Seesener Lauf-Trio nahm am Hannover-Marathon teil

Wolfgang Rühlemann. (Foto: bo)
 
Rüdiger Birkner. (Foto: bo)

Wolfgang Rühlemann, Rüdiger Birkner und Stefan Röbbel quälen sich in der Landeshauptstadt über 42,2 Kilometer / Rühlemann verteidigt Titel

Seesen (PG). Mit einer gebrochenen Rippe ging der MTV-Läufer Wolfgang Rühlemann beim diesjährigen Hannover-Marathon an den Start. Dieser Wettkampf diente den niedersächsischen Langstreckenläufern auch gleichzeitig als Landesmeisterschaft. Trotz seiner schmerzhaften Verletzung, die ihn fast vier Wochen am Training hinderte, ging der Seesener mit seinen beiden Teamkameraden Rüdiger Birkner und Stefan Röbbel an den Start.
Sein klares Ziel legte er vor dem Start fest: „Das wird zwar ein Höllenritt heute, aber mir ist alles egal, ich will nur meinen Titel in der M50 verteidigen.“ Im nächsten Jahr wird der Harzstädter 55, somit ist es der letztmögliche Titel in seiner Altersklasse. Dieser hat unter Läufern eine besondere Wertigkeit. Denn fast ausschließlich gewinnen diese Meisterschaften die jüngeren Läufer, die gerade frisch in die Altersgruppe gekommen sind.
Dennoch ging Wolfgang Rühlemann vom Start weg in einem flotten Tempo an; ihm folgte im großen Feld Stefan Röbbel, der sehr optimistisch nach einer neuen Bestleistung strebte. Rüdiger Birkner lief wie immer verhalten an und war gar nicht zufrieden damit, dass er sich fast im Mittelfeld aufhielt. Aber Rüdiger hat Nerven wie Drahtseile, er kümmert sich nicht um die Konkurrenz, sondern läuft immer taktisch verhalten und setzt dann im Endkampf seine überragende Ausdauer ein.
Verhalten war die Taktik von Wolfgang Rühlemann nicht gerade, er ging nur wenig langsamer an als in seinen besten Zeiten. Wohl vergessend, dass ein Marathon erst bei Kilometer 25 beginnt und es ab 35 erst so richtig „schön“ wird. Und so war es dann auch. Nach der Hälfte der Strecke bekam der Seesener schlotternde Knie. Jeder Kilometer war langsamer als sein Vorgänger. Bei Kilometer 30 war der Seesener so „platt“, wie man ihn noch nie gesehen hatte. Er legte die erste Gehpause ein. Nur mit Engelszungen konnte ihn Trainer Greif zum Weiterlaufen bewegen.
Weiter hinten kam es zu einem Duell zwischen Stefan Röbbel und Rüdiger Birkner. Ersterer hatte Mitte der 42,2-Kilometer-Distanz noch mehr 1,5 Minuten Vorsprung, und es sah nicht so aus, dass er diesen verspielen könnte. Aber Rüdiger war auf seiner Spur und hatte seinen Mannschaftskameraden im Blickfeld, der sich mit aller Macht wehrte. Dieses Duell hatte für beide einen ganz großen Vorteil, denn die Konkurrenz der anderen Läufer wurde im „Fluge“ überholt. Bei Kilometer 40 liefen dann beide Harzstädter Brust an Brust. Jetzt musste es zur Entscheidung kommen. Stefan Röbbel hatte auf Grund seiner höheren Grundschnelligkeit die Vorteile auf seiner Seite.
Dichter am Ziel „siechte“ Wolfgang Rühlemann dahin. Immer langsamer kam er vorwärts und legte immer wieder eine Gehpause ein. „Ich kann nicht mehr, ich höre auf“, stöhnte er und wollte die Strecke schon verlassen. Trainer Greif auf dem Fahrrad lockte ihn mit der Beschreibung von Himmel und Hölle wieder zurück in das Geschehen. Noch einen Kilometer vor Ziel schwor der MTVer, dass er nun wirklich nicht mehr könne und aufgebe. Nur mit dem Hinweis, dass noch nie ein Marathoner ein Rennen einen Kilometer vor dem Ziel aufgegeben habe, konnte ihn sein Trainer auch noch über den letzten Kilometer bewegen.
Dieses ganze Hin und Her hatte natürlich auch Auswirkungen auf seine Gesamtplatzierung im Feld. Wolfgang Rühlemann wurde mehrfach überholt, und im Blick nach hinten tauchten jetzt auch Rüdiger Birkner und Stefan Röbbel auf. Ersterer hatte seinen Mitstreiter nun doch ein- und überholt und ihm einige Sekunden abgenommen. Und er sah Wolfgang Rühlemann dem Ziel fast entgegen „kriechend“ vor sich.
Aber es reichte nicht mehr ganz, um den besten MTVer einzuholen. So kam das Seesener Trio innerhalb einer Minute in das Ziel. Wolfgang Rühlemann verteidigte seinen Niedersächsischen Meistertitel in der M50 in der Zeit von 2:57:39, vor Hermann Luttmann von der SG Unterstedt in 2:58:58 Stunden. Weiterhin belegte der Harzstädter den 52. Platz unter den 1323 Läufern im Ziel. Auch in der Gesamtwertung des Hannover-Marathons war er der schnellste M50-er.
Rüdiger Birkner erreichte die Ziellinie in 2:57:55 Stunden und damit Platz 54 in der Gesamtwertung und den fünften Rang in der M45. Im niedersächsischen Rahmen war es ein schöner dritter Platz. Der Dritte im Bunde, Stefan Röbbel, konnte mit 2:58:26 den 56. Gesamtrang belegen und schaffte in seiner Altersklasse M20 den fünften Platz. Ihm gelang mit einer Verbesserung um zwei Sekunden auch noch ein persönlicher Rekord über die 42,2 Kilometer, und auch er belegte in der AK den dritten Rang. Um die Sache abzurunden, konnte die Mannschaft des MTV-Seesen in der Besetzung Rühlemann, Birkner und Röbbel den Bronzeplatz hinter Walsrode und Georgsmarienhütte und vor Barsinghausen belegen.