Lutz Michael Fröhlich – Unparteiischer mit Berliner Schnauze

Prominenter Gast bei den Schiedsrichtern: Lutz Michael Fröhlich. (Foto: Kluge)

Ehemaliger Bundesliga-Referee stand den Schiedsrichtern Rede und Antwort

Goslar / Seesen (cfk). Zu einer besonderen Fortbildung hatte Fußball-Schiedsrichter-Lehrwart Axel Pioch geladen und gut 100 Referees waren dem Aufruf gefolgt. Kein Wunder, stand doch mit Lutz Michael Fröhlich ein erfahrener und renommierter Mann am Referentenpult.
Mit „Berliner Schnauze“ verriet Fröhlich den anwesenden Schiris einiges über Aufbau und Struktur sowie die Arbeitsweise der Schiedsrichterkommission beim Deutschen Fußball Bund (DFB). Da floss auch die eine oder andere Insider-Anekdote als beispielhafte Erläuterung ein. Schließlich ist Fröhlich heute Abteilungsleiter Schiedsrichterwesen beim DFB und verfügt somit auch als Funktionär über einen reichen Erfahrungsschatz. Kernpunkt seines Vortrags, den er mit Videosequenzen untermalte, war das Thema „Persönlichkeit – Führungskompetenz“. In mehreren Schritten arbeitete er darauf hin, dass diese beiden Schlagworte einander unabdingbar beeinflussen. Als einen wesentlichen Punkt macht er dabei den „richtigen Umgang mit Distanz und Nähe“ aus. Sportkamerad sein und dennoch Chef auf dem Platz sollte ein Referee sein. Schließlich muss ein Spielleiter „vielseitig und flexibel im Repertoire“ sein, in seinen Maßnahmen ausgewogen und vor allen Dingen „richtige und akzeptierte Entscheidungen“ fällen.
Fast noch spannender für das Auditorium war die Fragestunde mit Fröhlich. Dabei offenbarte er, dass er sich mit einem Chip im Ball anfreunden könne, aber gegen die reine Videoentscheidung sei. „Je nach Kamerapositionen und Blickwinkel kommen wir immer wieder zu unterschiedlichen Entscheidungen, wie das Fernsehen ja immer wieder beweist“, so Fröhlich. Ausgestattet mit einem Oberharzer Wurstpaket musste er aber dann nach Braunschweig gebracht werden, um den Zug nach Berlin zu erreichen. Die Fragestunde hätte, wenn es nach den Schiedsrichtern gegangen wäre, sicher noch länger dauern können.
„Das war wieder einmal eine gute Gelegenheit über den Tellerrand zu blicken“, war Pioch zufrieden mit der Veranstaltung. Denn sonst steht meistens er bei den Fortbildungen am Rednerpult und referiert. „Einmal im Jahr versuchen wir aber jemand anderes zu gewinnen, diesmal war es Fröhlich“, so Pioch. Wenn Schiedsrichterfortbildungen immer so kurzweilig wären, die Resonanz wäre sicher noch größer.