Eine ganze Region träumt jetzt vom Aufstieg

Viel zu feiern gab es für Mannschaft und Fans von Eintracht Braunschweig in der Hinrunde.

2. Bundesliga: Eintracht Braunschweig feiert Herbstmeisterschaft und überwintert an der Tabellenspitze

Das zweite Jahr ist immer das schwerste. Diese These hat sich in der Vergangenheit oftmals bewahrheitet, doch Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Dies hat Zweitligist Eintracht Braunschweig in der ersten Halbserie der Saison 2012/2013 eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Wie? Platz eins mit 44 Punkten – Eintracht überwintert damit mit zwei Zählern Vorsprung auf Verfolger Hertha BSC Berlin (42) auf Rang eins. Der drittplatzierte 1. FC Kaiserslautern hat sogar schon zwölf Zähler Rückstand auf die Blau-Gelben.
Die Löwen waren bislang sehr konstant. Schaut man sich die Tabellenplatzentwicklung des Teams von Trainer Torsten Lieberknecht genauer an, dann wird einem schnell klar, warum diese Aussage den Nagel auf den Kopf trifft. Seit dem zweiten Spieltag stehen die Blau-Gelben ununterbrochen auf Rang eins. In 19 Partien gab es für die Löwen lediglich eine Niederlage, 13 Siege und fünf Remis – eine beeindruckende Bilanz, die im Umfeld des Traditionsvereins eine riesige Euphorie ausgelöst hat. Dafür ist nicht nur die Tabellenführung verantwortlich, sondern auch das Auftreten der Mannschaft. Wie sie mit Leidenschaft, Identifikation und Akribie erfolgreich Fußball spielt, wird von den Fans honoriert und einhundertprozentig unterstützt.
Am ersten Spieltag stellte sich mit dem 1. FC Köln gleich einer der vermeintlichen Favoriten im Eintracht-Stadion vor. Es war eine enge Partie mit Chancen auf beiden Seiten. Eintracht hatte an diesem Nachmittag jedoch den besseren Joker. Neuzugang Orhan Ademi traf mit dem ersten Ballkontakt nach seiner Einwechslung zum umjubelten 1:0 für den Gastgeber. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass Kruppke und Co. die beste Hinrunde der Vereinsgeschichte hinlegen würden.
Nachdem die Löwen auch in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals einen souveränen Eindruck hinterließen und den Regionalligisten VfB Lübeck mit 3:0 besiegten, kam es in der Liga zum Aufeinandertreffen mit dem Vorjahres-Fünften, dem SC Paderborn. Durch Treffer von Deniz Yilmaz, Deniz Dogan und Kapitän Dennis Kruppke drehten die Einträchtler nach dem ersten Gegentreffer der Saison die Begegnung noch zu ihren Gunsten.
In den folgenden zwei Partien waren die Löwen erstmals klarer Favorit, denn es ging gegen die beiden Aufsteiger VfR Aalen und Jahn Regensburg. Doch auch mit dieser neuen Situation kam die Mannschaft von Torsten Lieberknecht gut zurecht und siegte zweimal.
Danach stand die erste englische Woche mit drei Partien binnen sieben Tagen auf dem Programm. Zweimal musste Eintracht dabei in der Fremde antreten – und zwar gegen namenhafte Kontrahenten. Am ersten Oktoberfest-Wochenende war man in der Allianz Arena beim TSV 1860 München zu Gast. In einer hochklassigen ersten Hälfte traf Kumbela zur verdienten Führung. Der Tor-Knoten des Kongolesen war nach zuvor fünf Partien ohne Treffer geplatzt. Bis zur Winterpause sollten elf weitere folgen. Dem TSV gelang allerdings im zweiten Durchgang noch der 1:1-Ausgleich, der gleichzeitig den Endstand bedeutete.
Nach dem am Ende klaren Heimsieg gegen den schwach gestarteten MSV Duisburg, bei dem die Blau-Gelben mit drei späten Toren den Zebras den Zahn zogen, folgte das Topspiel beim Bundesliga-Absteiger 1. FC Kaiserslautern. Gegen die hoch gehandelten Pfälzer zog sich Eintracht mehr als beachtlich aus der Affäre und entführte beim 1:1 einen verdienten Punkt vom Betzenberg. Ademi stach wie schon gegen den 1. FC Köln als Joker und sorgte nach tollem Solo für gute Stimmung beim Eintracht-Tross und den zahlreich mitgereisten Fans.
Zwei weitere zu-Null-Siege sorgten dafür, dass die Löwen Ligaprimus Hertha BSC Ende Oktober zum absoluten Spitzenspiel im ausverkauften Heimspiel empfingen. Gegen den Hauptstadt-Club gelang Kruppke mit einem satten Schuss die Führung in Hälfte eins. Doch die Berliner drehten mit einem starken Regisseur Ronny in den zweiten 45 Minuten gehörig auf und kamen nach einer Standardsituation noch zum verdienten Ausgleich. Doch spätestens nach diesem Spiel wusste jeder, dass die Löwen gegen die Spitzenmannschaften der 2. Bundesliga mithalten können.
Drei Tage später war es dann aber soweit. In der zweiten Runde des DFB-Pokals war gegen Bundesligist SC Freiburg Endstation und es gab mit dem 0:2 die erste Pflichtspielniederlage der laufenden Saison.
Erst am 15. Spieltag sollte es auch in der Liga die erste Niederlage geben. Nach 90 spannenden und umkämpften Minuten im Stadion der Freundschaft von Energie Cottbus mussten sich die Löwen am Ende mit 1:3 geschlagen geben. Doch auch davon ließ sich der Tabellenführer nicht beirren.
Zwei Runden vor dem Ende der Hinserie empfingen die Löwen den FC St. Pauli zum Nord-Schlager. Vor eindrucksvoller Flutlichtkulisse gaben sich Kruppke und Co. keine Blöße und rangen die Hamburger in einem intensiven Spiel verdient mit 1:0 nieder. Durch das Remis von Verfolger Hertha BSC (1:1 gegen Köln) am nachfolgenden Abend feierte Eintracht die Herbstmeisterschaft quasi in aller Ruhe vom Sofa. Und um diesen Titel auch mit etwas Zählbarem zu untermauern wurde der FSV Frankfurt auswärts mit 2:1 besiegt. Damit endete eine aus Löwen-Sicht sensationelle Hinrunde, in der die gesamte Mannschaft in ihrer Entwicklung einen großen Schritt nach vorne gemacht hat.
Zwei Rückrunden-Partien standen für den Tabellenführer aber im Jahr 2012 noch an. Dabei bestritten die Löwen jeweils das Topspiel am Montagabend. Und beide Begegnungen sollten dieser Bezeichnung mehr als gerecht werden. In Köln sah der FC nach dem Tor von Anthony Ujah (87.) schon fast wie der sichere Sieger aus. Doch durch die letzte Aktion gelang Ermin Bicakcic der umjubelte 2:2-Ausgleich. Zum letzten Spiel des Jahres stellte sich dann Union Berlin in Braunschweig vor. Zweimal gerieten die Löwen in Rückstand, kamen aber durch den überragenden Kumbela, der an diesem Abend seine Saisontore zehn bis zwölf erzielte, immer wieder zurück, drehten die Partie in der zweiten Halbzeit schließlich zu ihren Gunsten und verabschiedeten sich somit mit dem anvisierten Heimerfolg als Tabellenführer in die Winterpause.
Am 2. Februar geht es weiter mit dem Spiel beim SC Paderborn. Am Freitagabend, 8. Februar, um 18 Uhr empfängt die Eintracht im ersten Heimspiel nach der Winterpause den VfR Aalen. Damit es auch in der Rückrunde so erfolgreich wetergeht und eventuell sogar der Aufstieg geschafft wir, reisen die Braunschweiger vom 13. bis 22. Januar ins Trainingslager ins türkische Belek. Auch mehrere Testspiele sind bereits angesetzt worden. Das erste findet schon am Dienstag, 8. Januar, gegen Rot-Weiß Erfurt statt. Das Training nimmt der Zweitligist schon am heutigen Donnerstag wieder auf. Morgen nimmt die Mannschaft am Budenzauber in Frankfurt teil.