Silbermedaille bei Regenschlacht im Erzgebirge

Orientierungslauf: Deutsche Meisterschaften leiden unter widrigen Wetterbedingungen

Kaum jemand der rund 800 Teilnehmer an den Deutschen Meisterschaften im Orientierungslauf über die Mitteldistanz in Altenberg im Erzgebirge konnte sich erinnern, jemals bei solch widrigen Bedingungen einen Wettkampf bestritten zu haben. Während mit Bjarne Friedrichs der Titelverteidiger aus Studiengründen passen musste und Ole Hennseler und Ulrike Friedrichs durch Suchaktionen zurückfielen, hielt Birte Friedrichs in der D16 für die MTV-OLer die Fahnen hoch und sicherte sich nach der DM im Sprint-OL in Berlin die zweite Silbermedaille der Saison. Zudem gewann sie tags darauf den Bundesranglistenlauf.
Angekündigt waren grenzüberschreitende Läufe direkt an der tschechischen Grenze in detailreichem, teils offenem, teils schwierig belaufbarem typischen Erzgebirgswald mit Zieleinlauf im Biathlonstadion von Zinnwald. In der Realität wurden daraus ein Sumpflaufen auf den halboffenen Heideflächen und ein Springen über vollgelaufene Gräben. Manch Aktiver stand auch einmal urplötzlich bis über die Hüften oder noch höher im Wasser. Ein Sonderlob verdienten sich die Ausrichter vom SV Robotron Dresden, die stundenlang in Kälte und Dauerregen ausharrten und eine einwandfreie Organisation präsentierten, während ringsum Katastrophenalarm herrschte.
Diese Bedingungen führten aber teilweise auch zu fast schon irregulären Verhältnissen, wenn die Karte kaum noch lesbar war oder auf einmal wesentlich mehr wasserführende Gräben vorhanden waren als kartiert und man nicht entscheiden konnte, welches die in der Karte eingezeichneten größeren Gräben in den Grabensystemen sein sollen. Auch die Posten waren unter diesen Bedingungen manchmal erst zu sehen, wenn man direkt daneben stand. So blieb kaum ein Athlet fehlerfrei, aber schließlich setzten sich doch in der Regel die besten Orientierer durch.
In der D16 kam es wie erwartet zu einem Zweikampf zwischen Dorothea Müller (Post SV Dresden) und Birte Friedrichs, den die Seesener Läuferin trotz hervorragender Leistung knapp verlor. Dennoch freute sie sich über die Silbermedaille vor ihrer Staffelkollegin Henriette Käding (Kaulsdorfer OLV), die übrigen Konkurrentinnen folgten mit größeren Abständen. In der H16 profitierten die erstgestarteten Läufer von einer kurzen Regenpause und besseren Sichtverhältnissen, während Ole Hennseler im nächsten Regenguss mehrere Posten nicht auf Anhieb erwischte. So blieb statt eines erhofften Podestplatzes in einem dichten Feld nur Rang 13. Auch Ulrike Friedrichs (D50) musste einen Posten mehrfach anorientieren und verlor dadurch viel Zeit und viele Plätze.
Da der Regen über Nacht noch an Intensität zugenommen hatte, mussten die Organisatoren kurzerhand alle auf tschechischem Gebiet befindlichen Teilstrecken herausnehmen, weil der den Grenzverlauf bildende Bach sich zu einem reißenden Fluss gewandelt hatte und eine Überquerung gefährlich geworden wäre. Während etliche Aktive am Sonntag zum Bundesranglis­tenlauf über die Langdistanz durchgeweicht und entnervt nicht mehr antraten, versuchten die beiden MTV-Nachwuchsathleten erneut ihr Glück. Während Ole erneut mit diesem haderte und als Zehnter unter seinen Möglichkeiten blieb, zeigte Birte ein weiteres Mal ihre Klasse und ihr Durchsetzungsvermögen und gewann nach 5,3 Kilometern Luftlinie und 190 Höhenmetern mit deutlichem Vorsprung.