„Ein Sicherheitsrisiko auf demFußballplatz!“

Fußballer des VfLSeesen kommt nach tätlichem Angriff auf Schiedsrichter mit Bewährungsstrafe davon

Eine Strafe von sechs Monaten zur Bewährung sowie 120 Stunden, die er beimStädtischen Bauhof abzuleis­ten hat, bekam am Mittwoch dieser Woche ein Fußballer des VfLSeesen vom Amtsgericht Seesen „aufgebrummt“. Wie bereits kurz berichtet, hatte der 44-Jährige in der Partie zwischen dem TSVMünchehof II gegen denVfL Seesen am 22. Oktober 2011 den Lutteraner Schiedsrichter Christof Lachnit in der 75. Minute tätlich angegriffen und soll ihn dabei laut Anklageschrift auch gewürgt haben.Dieser hatte daraufhin Strafanzeige gestellt.
Am Mittwoch wurde der Fall im Gericht aufgearbeitet. Der Angeklagte, ein in Seesen und der Umgebung in Fußballkreisen durchaus bekannter Akteur und ballgewandter Torjäger, erklärte, dass es im Verlauf des Spiels zunächst zu zwei, drei Meinungsverschiedenheiten gekommen sei – zwischen ihm und demReferee. Dann habe ihn der Schiedsrichter mit den Worten„Du Asi spielst heute eh nicht zu Ende“, beleidigt, woraufhin der VfL-Akteur sogar mit flehendem Blick gebeten habe, dies zu unterlassen.Offenbar wohlwissend, was passieren kann, wenn er weiter provoziert wird.
Später habe er nach einem unabsichtlichem Handspiel die Gelb-Rote Karte gesehen, schilderte der Angeklagte. Daraufhin sei er auf den 21-jährigen Schiesdrichter los und habe ihn an den Hals gefasst sowie zweimal geschlagen. Soweit die Ausführungen des Angeklagten, der auf Nachfrage des Richters Frank Rüger die Bezeichnung „Heiß­sporn“ als durchaus treffend empfand.
Dass er kein unbeschriebenes Blatt ist, ergab sich aus dem Registerauszug, den Richter Rüger ihm noch einmal vorlas. Auch beim Fußball ist es bereits zu mehreren Vorfällen gekommen, wobei der Angeklagte betonte, dass er in seiner „Karriere“ insgesamt vielleicht sieben Rote beziehungsweise Gelb-Rote Karten bekommen habe und dass das eigentlich nicht allzu viel sei. Er musste allerdings einräumen, vor Jahren schon einmal einen Schiedsrichter attackiert zu haben. Er selbst habe mittlerweile das Gefühl, dass ihn die Schiedsrichtergilde auf dem „Kieker“ habe. Dennoch räumte er ein, einen Fehler gemacht zu haben.
Sein Opfer Lachnit, ein junger Schiedsrichter des TSV Lutter, schilderte den Vorfall aus seiner Sicht und auch ein wenig anders. Es sei für ein Derby eigentlich ein eher harmloses Spiel gewesen, das er da pfiff – wegenMeckerns hätte er den Angeklagten in der 30. Minute dann verwarnt. Später, nämlich in der 75. Minute, habe dieser dann den Ball aus demSpiel heraus in die Hand genommen, sei auf ihn losgerannt und habe ihn am Hals gewürgt.
Danach habe er ihn mehrmals gegen den Kop geschlagen und schließlich einenSchlag in die Magengegend verpasst. Das Spiel wurde abgebrochen.
Hier hakte Richter Rüger nach, um zu differenzieren, ob ein Fall der „normalen“ oder aber der „schweren“ Körperverletzung vorliege. Er habe sich zwar nicht in Lebensgefahr befunden, wie der Schiedsrichter auf Nachfrage ausführte, dennoch wirke die Geschichte bis heute nach.Er bekomme Panikat­tacken und leide seither unter Schlafstörungen.
Dass er den Spieler provoziert habe, stritt der Unparteiische vehement ab. Ihm sei der Fußballer durch sein Verhalten zwar schon bekannt gewesen, aber mehr auch nicht. Das sah der Angeklagte ein wenig anders. Er habe bereits gegen denVater des Schiedsrichters Fußball gespielt und vermutete unter Umständen eine Retourkutsche: „Die Schiedsrichter wollen mich eben loswerden und provozieren mich immer wieder!“
Dem vermochte Richter Frank Rüger nicht zu folgen. „Sie fühlen sich als Opfer! Das ist doch aber eher eine Legendenbildung“, meinte er mit Blick auf den Fußballer. Er hielt dem Angeklagten zwar zu Gute, dass er sein Verhalten wenigstens eingeräumt habe, aber die Vorgeschichte sowie die seelischen Nachwirkungen flossen amEnde dann auch in das Urteil mit ein. Dieses hätte, wie Rüger in seiner Begründung ausführte, durchaus drastischer ausfallen können. Nämlich dann, wenn der Schiedsrichter seine Verletzungen weiter dramatisiert und sich für das Gericht ergeben hätte, dass es sich um eine schwere Körperverletzung gehandelt hätte.
Dass der Angeklagte den Schiedsrichter gewürgt und auch in den Bauch geschlagen habe, stand für Rüger amEnde fest. „Sie sind doch eingentlich ein Sicherheitsrisiko auf demFußballplatz!“, beendete der Richter die Verhandlung.