Orientierungslauf -Europameisterschaften: Bjarne Friedrichs ohne Finalteilnahme

In Schweden am Start: Bjarne Friedrich vom MTV Seesen.

Im schwedischen Dalarna trafen sich die OLer zur ersten großen internationalen Meisterschaft des Jahres / Kraftausdauer fehlte diesmal noch

Seesen (df). Die letzten Schneereste waren noch nicht geschmolzen, die Utensilien der Wintersaison noch nicht alle verstaut, da trafen sich in Dalarna im Herzen Schwedens die Orientierungsläufer zur ersten großen internationalen Meisterschaft des Jahres, der Europameisterschaft. Treffpunkt waren die Orte Falun und Mora, Skisportfans von vielen Weltcuprennen und dem Wasalauf bestens bekannt. Wo vor Wochen noch Skisportler unterwegs waren, ging es nun – wie üblich im Zweijahrestakt – um die Titel eines Europameisters.
Man kann zu Recht fragen, ob es Sinn macht, neun Wochen vor den Weltmeisterschaften in der Schweiz Europameisterschaften durchzuführen. Aber wenn diese in schwedischen Wäldern stattfinden, kommen alle - und so waren bis auf Polen alle OL-Nationen mit ihren besten Leuten vertreten. Auch Deutschland hatte ein größeres Team mit sieben Herren und zwei Damen entsandt, darunter den Seesener Bjarne Friedrichs. Wie immer bei internationalen Titelkämpfen im Erwachsenenbereich galt es für die Deutschen als Ziel, einen A-Final-Platz zu erreichen. So wie Bjarne Friedrichs dieses letztes Jahr bei der WM in Frankreich gelungen war, schaffte es in diesem Jahr nur Christoph Brandt als Vorlauf-Fünfzehnter auf der Langdistanz, wo er dann im A-Finale aber chancenlos Platz 46 belegte.
Dazu muss man wissen, dass bei einer EM pro Nation sechs Athleten auf einer Strecke an den Start gehen können und aus den drei Vorläufen nur die 17 besten Aktiven das A-Finale bestreiten. Es ist also erheblich schwerer, bei einer EM dieses Ziel zu erreichen als bei einer WM. Insofern enttäuschten die deutschen Athleten nicht, aber sie mussten ein weiteres Mal erkennen, dass sie von der Weltelite (die inzwischen auch im OL aus Profisportlern besteht) ein Stück zu weit entfernt sind. Dies gilt auch für Bjarne Friedrichs, dem zudem noch die Belastungen von der Organisation der Seesener Doppelveranstaltung Ende April in den Knochen steckten und einige Aufbauwettkämpfe fehlten.
Den Auftakt bildeten die Vorläufe über die unterschiedlichen Distanzen. Sowohl in der Qualifikation über die Mitteldistanz (fünf Kilometer) als auch über die Langdistanz (zu kurze 7,9 Kilometer) machte er kleine Fehler und belegte die Plätze 34 beziehungsweise 27. Aber auch ohne diese kleinen Schlenker hätte es nicht für das A-Finale gereicht; dazu fehlte vor allem in den zu dieser Jahreszeit doch sehr feuchten Sumpfwiesen die Kraftausdauer. Nach dem Verzicht auf einen Start im Sprint lief es in den B-Finalläufen mit Rang 30 über die Mitteldistanz und Rang 15 über die Langdistanz (12,9 Kilometer) schon etwas besser. Die beste Leistung bot Bjarne Friedrichs dann in der abschließenden Staffel, die das deutsche Trio in der Besetzung der letztjährigen WM lief. Startläufer Christoph Brandt wechselte zwar „nur“ als 18., hatte aber Kontakt zu einer großen Gruppe vor ihm. Bjarne Friedrichs verbesserte sich zunächst um einige Plätze, verlor aber nach dem Sichtposten, als es den Aufsprunghügel der großen Skischanze hinaufging, wieder zwei Positionen und wechselte als 17. Schlussläufer Sören Lösch musste zwar noch eine weitere Staffel vorbeiziehen lassen, der 18. Platz entspricht aber dem WM-Ergebnis aus dem Vorjahr.
Das Fazit aus deutscher und auch aus Seesener Sicht lautet: zufriedenstellend. Mehr war nicht zu erwarten, aber positive Ansätze für eine dennoch erfolgreiche Saison sind zu erkennen. Die großen Sieger dieser Euromeisterschaft hießen Simone Niggli aus der Schweiz, denn die vielfache Weltmeisterin gewann alle drei Strecken, und Olav Lundanes aus Norwegen, der nach dem verletzungsbedingten Ausfall des Weltmeisters Thierry Gueorgiou aus Frankreich die Gunst der Stunde zu zwei souveränen Siegen nutzte.