er als Mehrfach-Trainer für verschiedene Mannschaften tätig war, so beispielsweise für die Herren I, Herren II, die Alte Herren und auch im Jugendbereich. Brunke legte immer Wert auf höchste Disziplin und bolzte viel Kondition mit seinen Jungs. Berüchtigt waren sein „Barriere-Barriere“ und die Huckepack-Übungen am Schwalenberg.
Neben dem SV Harriehausen trainierte Brunke auch die SG Heberbörde und den VfL Hahausen. Als Co-Trainer war er zudem bei der SVG Grün-Weiß Bad Gandersheim (Bezirksliga) tätig, bevor er dann noch einmal für ein Jahr den SV Harriehausen übernahm (Saison 2014/15). Zudem war er bis zu seinem Tod Mitglied im Kreisspielausschuss Northeim/Einbeck für den Bereich Altliga Ü40, Staffeln 1 und 2 sowie 2. Kreisklasse 3 der Herren. Beim SV Harriehausen war er Leiter der Sparte Fußball und Dreh- und Angelpunkt für alle Fragen – angefangen von Spielansetzungen bis hin zum Passwesen. Sein Regelwissen war dabei ausgezeichnet. Viele Jahre kümmerte er sich auch um die Platzpflege beim SVH, war sich nie zu schade, den Rasen zu mähen oder die Linien abzukreiden. Die Montaglektüre des Sportteils vom Gandersheimer Kreisblatt über den Seesener Beobachter bis hin zur Goslarschen Zeitung und der HNA in Northeim gehörten für ihn zur angenehmen Pflicht. So wusste er stets Bescheid, was in den Fußballvereinen der Region läuft.
Sein Vermächtnis bleiben die Bad Gandersheimer Fußballstadtmeisterschaften. Brunke hatte nach dem Seesener Vorbild die Idee, war an Organisation, Sponsorensuche und Vorbereitungstreffen maßgeblich beteiligt, und das insgesamt 28 Jahre. Zudem organisierte er für den SV Einheit Bräunsdorf nach dem Hochwasser im Jahr 2001 eine spontane Spendenaktion, damit der Verein aus Sachsen den überfluteten Fußballplatz wieder herrichten konnte.
Doch es war nicht nur sein unermüdlicher Einsatz für den Fußball, der ihn auszeichnete. Hermann Brunke war, bevor es diesen Begriff für einen Trainer überhaupt gab, schon immer so etwas wie ein Coach der Marke „The Special One“. Als Familienmensch, Ehemann, Vater und Großvater war er streng, aber stets gerecht. Als Trainer konnte er ein harter Hund sein, streitbar und unnachgiebig, dabei hatte er immer den sportlichen Erfolg im Auge. Nachlässigkeiten ließ er nicht durchgehen. Hart aber herzlich eben. Weitere Hobbys, die er in jungen Jahren pflegte, waren Tischtennis und Boxen – das talentiert und sportlich ehrgeizig. Beruflich war der gelernte Elektriker viele Jahrzehnte für die Deutsche Bahn als Zugbegleiter tätig. Auch hier arbeitete er stets zuverlässig und pflichtbewusst.
Und auch sein einzigartiger Humor zeichnete ihn aus. Er hatte für jede Situation einen meist recht trockenen Spruch parat, verstand viel Spaß und war durchaus auch ein geselliger Mensch, mit dem man gerne, ausgiebig und mitunter auch bis tief in die Nacht feiern konnte. Das allen voran nach Siegen seiner Mannschaften. In letzter Zeit wurde es dann etwas ruhiger um den leidenschaftlichen Bayern-München-Fan, der sich nach dem Vorbild des FCB-Managers Uli Hoeneß selbst zur „Abteilung Attacke“ zählte, was wohl eine richtige Selbsteinschätzung gewesen sein dürfte. Die Organisation von Mannschaftsfahrten, in Erinnerung bleibt insbesondere die einwöchige Tour mit 22 Fußballern nach Mallorca im Sommer 1996, war ebenfalls genau „sein Ding“.
Im letzten halben Jahr machte ihm dann eine Krebserkrankung zu schaffen, aber auch hier gab er nicht auf und kämpfte sich zunächst zurück. Trotz seiner Krankheit war er stets für seine Familie und den Fußball da. Noch am Tag vor seinem Tode hatte er die Organisation eines Hallenturniers in Seesen im Blick. Dazu sollte es leider nicht mehr kommen. Heinz-Hermann Brunke verstarb am Morgen des 5. November 2015 in seinem Wohnhaus.
Die Nachricht vom Tod Heinz-Hermann Brunke löste nicht nur in Harriehausen Trauer aus. HHB ist nun auf seine letzte Reise gegangen. Adieu Hermann!